Commodity-Tag der Nord/LB

Anpassen oder aufgeben

Prof. Nick Lin-Hi von der Universität Vechta sieht einen Markt für alternative Proteine.
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Prof. Nick Lin-Hi von der Universität Vechta sieht einen Markt für alternative Proteine.

Disruptionen durch die Digitalisierung müssen auch Agrarhandelsunternehmen bewältigen. Händler seien eher Bauchmenschen.

Das mache heute rund zwei Drittel der Entscheidungen am Tag aus. Mit Blick auf die Digitalisierung, die zunehmend Fahrt aufnimmt, sei diese Vorgehensweise nicht mehr möglich, erläuterte Jörg Migende, Leiter Vertrieb und Digitalisierung bei der Baywa AG, am Mittwoch auf dem Commodity-Tag der Nord LB in Bremen.

Commoditytag: 10. Commodity Tag der Nord LB


Skalieren oder kooperieren

Um die Disruption im Agrarhandel zu bewältigen, müssten die Unternehmen ihre Strategien prüfen und dazu die Veränderungen an Märkten und in der Politik genau analysieren, so Migende. Ein wichtiger Faktor sei auch, die Angst vor der Digitalisierung zu überwinden – sowohl im Unternehmen als auch bei den Kunden. Landwirte setzen seiner Erfahrung nach noch wenig digitale Tools ein, weil die Kosten-Nutzen-Relation nicht gegeben oder sie nicht praktikabel seien. Da Landwirte keine IT-Spezialisten seien, bräuchten sie Beratung und Unterstützung. Wichtig für den Agrarhandel sei es, die Kundenbedürfnisse genau zu kennen, einen Mehrwert durch digitale Tools zu bieten und dies zu kommunizieren. Nur dadurch ließen sich neue Geschäftsfelder für den Handel erschließen, indem er Lösungen statt Produkte den Landwirten anbietet. Wer das nicht schaffe, habe keine Überlebenschance, sagte Migende auch mit Blick auf die Vielzahl an digitalen Plattformen, die den klassischen Agrarhandel aufmischen. Allerdings sei es noch schwierig, gute Erlösmodelle zu entwickeln, räumte er ein. Entweder müsse man skalieren können oder mit anderen kooperieren.

Exponentielle Geschwindigkeit

Drastischer formulierte Prof. Nick Lin-Hi von der Universität Vechta, dass die Digitalisierung in den kommenden zehn Jahren die Welt grundlegend verändern werde. Er rechne mit einer Spaltung der Gesellschaft in Menschen und Unternehmen, die mit der Digitalisierung gingen, und andere, die in der analogen Welt blieben, erklärte Lin-Hi, der Wirtschaft und Ethik lehrt. Unternehmen müssten jetzt radikal anders denken, denn die Geschwindigkeit der Digitalisierung verlaufe exponentiell und nicht mehr, wie bisher gewohnt, linear. Nur wer sich permanent verändern könne, werde langfristig überleben, so seine These.

Allerdings berge die Digitalisierung auch Chancen. So werde sich die Art der Ernährung verändern. Lin-Hi nannte Essen aus dem 3D-Drucker, das auf die ernährungsphysiologischen Bedürfnisse abgestimmt ist, eine Geschmacksstimulation durch einen Chip im Gehirn oder Fleischwarenhersteller, die gänzlich ohne Tiere auskommen. Das Verhalten des Konsumenten sei allerdings wechselhaft – Beispiel Flexitarier. Dadurch ergeben sich auch neue Märkte, so Lin-Hi, wie Clean-Meat oder ein alternativer Proteinmarkt.

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