Crispr

Genschere sorgt für Zwist in Brüssel


Foto: Transgen

Das Urteil des EU-Gerichtshofs zu Crispr sorgt im Europaparlament für Kontroversen. Die Grünen loben die strengen Auflagen. Liberale Abgeordnete sehen die Zukunft der Züchtung in Gefahr.

„Europa war bisher bei der Züchtung führend. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs wird dies zu Nichte machen“, warnte die britische Abgeordnete Anthea McIntyre von den Konservativen Anfang der Woche im Agrarausschuss des EP. Mit konventionellen Züchtungsmethoden brauche man beispielsweise bis zu 18 Jahre, um eine neue Grassorte zu entwickeln. „So viel Zeit haben wir nicht mehr“, betonte McIntyre und wies auf schädlingsresistente und trockentolerante Pflanzen hin, die dringend gebraucht würden. 

Der Europäische Gerichtshof kam in seinem Urteil im Juli zu einer anderen Einschätzung. Die mit der Genschere Crispr/Cas9 veränderte DNA bringe ähnliche Risiken mit sich wie die übliche Gentechnik und müsse deshalb gleich behandelt werden, urteilen die Richter in Luxemburg. Folglich müssen mit der Genschere hergestellte Erzeugnisse der bestehenden Gentechnikgesetzgebung unterliegen. Das heißt, sie müssen die vorgeschriebenen EU-Genehmigungsverfahren für gentechnisch veränderte Organismen (GVO) durchlaufen und gekennzeichnet werden.

Kleine Züchtungsunternehmen im Nachteil

Hier setzt die Kritik des Liberalen Jan Huitema an. Die vom Gericht geforderten, komplizierten Zulassungsverfahren und Kennzeichnungsvorschriften könnten sich nur multinationale Saatgutkonzerne leisten, wohingegen kleinere Züchter das Nachsehen hätten, warf der niederländische Abgeordnete ein. 

Der italienische Sozialdemokrat Paolo De Castro zeigte praktische Probleme bei der Umsetzung des Gerichtsurteils auf. Wenn sich die Sorten der konventionellen Mutagenese und der neuen Mutagenese nicht stofflich unterscheiden ließen, könnten die Behörden zusätzlich Kennzeichnungspflichten auch nicht kontrollieren. 

Die Bevölkerung wolle keine Gentechnik, hielt Martin Häusling von den Grünen fest. Die neue Risikotechnologie müsse deshalb gekennzeichnet werden. Das Urteil sei Konsequent im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes, hob Häusling hervor.

Mehr lesen Sie in der 2. Ausgabe der agrarzeitung (az) am 11. Januar 2019

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