Die Top Themen: Corona, Erntehelfer, Logistik, Anbauzahlen

az-Wochenstart: Was Wichtig Wird


-
-

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre! Ihre Stefanie Pionke, Redaktion agrarzeitung.

Der Corona-Ausnahmezustand in Deutschland geht in die zweite Woche. Hilfspakete für die Wirtschaft wurden bereits im Eilverfahren durch Bundestag und Bundesrat gepeitscht. Agrarwirtschaft und -politik sind – wie alle anderen Lebensbereiche auch – im Krisenmodus. Entsprechend schwer fällt in dieser gerne als „dynamisch“ bezeichneten Lage, einen belastbaren Ausblick auf die Woche zu treffen. Deshalb erfolgt hier zumindest ein Versuch, die Lage zu ordnen.

„E“ wie Erntehelfer und „E“ wie Energiepreise

Zur bevorstehenden Spargelernte werden zahlreiche Hände gebraucht.
imago images / localpic
Zur bevorstehenden Spargelernte werden zahlreiche Hände gebraucht.

In der Corona-Krise ist die Landwirtschaft als systemrelevant eingestuft worden. Agrarhändler arbeiten auf Hochtouren, um Landwirte mit Betriebsmitteln wie Saatgut, Futter oder Pflanzenschutz zu beliefern. Mühlen und andere Verarbeiter kaufen Getreide vorausschauender als sonst ein. Der Blick auf die Getreidepreise wird zeigen, ob diese „just in a bit more time“-Bevorratung, wie es ein Einkäufer gegenüber dieser Zeitung formulierte, auch weiter anhält – oder eine gewisse Entspannung einkehrt. Das hängt sicher auch davon ab, wie die Logistik mitspielt: Werden LKW-Fahrer krank? Schaffen es die EU-Mitgliedstaaten, an ihren inzwischen wieder kontrollierten Grenzen dem Warenverkehr Vorrang zu gewähren und somit Monsterstaus weiter aufzulösen? Diese Fragestellungen bleiben nach wie vor hochaktuell.
Dann wäre da noch das große Thema Erntehelfer: Seit vergangenem Mittwoch gilt das Einreiseverbot für Rumänen, Bulgaren, Ungarn sowie aus Drittstaaten wie der Ukraine, es gilt nicht für Polen, Tschechen und Slowaken. Laut Deutschem Bauernverband (DBV) kommen jedoch rund 60 Prozent der jährlich rund 300.000 benötigten Erntehelfer aus Rumänien, ein Drittel aus Polen. Obst- und Gemüsebauern sehen ihre Ernten in Gefahr; kreative Lösungen sind gefragt. In der Start-up-Szene beispielsweise wurden Plattformen und Aktionen zur Vermittlung von Erntehelfern gestartet – darunter auch die Aktion „Ernten for Future“ des Agrarkarriereportals AgroBrain, oder die Erntehelfer-Plattform des digitalen Agrarhandels-Start-ups House of Crops. Bayern will Asylbewerber für die Arbeit auf dem Feld rekrutieren; Bundesagrarministerin Julia Klöckner appellierte unter anderem auch an Studenten, die ohnehin derzeit keine Präsenzveranstaltungen in geschlossenen Hochschulen besuchen dürfen, zu helfen. Auch dieses aktuell drängende Thema wird weiter Landwirte und Politik umtreiben.
Und während auch darüber sinniert wird, inwieweit die Corona-Krise dem Klimaschutz förderlich ist unter dem Stichwort eingeschränkte Mobilität, treibt genau diese eingeschränkte Mobilität nicht nur Mineralölkonzernen, sondern auch dem einen oder anderen Agrarhandelsunternehmen oder manch einer Genossenschaft die Sorgenfalten auf die Stirn, ist doch der Geschäftsbereich Baustoffe Energie in normalen Zeiten bisweilen größerer Umsatz- und Ergebnisschreiber als das margenschwache Agrarhandelsgeschäft. Über niedrige Energiepreise dürften sich diese Marktteilnehmer jedenfalls nicht freuen. (Foto: imago images / localpic)

Aus dem Fokus

Foto: Imago Images / Steinach

In der Corona-Krise geraten Themen, die zuvor politische Debatten geprägt haben, auf einmal aus dem Blickwinkel. Darunter auch das leidige Gezerre um den Mehrjährigen Finanzrahmen der EU. Wir erinnern uns: In nicht allzu ferner Vergangenheit, am 21. Februar 2020, fand ein Sondergipfel zum EU-Budget statt. Dabei rangen die Mitgliedstaaten vergeblich um einen Kompromiss, wie die EU den wegfallenden Beitragszahler, das Vereinigte Königreich, kompensieren, Investitionen in Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Digitalisierung stemmen und gleichzeitig die EU-Agrarsubventionen möglichst unangetastet lässt. Dazu sollten die einzelnen Mitgliedstaaten mehr Geld nach Brüssel überweisen, was aber die „Sparer“, darunter Deutschland, ablehnten. Verfahrene Kiste; der Gipfel scheiterte. Weil es deshalb keine Sicherheit über die Höhe des EU-Agrarhaushalts gibt, sind die Arbeiten an der Reform der EU-Agrarpolitik (GAP) nicht vom Fleck gekommen. Die Haushaltsdebatte ist vertagt; mit Corona haben Regierungschefs weltweit andere Prioritäten. Dennoch wird das Thema irgendwann wieder auf der Agenda landen; genauso wie die ebenfalls vertagte Präsentation der „Farm to Fork“-Strategie der EU-Kommission. Eines dürfte schon jetzt klar sein: In Zeiten von Corona und milliardenschweren Hilfspaketen dürfte die Diskussion um den Haushalt eine andere sein als bisher. (Foto: imago images / Steinach)

Terminlicher Fixpunkt

Foto: Imago Images / Panthermedia

Ein Termin, der auch im Zuge von Corona nicht abgesagt wird, ist die Veröffentlichung des "Prospective Plantings Reports" und "Quarterly Stocks Report"  am Dienstag – also der Berichte über die Anbauplanung der US-Landwirte und das vierteljährliche Reporting zum Lagerstand. Marktbeobachter gehen davon aus, dass sich der Anbau von Mais und Sojabohnen in den USA nach dem durch Überflutungen geprägten Vorjahr erholt. Bei Weizen hingegen rechnen Marktkenner mit einer geringeren Zahl. (Foto: imago images / Panthermedia)

Kommentare

Ihre E-Mail wird weder veröffentlicht noch weitergegeben. Notwendige Felder haben einen *

Spielregeln

stats