Die Top Themen: Berliner Milchforum mitten im Preisstreit, Abares-Outlook-Forum für globale Märkte

az-Wochenstart: Was Wichtig Wird

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre! Ihre Stefanie Pionke, Chefredakteurin der agrarzeitung (az).

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In Berlin dreht sich in der zweiten Wochenhälfte alles um die Milch, deren Preisgestaltung zuletzt wütende Traktorenkolonnen auf die Straßen und vor die Supermarktläger getrieben hatte. Und in Australien geht der Blick beim virtuellen „Outlook Forum“ für Agrarpolitik und Wirtschaft in Richtung Zukunft unsicherer Märkte.

Milchforum in politisch bewegten Zeiten

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Zum Jahreswechsel sorgten Meldungen um eine Absenkung des Butterpreises von bis zu 60 Cent je Kilogramm für mächtig Ärger. Landwirte blockierten die Läger von Discountern, der Primus unter den Discount-Supermärkten Aldi sagte in der Folge zu, künftig nur noch konventionelle und Bio-Frischmilch aus Deutschland zu beziehen. Für Molkereien, die nun künftig womöglich die Milchströme trennen müssen, eine Herausforderung, sofern diese grenzüberschreitend Ware beziehen. Hinzu kommt die anhaltende Debatte über die nationale Umsetzung der EU-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken, kurz UTP-Richtlinie. Dieses Regelwerk soll dazu dienen, den Lebensmitteleinzelhandel als mächtigstes Glied innerhalb der Wertschöpfungskette Lebensmittel stärker an die Kandare zu nehmen als dies bisher der Fall ist. Nun ist das Tauziehen zwischen den Bundesländern und der Bundesregierung, federführend hier das Bundeslandwirtschaftsministerium, ausgebrochen, welche Verhandlungspraktiken auf die „schwarze Liste“ der faktischen Verbote und welche auf die „graue Liste“ der anrüchigen Klauseln kommen, die aber zulässig bleiben sollen, sofern beide Verhandlungspartner einverstanden sind. Kurzum: Der Milchpreis und der Fleischpreis im Besonderen und die Lebensmittelpreise im Allgemeinen sowie die Machtverhältnisse in der Wertschöpfungskette sind mehr denn je ein Politikum. In diesem Umfeld findet am Donnerstag und Freitag das Berliner Milchforum statt - wie es sich zu Pandemie-Zeiten gehört, natürlich virtuell. Oberthema ist „Milchwirtschaft zwischen Marktrealität und Verbraucherwunsch“. Es wird darum gehen, welche Faktoren den Milchmarkt jenseits weicher Faktoren wie dem Wunsch nach Tierwohl bewegen. Zudem steht auf dem Programm, wer in der Wertschöpfungskette Milch das Sagen hat – Landwirte, Verarbeiter oder der LEH? Dreimal dürfen Sie raten! Was die Marktrealität angeht: Die war schon mal finsterer. So ist der Kieler Rohstoffwert für Milch im Februar angezogen, weil die Preise für Butter und Magermilchpulver zuletzt wieder gestiegen sind. Bei Magermmilchpulver am internationalen Markt wurde unlängst sogar ein mehrjähriges Foch verzeichnet. 

Australien blickt nach vorn

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Am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag findet die zweitägige Konferenz „Abares Outlook Forum“ des australischen Landwirtschaftsministeriums statt, ebenfalls virtuell. Natürlich geht es dabei auch um die Marktentwicklung für Getreide, Fleisch und Milch. Und das ist für jeden, der auf diesen Märkten unterwegs ist, schon einmal grundsätzlich spannend.


Darüber hinaus steht aber auch eine wirklich spannende Grundsatzfrage auf dem Programm: Was bedeutet die Bedrohung der De-Globalisierung für den Handel? In der Ära der Präsidentschaft von mittlerweile Ex-US-Präsident Donald Trump hatte globaler, freier Handel vorsichtig formuliert nicht gerade Konjunktur. Nun ist zwar Demokrat Biden in den Vereinigten Staaten am Ruder, was freie Märkte oder auch globale Herausforderungen wie den Klimawandel wieder auf die Agenda der US-Politik gesetzt hat. Aber: Die Corona-Pandemie weckt Ängste vor einem Zusammenbrechen internationaler Lieferketten und der Ernährungssicherheit zu. Während manche Getreideimportnationen die Einfuhren zum Beispiel von Weizen steigern, um Bestände aufzubauen, findet auf der anderen Seite eine Diskussion über eine Rückbesinnung auf globale und lokale Märkte statt. Die Frage ist, wie das Gleichgewicht zwischen freien Märkten weltweit und Abschottung dabei gewahrt bleibt? In der EU wird das Mercosur-Abkommen mal wieder zur Disposition gestellt. Und das Vereinigte Königreich ist für die Europäische Union mit dem Jahreswechsel offiziell zum Drittland geworden. Welche Zukunft globale Freihandelsvisionen haben, ist daher grundsätzlich eine spannende Frage.

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