Die Top Themen: Führungsrolle in der Krise, Es hat nicht sollen sein, Erntewetter voraus

az-Wochenstart: Was Wichtig Wird


Stefanie Pionke (39) ist weitere Chefredakteurin der agrarzeitung.
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Stefanie Pionke (39) ist weitere Chefredakteurin der agrarzeitung.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre! Ihre Stefanie Pionke, Chefredakteurin der agrarzeitung (az)!

In Berlin stellt die Bundesregierung ihr Programm für die EU-Ratspräsidentschaft ab Juli im Schatten von Corona vor. Für das Bundesagrarministerium heißt es: GAP-Verhandlungen vorantreiben und dafür die passenden Mittel sichern – und Schlimmstes in Sachen Umweltmaßnahmen verhindern. Für das Bundesumweltministerium heißt es: Green Deal vorantreiben und Agrarumweltmaßnahmen vorantreiben. Außerdem hätten die DLG-Feldtage stattgefunden, und es gibt Neues zur Bestandsentwicklung in Europa vom MARS.

Führungsrolle in schwieriger Zeit

imago images / Steinach

Normalerweise bietet die EU-Ratspräsidentschaft, die im halbjährlichen Turnus zwischen den Mitgliedstaaten wechselt, der nationalen Regierung, die gerade den Staffelstab in der Hand hält, jede Menge Gelegenheit für positive Imagewerbung und auch die Chance, die Arbeit der EU-Organe Kommission, Rat und Parlament gemäß der eigenen Prioritäten zu prägen – immer eingedenk der Tatsache, dass sechs Monate innerhalb der langsamen Mühlen der EU-Institutionen ein extrem kurzer Zeitraum sind, um wirkliche Pflöcke einzuschlagen. Doch Deutschland, das am 1. Juli die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt, bekommt dieses Amt zu einem schwierigen Zeitpunkt. Zwar hat die Europäische Union die erste Hochphase der Covid-19-Pandemie überwunden. Doch Corona wirkt nach, und kommt – Stichwort: Zweite Welle – womöglich im Herbst mit voller Wucht zurück; zumindest ist das ein Szenario, das Virologen diskutieren.

Corona überschattet also die Ratspräsidentschaft der Kroaten, die am 30. Juni endet, und wirft ihren Schatten auf die Ratspräsidentschaft der Deutschen voraus. Am Donnerstag wird Bundeskanzlerin Merkel unter Anwesenheit ihres Kabinetts eine Regierungserklärung zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft abgeben. Im Zentrum der Ägide soll laut dem Entwurf der Bundesregierung für ihr Präsidentschaftsprogramm, aus dem das Handelsblatt in der Vorwoche zitierte, die Eindämmung der Corona-Pandemie, die Verbesserung der Krisenprävention in der EU und die Erholung der EU-Wirtschaft von der Pandemie bedingten Rezession stehen. Kein Wohlfühlprogramm also, sondern wirklich dicke Bretter.

Auch auf der Mikroebene der EU-Agrarpolitik sind die Aufgaben groß. Die Reform der EU-Agrarpolitik nach 2020 steht bekannter Maßen an, wobei eigentlich schon ausgemacht ist, dass sich die GAP-Reform um mindestens ein Jahr verzögern wird. Das hatte auch und vor allem mit dem Feilschen um die Mittel im Mehrjährigen Finanzrahmen für die Jahre 2021 bis 2027 zu tun. Kleine Rückblende: In der Zeit vor Corona sollte das Agrarbudget gekürzt werden, während gleichzeitig – Green Deal, Farm-to-Fork- und Biodiversitätsstrategie lassen grüßen – die Agrarumweltanforderungen steigen. Da haben sich die Minister vieler Mitgliedstaaten quergelegt und grundlegende Entscheidungen zur GAP-Reform verweigert, bis die Finanzen stimmen. Nun soll, EU-Corona-Hilfsprogramm sei Dank, der Agrarhaushalt im MFR stabil bleiben. Das leistet den Verhandlungen zwar einen gewissen Vorschub. Doch da die EU-Kommissionen Aufstockungen im Agrarhaushalt ohne Inflationsausgleich plant, frisst die jährliche Teuerung einen Teil der zusätzlichen Gelder wieder auf. In Deutschland fordert etwa der Bauernverband einen Inflationsausgleich für die EU-Agrarsubventionen, was schon mal einen Vorgeschmack darauf gibt, woher der innenpolitische Druck auf die Bundesagrarministerin kommen wird. Auch wird Klöckner sich auf Forderungen von Gruppen wie Land schafft Verbindung einstellen müssen, wenn es um Themen wie die „Farm-to-Fork“-Strategie mit ihren geplanten Reduktionen im Einsatz von Dünger und Pflanzenschutz geht. Ganz anderer Druck steht von Umweltgruppen und anderen NGO sowie dem Bundesumweltministerium ins Haus. Diese Akteure sind natürlich Befürworter einer grüneren EU-Agrarpolitik.

Bleibt also folgendes festzustellen: 2007, in Deutschlands vorheriger Ratspräsidentschaft, ist das damalige politische Spitzenpersonal noch einmal davongekommen: Die Finanzkrise, die im Zuge der Corona-Debatte gerne als Referenzgröße genannt wird, kam erst 2008. Jetzt übernimmt Deutschland im Krisenmodus das Ruder. (Foto: Imago Images / Steinach)

Es hat nicht sollen sein

Imago Images/Panthermedia

Diese Woche hätten eigentlich die DLG-Feldtage live und in Farbe auf dem Gut Brockhof in der Soester Börde stattgefunden. Doch dann kam Corona, und bekanntlich alles anders, sodass das der alle zwei Jahre stattfindende Großevent ausfallen muss. Zumindest wird keiner an Versuchsparzellen entlangstapfen, Messestände besuchen oder Bratwürste mampfen. Die DLG verschiebt die analogen Feldtage um ein Jahr auf Sommer 2021 und lädt zum digitalen Ersatzevent ein am Dienstag. Vorgelegt hat in der vergangenen Woche der Düngemittelproduzent SKW mit seinem virtuellen Feldtag. Auch andere Veranstaltungen mussten in die digitale Sphäre abwandern, als da wären diverse Bilanzpressekonferenzen oder unlängst die Hauptversammlung von Bayer. Diese Woche lädt BASF ein zur virtuellen Hauptversammlung, und zwar am Donnerstag(Foto: Imago Images / Panthermedia)

Erntewetter voraus

Foto: Pixabay.de

Ende des Monats rechnen Marktteilnehmer mit der ersten Gerste aus der neuen Ernte in den Frühdruschgebieten. Die Trockenheit hat zuletzt das US-Agrarministerium USDA am vorigen Donnerstag dazu veranlasst, seine Prognose für die EU-Weizenernte 2020 (einschließlich Vereinigtes Königreich) zu reduzieren, und zwar um 2 Mio. t gegenüber dem Wasde-Report von Mai auf 141 Mio. t. Am Montag nun veröffentlicht die EU-Kommission den neuen, monatlichen Bestandsbericht MARS. Gerade kurz vor der Ernte erfreut sich dieser Report zur Witterungs- und Ertragsentwicklung der Getreide- und Ölsaatenbestände in Europa hoher Beliebtheit. (Foto: Pixabay)

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