Die Top Themen: GAP-Gerangel allerorten, Agravis und Baywa ziehen Bilanz, Bayer AgrarGespräch

az-Wochenstart: Was Wichtig Wird

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre! Ihre Stefanie Pionke, Chefredakteurin der agrarzeitung (az).

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Die neue Woche steht ganz im Zeichen des Gerangels um die Reform der EU-Agrarpolitik: In Deutschland streiten die Länderagrarminister:innen mit dem Bund, in Brüssel die Ressortchefs der Mitgliedstaaten mit Europaparlament und EU-Kommission. Baywa und Agravis präsentieren ihre Bilanzen für 2020. Und Peter R. Müller, Geschäftsführer der Bayer Crop Science Deutschland GmbH, spricht im AgrarGespräch über das Spannungsfeld zwischen weniger Pflanzenschutz, mehr Nachhaltigkeit und wirtschaftlichem Erfolg von Landwirten und Industrie.

Im Zeichen des GAP-Disputs

Foto: Imago Images / Steinach

Wenn es eine thematische Klammer für die neue Woche in der Agrarwelt gibt, dann ist es die Debatte über die Reform der EU-Agrarpolitik (GAP). Die Auseinandersetzungen darüber, wie ab dem Jahr 2023 die Direktzahlungen und Mittel für Agrarumweltprogramme verteilt werden sollen, gewinnen zunehmend an Schärfe und werden immer konkreter. Am Dienstag steht auf dem EU-Agrarrat in Brüssel eine ausführliche Debatte zur GAP-Reform auf dem Programm. Themen sind die künftige Verteilung der Gelder, die nationalen Strategiepläne, in denen die Ministerinnen und Minister der Mitgliedstaaten darlegen, welche agrarpolitischen, vor allem agrarumweltpolitischen Ziele, sie mit der GAP verknüpfen und wie sie diese erreichen wollen. Am Mittwoch geht es dann auf nationaler Ebene mit der GAP-Debatte weiter. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) ist wild entschlossen, ihren Vorschlag zur Umsetzung der GAP-Reform in Deutschland auf der Sitzung des Bundeskabinetts absegnen zu lassen. Allerdings muss sie sich vorher noch mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) verständigen. Und Schulze liegt bekanntlich in einigen Punkten mit dem Bundesagrarministerium (BMEL) über Kreuz. Die Eco-Schemes, die geplanten einjährigen Öko-Regelungen in der 1. Säule der GAP, will die SPD-Ministerin finanziell besser ausstatten als ihre Kabinettskollegin Klöckner. Schulze will dafür 30 Prozent der Direktzahlungen reservieren, bis 2027 sogar 45 Prozent. Der Bundesagrarministerin hingegen reichen 20 Prozent aus; das ist auch der Kompromiss, auf den sich die EU-Agrarminister während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im Herbst 2020 verständigt haben – und ihrerseits mit dem Europaparlament Dispute führen, da die Abgeordneten mindestens 30 Prozent sehen wollen.

Ebenfalls am Mittwoch beginnt die Agrarministerkonferenz (AMK) der Länderressortchefinnen und -chefs, die bis Freitag dauert. Auf der als Videokonferenz abgehaltenen AMK nehmen die Länderministerinnen und -minister einen dritten Anlauf, um sich mit Bundesressortchefin Klöckner auf einen Pfad zur Umsetzung der GAP zu verständigen. Das war in zwei Marathon-Sitzungen im Februar und in der Vorwoche bekanntlich nicht gelungen; zu beiden Gelegenheiten waren die Minister nachts frustriert und ohne Ergebnisse vor die Presse getreten. Wie fruchtvoll diese Diskussionen jetzt bei der virtuellen Frühjahrs-AMK ablaufen werden, hängt nicht zuletzt davon ab, ob Klöckner und Schulze ein Kompromiss gelingt und das Bundeskabinett die GAP-Umsetzungspläne aus BMEL und BMU durchwinkt. In dem Fall könnten die Länder höchstens noch versuchen, ihren Einfluss über Bundesratsinitiativen geltend zu machen. Und an Streitpunkten zur nationalen Umsetzung der Reform mangelt es wahrlich nicht: Das fängt beim Budget für die Eco-Schemes an, geht weiter über den Satz der Umschichtung der EU-Fördermittel von der 1. in die 2. Säule und geht bis hin zu den richtig harten Brocken, der geplanten Degression und Kappung der Direktzahlungen für Großbetriebe. Es geht also um viel Geld, was auch die Schärfe der Auseinandersetzungen erklärt. Am Freitag nehmen übrigens EU-Parlament, Europarat und EU-Kommission im sogenannten Super-Trilog einen weiteren Anlauf, Kompromisse zur GAP auszuloten und Konsens herzustellen. Da auch hier über die Kappung und Degression gestritten wird, gibt es die Überlegung, diese Punkte von vornherein auszuklammern, um zumindest mal einen Schritt vorwärts zu kommen.
Eines scheint bei allem Gezerre um die GAP klar zu sein: Der Nachhaltigkeitszug hat in den vergangenen Jahren an Fahrt aufgenommen und ist kaum zu stoppen. Bestrebungen, die GAP-Pläne in der Hinsicht bis zur Unkenntlichkeit zu verwässern, dürften daher dieses Mal kaum fruchten. 

Programmtipp: Bayer Agrargespräch „Mehr Nachhaltigkeit, weniger Pflanzenschutz – trägt das?“

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Die Hersteller von Pflanzenschutzmitteln gehören zu denjenigen, die sich in den kommenden Jahren warm anziehen müssen. Gemäß der Farm-to-Fork-Strategie im EU-Nachhaltigkeitsprogramm Green Deal soll der Einsatz von riskanten chemischen Pflanzenschutzmitteln bis 2030 um 50 Prozent zurückgehen. Das Biodiversitätsstärkungsgesetz in Baden-Württemberg gibt einen Reduktionskorridor von 40 bis 50 Prozent für chemische Pflanzenschutzmittel bis 2030 vor; gleichzeitig soll die Ökolandwirtschaft im Ländle bis dahin einen Anteil von 30 bis 40 Prozent an der Landwirtschaft halten. Das Insektenschutzgesetz der Bundesregierung hat erst im Februar einen Sturm der Entrüstung in der konventionellen Landwirtschaft entfesselt: Die Bundesregierung sieht in dem Gesetzespaket das Verbot bestimmter Insektizide und Pestizide in Schutzgebieten, ausgenommen Vogelschutzgebieten, vor, das betrifft rund 350.000 Hektar in Deutschland. Mit beschlossen in dem Paket hat die Bundesregierung das Aus für Glyphosat ab 2024. Kurzum: Wer wie Bayer Crop Science in Deutschland Pflanzenschutz herstellt und verkaufen will, hat in den kommenden Jahren eine kniffelige Aufgabe zu meistern. Im nächsten Bayer AgrarGespräch am Mittwoch, den 24. März, ab 8 Uhr im Livestream steht Peter R. Müller, Geschäftsführer von Bayer Crop Science in Deutschland, Rede und Antwort  wie das Unternehmen auf diese Herausforderungen reagiert und den Landwirten in den kommenden Jahren passende Lösungen zur Bestandspflege anbieten möchte. Seinen Blick auf eine zukunftsfähige Landwirtschaft wird Müller ebenfalls erläutern in der virtuellen Talkshow, die von der agrarzeitung (az) moderiert wird. Außerdem zu Wort melden im Rahmen der Sendung wird sich Kathrin Muus, Bundesvorsitzende des Bundes Deutscher Landjugend. Sie wird erläutern, welche Schritte notwendig sind, um jungen Landwirtinnen und Landwirten hierzulande eine Perspektive zu bieten im Spannungsfeld zwischen wachsenden Umweltanforderungen und wirtschaftlichem Erfolg. Am Mittwoch, 24. März, ab 8 Uhr wird die Sendung hier übertragen.

Schwergewichte des Handels bekennen Farbe

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Am Mittwoch macht die Agravis Raiffeisen AG in Münster den Auftakt und legt ihre Bilanz für das Geschäftsjahr 2020 vor. Am Donnerstag folgt die Baywa AG in München, um ihrerseits die Zahlen für das vergangene Pandemie-Jahr vorzulegen. Die Agravis hat ihren Anteilseignern auf der Hauptversammlung Ende August 2020 immerhin schon einmal in Aussicht gestellt, für 2020 wieder eine Dividende zu zahlen. Die war im Vorjahr flachgefallen, da das millionenschwere Bußgeld im Pflanzenschutzkartellverfahren die Münsteraner in die roten Zahlen gedrückt hatte. Auf der Hauptversammlung hatte die Agravis zudem angekündigt, für 2020 mit einem leicht niedrigeren Umsatz von 6,3 (Vorjahr: 6,5) Mrd. € zu planen. Das Ergebnis vor Steuern soll mit 30,2 Mio. € wieder positiv ausfallen. Dieses Ergebnis war 2019 aufgrund der Kartellstrafe mit minus 20,5 Mio. € in die roten Zahlen gerutscht. Ob die zweitgrößte Hauptgenossenschaft die Ziele für 2020 eingehalten hat, wird sich am Mittwoch zeigen. Spannend ist außerdem, welche strategischen Vorhaben die Genossenschaft noch verkünden wird. Wie alle ihrer Wettbewerber aus dem Agrarhandel auch, befindet sich die Agravis auf Optimierungspfad. Sinnbildlich dafür stehen die Bündelungen der Agravis-Tochtergesellschaften FGL, Baro und Agravis Fläming-Mittelelbe GmbH in der Agravis Ost GmbH sowie das Zusammenführen der bisherigen drei Vertriebsgesellschaften Agravis Mischfutter Westfalen GmbH, Agravis Mischfutter Emsland GmbH und Agravis Futtermittel Rhein-Main GmbH in der neuen Vertriebsgesellschaft Agravis Mischfutter West GmbH. 

Nun zur Baywa: Die Münchner haben erst in der Vorwoche bekannt gegeben, dass die Tochter Baywa r.e. GmbH die Kapitalspritze von 530 Mio. € durch den Einstieg von Fonds, die von der Schweizer Investor Energy Infrastructure Partners (EIP) beraten werden, bekommen darf. Diese Kapitalgeber erwerben 49 Prozent an der Erneuerbare-Energien-Tochter, die restlichen 51 Prozent behält die Baywa. Im Zuge des Deals soll die r.e. GmbH in eine AG umgewandelt werden, an deren Spitze der bisherige Energie-Vorstand der Konzernmutter, Matthias Taft, stehen soll. Den Aufsichtsratsvorsitz übernimmt Baywa-CEO Klaus Josef Lutz. Der hat, wie in CEO-Kreisen üblich, bereits einige Aufsichtsratsmandate inne, unter anderem sitzt er dem Aufsichtsgremium der Baywa-Obsthandelstochter T&G in Neuseeland vor sowie dem der Giesecke+Devrient GmbH in München. Letztere beschäftigen sich unter anderem mit digitalen Payment-Lösungen. Anfang des Monats hat die Baywa übrigens bereits die Highlights ihrer 2020er-Bilanz gespoilert: Für 2020 weist die „grüne AG“ einen Anstieg beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 14,3 Prozent auf 215,3 (Vorjahr: 188,4) Mio. € aus. Der Umsatz legte um 0,6 Prozent zu und erreichte zum Jahresende 17,2 (17,1) Mrd. €. Die Dividende für 2020 soll daher auf 1 €/Aktie steigen, was natürlich noch vom Aufsichtsrat abgesegnet werden muss.

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