Die Top Themen: Kenia oder AfD in Sachsen-Anhalt; virtueller SKW-Feldtag

az-Wochenstart: Was Wichtig Wird

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre! Ihre Stefanie Pionke, Chefredakteurin der agrarzeitung (az).

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Nachdem in der Vorwoche die Verhandlungen um die Zukunft der Gemeinsam Agrarpolitik (GAP) im Jumbotrilog zwischen EU-Kommission, Europaparlament und Mitgliedstaaten zunächst gescheitert sind, steht diese Woche die Wahl in Sachsen-Anhalt auf dem Programm. Außerdem gibt es einen virtuellen Feldtag knapp eine Woche, bevor die coronabedingt abgesagten DLG-Feldtage stattgefunden hätten.

Zwischen Kenia und „Schock-Umfrage“

Foto: IMAGO / Jan Hubener

Am Sonntag steht die nächste Etappe im Superwahljahr 2021 an: Die Bürgerinnen und Bürger in Sachsen-Anhalt werden zur Urne gebeten, um ihr Votum für die nächste Landesregierung abzugeben. Vor dem Ereignis machte bereits in der Mitte der Vorwoche die Bild-Zeitung mit einer Schlagzeile zur „Schock-Umfrage“ Furore: In einer Wahlumfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa hatte die AfD erstmals die sonst führende CDU überholt – auch wenn das regierende Kenia-Bündnis aus Christdemokraten, SPD und Grünen weiterhin eine Mehrheit hätte. In Sachsen-Anhalt, dem Bundesland der Großbetriebe, profilieren sich die Parteien auch zur Landwirtschaft. Und was will da die sich auf der Überholspur befindende AfD? Nun ja: Regionale Produktions- und Vermarktungskreisläufe, einen Strafzoll auf importierte „Billiglebensmittel“, sofern sich diese durch schlechte Qualitätsstandards auszeichnen. Womit die Partei bei vielen konventionellen Landwirtinnen und Landwirten kaum Blumentöpfe gewinnen dürfte: Gentechnisch veränderte (GV) Lebensmittel lehnt sie strikt ab und will auch den Einsatz von GV-Saatgut streng regulieren, zeigt sich aber offen für Forschung auf dem Gebiet. Dafür darf sich das Harzer Höhenvieh über eine spezielle Förderung freuen, sollte die AfD tatsächlich in Regierungsverantwortung kommen. Was die AfD außerdem ablehnt: Importe von Futtermitteln. Und was wollen die anderen? Die CDU wiederum will neue Züchtungsmethoden wie die Genschere fördern, regionale Schlachtung unterstützen und die Ämter für Land- und Forstwirtschaft sowohl personell als auch finanziell besser aufstocken. Außerdem soll in die „digitale Landwirtschaft mit Zukunft“ investiert werden. Die Sozialdemokraten wollen Smart-Farming-Technologien fördern und sich gegen Flächenfraß durch Versiegelung einsetzen. Außerlandwirtschaftlichen Investoren soll ein Riegel vorgeschoben und legt außerdem ihr Augenmerk auf die Wiedervernässung von Moorstandorten. Die Grünen wollen den Anteil der Ökolandwirtschaft in Sachsen-Anhalt von 9,4 auf 25 Prozent erhöhen und mobile Schlachtstätten fördern, um lange Tiertransporte zu vermeiden. Außerdem soll der Einsatz von synthetischem Dünger und chemischem Pflanzenschutz zurückgefahren werden: Als „ersten Schritt“ bezeichnen die Grünen in Sachsen-Anhalt die dazu formulierten Ziele in der „Farm-to-Fork“-Strategie der EU-Kommission: Also 50 Prozent weniger Pflanzenschutz bis 2030 und 20 Prozent weniger Dünger im gleichen Zeitraum. Die FDP spricht sich derweil dafür aus, den Bodenverkauf an Nicht-Landwirte einzuschränken und will offen mit modernen Züchtungstechnologien umgehen. Dass das Land schnelles Internet braucht, steht für die Liberalen ohne Frage fest: Deshalb sagt die Partei klar „Ja“ zu 5G an jeder Milchkanne. Die Linke setzt sich für regionale Produktkreisläufe ein, will außerlandwirtschaftliche Investoren ausbremsen und eine flächengebundene Tierhaltung stützen. Zudem sollen Neueinsteiger in der Ökolandbau gefördert werden.
Jenseits der symbolträchtigen Frage, ob nun die AfD tatsächlich stärkste Kraft in Sachsen-Anhalt wird und was dies für Koalitionsplanspiele bedeutet, wird es also auch darum gehen, welche Vorstellungen über eine zukunftsträchtige Landwirtschaft sich durchsetzen werden. Kommt es zu einer Wiederauflage des Kenia-Bündnisses? Und falls ja, welche politische Kraft wird darin das Landwirtschaftsressort beanspruchen? Erneut die Grünen? Oder, wie es sich einige Landwirte und Landwirtinnen wünschen, die CDU? Dr. Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt, hat im Interview mit der agrarzeitung (az) gesagt, es müsse angesichts der anstehenden Herausforderungen der neuen Legislaturperiode das Ziel der Christdemokraten sein, wieder die Führung und Verantwortung im Ressort Landwirtschaft zu übernehmen – immer unter Vorbehalt des Wahlergebnisses natürlich.

Virtuell rund um den Ackerbau

Foto: IMAGO/Westend61

Wie bereits im Juni 2020, strebt die SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH auch in diesem Jahr danach, die Lücke zu schließen, die die erneute, coronabedingte Vertagung der DLG-Feldtage lässt. An ihrem ursprünglichen Feldtage-Termin ab 8. Juni wartet die DLG zwar mit einem internationalen „Field Robot Event“ auf. Der virtuelle SKW-Feldtag steckt unter dem Motto „Farm2Fork: Landwirtschaft individuell anstatt pauschal“ seine Claims schon eine Woche früher ab am Mittwoch, den 2. Juni. Mehr als 30 Aussteller, darunter Schwergewichte wie Lemken, Horsch, K+S, Syngenta oder die Saatenunion, aber auch Start-ups wie die digitale Agrarhandelsplattform Cropspot oder Stenon, Träger des Förderpreises der Agrarwirtschaft 2020 und Anbieter von mobilen Bodenproben in Echtzeit, stehen dort zum virtuellen Netzwerken bereit. Auch die agrarzeitung (az) freut sich auf den Besuch von Teilnehmer:innen des virtuellen Events. Außerdem im Angebot: 13 Stunden Vortrags- und Diskussionsprogramm zu agrarpolitischen und pflanzenbaulichen Themen. Darunter auch von 18 Uhr bis 18:40 Uhr die Diskussion zum Thema „Steigende Marktpreise für Getreide und Raps: Wann kommt der Crash“ mit Maximilian von Weichs, Gründer der digitalen Agrarhandelsplattform Cropspot, Dr. Maximilian Severin, Leiter Marketing und Düngemittel bei der SKW, und az-Redakteurin Daphne Huber. Hier geht es zur Anmeldung. 

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