Die Top Themen: Mammutprojekt Zukunftskommission, Schluss mit Schreddern, Marktimpulse aus den USA

az-Wochenstart: Was Wichtig Wird


Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre! Ihre Stefanie Pionke, Chefredakteurin der agrarzeitung (az). 
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Die von der Bundesregierung eingesetzte „Zukunftskommission Landwirtschaft“ nimmt ihre Arbeit auf. Sie soll in weniger als einem Jahr das leisten, was über Jahre nicht gelingen will: Konsens über eine zukunftsfähige Landwirtschaft schaffen. Ein dickes Brett also. Und ansonsten? Veröffentlicht das US-Agrarministerium seine monatliche Marktprognose, den Wasde-Report.

Mammutprojekt steuert Zukunft der Landwirtschaft

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Am heutigen Montag ist es so weit: Die von der Bundesregierung eingesetzte „Zukunftskommission Landwirtschaft“ nimmt ihre Arbeit auf. Dazu gibt es zunächst eine auf eineinhalb Stunden angesetzte Auftaktveranstaltung im Bundeskanzleramt mit geballter Politprominenz aus Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den beiden sich nicht immer so grünen Kabinettskolleginnen, Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Dabei wird es wohl kaum inhaltlich in die Tiefe gehen. Dafür bekommen Politiker sowie die eingeladenen Eminenzen aus Agrar- und Umweltverbänden die Gelegenheit, sich beim Einzug ins Kanzleramt ablichten zu lassen und ihre Statements vor den Kameras der Journalisten loszuwerden.

Richtig ans Eingemachte geht es dann im Anschluss, wenn sich die 31 Gremienvertreter in einem Tagungshotel zu einer mehrstündigen Sitzung treffen. Wobei auch da, wie im Vorfeld der Sitzung durchgesickert war, sich die Kommission zunächst eine Geschäftsordnung geben und sich auf eine Arbeitsweise verständigen will. Außerdem müssen die Teilnehmer dem Vernehmen nach festlegen, welche prozentuale Zustimmung in einzelnen Punkten erreicht werden muss, damit eine Abstimmung als Konsens gewertet wird, den man in der Zukunftskommission Landwirtschaft ja bekanntlich erreichen will.

Und das ist alles andere als trivial. Kurze Rückblende in den Herbst und Winter 2019: Erboste Landwirte demonstrieren über Wochen Landauf landab mit Traktorenkolonnen, mehrfach auch vor dem Brandenburger Tor in Berlin, gegen die Dünge-Verordnung, Ackerbaustrategie, Reduktionsvorgaben für Pflanzenschutz und eine Tierhaltungspolitik, die ihnen nach eigenem Empfinden die Arbeitsgrundlage raubt. Jenseits allen inhaltlichen Dissenses fühlen sich Landwirte bei der Diskussion um die Agrarwende übergangen als die eigentlich betroffenen. Und an dieser Stimmungslage hat sich seit Herbst/Winter 2019 wenig geändert. Das zeigten zuletzt die regen Proteste am Rande des informellen EU-Agrarrates in Koblenz. Green Deal, Dünge-Verordnung und Co. treiben die Landwirte weiterhin auf die Straße.
Und auch sonst sind die Problemfelder vielfältig: Saatzüchter drängen darauf, die Zulassungsbestimmungen für die Genschere Crispr/Cas in der EU zu lockern. Trockentolerante Getreidesorten erfordert der Klimawandel; die Genschere würde hier schnellere Züchtungserfolge ermöglichen. Im  Mammutkomplex Tierhaltung liegen die Positionen von Bio- und konventionellen Landwirten sowie NGO bekanntlich weit auseinander.
Nebenbei laufen die Verhandlungen für die EU-Agrarreform (GAP) weiter, bei der die seit Jahren schwelende Diskussion um einen Umbau der Agrarförderung weg zu pauschalen Flächensubventionen hin zu mehr an Umweltleistungen gekoppelten, öffentlichen Mitteln weiter.

Die Zukunftskommission hat sich also viel vorgenommen, wenn sie noch in diesem Herbst einen Zwischenbericht vorlegen und im kommenden Frühjahr fertig werden will. Da muss schon viel Kompromissbereitschaft am Werk sein, wenn ein Gremium eine Debatte in einem Dreivierteljahr befrieden will, die schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, geführt wird.
 

Mit Gesetzeskraft gegen das Schreddern

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Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) legt offenbar ihre Berührungsängste vor gesetzlichen Vorgaben statt freiwilliger Verpflichtungen ab. An diesem Mittwoch will sie einen Entwurf für ein gesetzliches Verbot zum Töten männlicher Eintagsküken vorlegen, weniger vornehm bekannt unter dem Begriff „Kükenschreddern“. Schon zu Beginn des Jahres hatte Klöckner angekündigt, dass mit dieser Praxis bis 2021 Schluss sein soll. Damals war aber von einer gesetzlichen Regelung noch keine Rede, sondern von einem freiwilligen Ansatz. Klöckner hatte diesen Ansatz zu Jahresbeginn vor der Kritik der NGO noch damit gerechtfertigt, dass es noch keine praxisreifen Technologien zur Geschlechtsbestimmung im Hühnerei gebe – und sie eine Abwanderung des Wirtschaftszweiges ins Ausland verhindern wolle. Doch bereits im Juli hat das Bundesagrarministerien auf eine kleine Anfrage der Linken im Bundesrat angekündigt, an einem Gesetzesentwurf zu arbeiten, da die Geflügelwirtschaft noch keine Ausstiegskonzepte vorgelegt habe. Und zudem sei das spektroskopische Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei inzwischen praxisreif. 

Marktimpulse zum Wochenende

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Am Freitag veröffentlicht das US-Agrarministerium (USDA) seine monatlichen Marktprognosen im Wasde-Report. Dabei dürften die internationalen Marktteilnehmer vor allem die Sojaprognosen für die USA und die Prognosen für die Maisernte in der Ukraine im Blick haben. Trockenheit im Mittleren Westen der USA hatte zuletzt Sorgen vor Ertragsrückgängen in der Sojaernte befeuert. Und für die Maisernte in der Ukraine zeigten die Daumen vieler Analysten zuletzt ebenfalls aufgrund von Trocken- und Hitzestress nach unten. Für die globale Weizenproduktion liegen hingegen viele Karten schon auf dem Tisch. Eine weitere Abwärtskorrektur für die europäische Ernteschätzung liegt im Bereich des Möglichen.

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