Die Top Themen: Schweinedämmerung, Maisberg, adé?

az-Wochenstart: Was Wichtig Wird


Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre! Ihre Stefanie Pionke, Chefredakteurin der agrarzeitung (az). 

Stefanie Pionke (39) ist weitere Chefredakteurin der agrarzeitung.
Foto: Privat
Stefanie Pionke (39) ist weitere Chefredakteurin der agrarzeitung.


Der Schweinemarkt wird nicht zur Ruhe kommen: Das Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück bleibt Corona bedingt wohl bis Mitte Juli geschlossen. Hinzu kommt der jüngst erzielte Kompromiss im Bundesrat zum Kastenstand in der Sauenhaltung, der strenger ausfällt als bisherige Regelwerke. Weg von den Fleisch-, hin zu den Getreidemärkten, legt das USDA am Freitag einen neuen Wasde-Report vor.

Schweinedämmerung

imago images / Marius Schwarz

Im Tönnies-Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück wird nach aktueller Lage noch bis zum 17. Juli weder geschlachtet noch zerlegt. Das teilten die zuständigen Behörden vor Ort jetzt mit. Das Hygienekonzept, welches das Unternehmen am 2. Juli vorgelegt habe, werde derzeit bewertet; ein Gespräch dazu zwischen den Behörden und Tönnies ist für diesen Montag anberaumt. Tönnies kann wohl auch vor dem Termin Teilbereiche des Unternehmens freigeben lassen – aber immer unter der Bedingung, dass die Behörden vor dem Hintergrund der Seuchenprävention ihr Placet geben. Dies alles ist kaum dazu angetan, Schweinehalter zu beruhigen, die auf ihren schlachtreifen Tieren sitzenbleiben. Denn 140.000 Schweine in der Woche, die am Tönnies Stammwerk unter normalen Bedingungen geschlachtet werden, lassen sich eben mal nicht so ‚mir nichts, dir nichts‘ auf Standorte von Wettbewerbern oder von Tönnies selbst umverteilen. Die Folge: Staus in den Ställen, höhere Mastkosten für Tiere, die vorher so nicht einkalkuliert werden. Wer möge es einem Schweinehalter derzeit verdenken, wenn er sich für den Buhmann der Nation hält? Hat doch gerade erst am vergangenen Freitag der Bundesrat einen Kompromiss zum Kastenstand gebilligt, der Umbauten der Kastenstände im Deckbereich innerhalb der kommenden acht Jahre vorschreibt. Umbaukonzepte sollen in den kommenden drei Jahren vorliegen, Bauanträge in fünf Jahren. Nur im Abferkelbereich haben die Umbauarbeiten vergleichsweise komfortable 15 Jahre Zeit. Und ja, 2021 soll auch mit der betäubungslosen Kastration männlicher, neugeborener Ferkel Schluss sein. Dass dieses Verbot sich noch einmal hinauszögern lässt, darf in der aktuellen Stimmungslage nicht als wahrscheinlich gelten.


Bezieht man auch noch Forderungen nach Tierwohlabgaben oder nach einem generell maßvolleren Fleischkonsum und tiergerechteren Ställen – siehe: Ethikrat – in die Betrachtung mit ein, könnte man meinen, Tierhalter erlebten gerade eine Art Schweinedämmerung. Seit Wagner und seinem „Ring des Nibelungen“ versteht man unter Götterdämmerung grob vereinfacht, dass alte Zeiten und Strukturen durch neue Denkmuster abgelöst werden; also eine Art Zeitenwende, in der Landwirtschaft auch bekannt als Strukturwandel. Ob der Kastenstandkompromiss eine solche Zeitenwende ist, daran melden Politiker, die nichts mit dem Kompromiss zu tun hatten wie die SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag Zweifel an. Ihre Kritik grob vereinfacht: Noch jahrelang könne sich die Sau immer noch nicht sauwohl fühlen; Käfig bleibe Käfig. Aber dennoch: Derzeit trifft es Tierhalter, und vor allem Schweinehalter, aus mehreren Richtungen gleichzeitig. (Foto: Imago Images / Marius Schwarz) 

Maisberg, adé?!

imago images / Science Photo Library

Am Freitag und damit zum ersten Mal im neuen Getreidewirtschaftsjahr 2020/21 legt das US-Agrarministerium USDA seinen Juli-Report zu Angebot und Nachfrage von Agrarrohstoffen weltweit, kurz „Wasde“, vor. Nachdem das USDA erst Ende Juni die gigantisch geglaubte Maisfläche in den USA zur Ernte 2020 verkleinert und damit ein zwischenzeitliches Feuerwerk an den Märkten ausgelöst hat, ist eine spannende Frage, ob sich die kleinere Flächenschätzung bereits in einer geringeren Ernteprognose niederschlägt. Bisher geht das USDA noch von gigantischen 406 Mio. t Mais in den USA aus; das sind 60 Millionen Tonnen mehr als im Vorjahr geerntet und die größte Menge aller Zeiten. „Wohin mit dem Zeugs?“, fragten sich wohl Marktteilnehmer und quittierten die Aussichten auf eine Maisschwemme mit niedrigen Kursen an der Börse in Chicago. Nachdem die Bullen an den Märkten ein paar Tage ein bisschen Hoffnung schöpfen durften, bevor erste Gewinnmitnahmen vor dem langen Vierter-Juli-Wochenende in den USA einsetzen, dürfte die Märkte mit erneuter Spannung auf den Juli-Wasde blicken.  (Foto: Imago Images / Science Photo Library)

Was sonst noch läuft

Auf EU-politischer Ebene findet in dieser Woche eine Videokonferenz zur Zukunft ländlicher Räume in Europa statt, organisiert vom heutigen liberalen Abgeordneten und früheren EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos. Da in ländlichen Räumen nicht immer alles rundläuft – Stichworte schwache Infrastruktur, fehlender Breitbandausbau und Abwanderung in Städte – ein spannendes Thema. Welche Ansätze sich auf europapolitischer Ebene finden lassen, um dem Ländlichen Raum größere Attraktivität zu verleihen und damit auch die Landwirtschaft zu stärken – ist eine große Aufgabe.

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