Die Top Themen: Tauziehen um die GAP-Reform; Neues vom MARS

az-Wochenstart: Was Wichtig Wird

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre! Ihre Stefanie Pionke, Chefredakteurin der agrarzeitung (az).

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Direkt zu Beginn der neuen Woche wird es richtig ernst: Im Trilog zwischen Europaparlament, Mitgliedstaaten und EU-Kommission soll der finale Kompromiss zur Reform der EU-Agrarpolitik gefunden werden. Das heißt vor allem eines: zähes Ringen voraus. An den Agrarmärkten bestimmt derweil das Wetter, wie sich die Preise entwickeln. Passend dazu gibt es den neuen EU-Bestandsbericht, den MARS-Report.

Entscheidende Runde im Ringen um die neue Agrarreform

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Am Dienstag nach Pfingsten geht die EU-Agrarpolitik direkt in die Vollen: Der entscheidende Supertrilog zwischen Europaparlament (EP), EU-Agrarministerrat und EU-Kommission über die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) beginnt. Die drei Parteien wollen sich bis Donnerstag auf einen Kompromiss verständigt haben. Für die an den Gesprächen beteiligten Personen bedeutet dies aller Voraussicht nach: Verhandlungsmarathons bis in die frühen Morgenstunden. Denn in vorherigen Trilogen wurden die ganz kritischen Punkte noch nicht abgeräumt. So müssen sich EP, Mitgliedstaaten und Kommission auf den Anteil der Brache an der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Rahmen der Konditionalität, also der Grundvoraussetzung für den Erhalt von Direktzahlungen, verständigen. Die EU-Agrarminister und -ministerinnen sprechen sich für einen Anteil von 4 Prozent Brache aus, das EP spricht sich für 5 Prozent aus. Unklar ist außerdem noch, ob sich der Anteil der nichtproduktiven Fläche auf einzelne landwirtschaftliche Betriebe bezieht oder auf eine Region.

Weiteres heißes Eisen im Ringen um die neue GAP sind die Eco-Schemes, holperig eingedeutscht als „Öko-Regelungen“: Dabei ist vor allem der Anteil der Flächenprämien, der künftig für die Umweltprogramme in der 1. Säule der GAP abgezwackt werden soll, kritisch. Während die Mitgliedstaaten zunächst mit 22 Prozent starten wollen, um im Jahr 2025 bei einem Anteil von 25 Prozent zu landen, will das Parlament mindestens 30 Prozent des Direktzahlungsbudgets für die Eco-Schemes reserviert sehen. Deutschland zieht in seinem Kompromiss zur nationalen Umsetzung der GAP mit einem Anteil von 25 Prozent der Eco-Schemes ins Rennen; hier wird also spannend, ob nach oben korrigiert werden muss auf 30 Prozent. Bei den Eco-Schemes gibt es in der generellen, agrarpolitischen Debatte über die finanzielle Ausstattung hinaus einiges an Diskussionsstoff: So gibt es keine europäischen Mindeststandards für die Ausgestaltung der Programme – dies ist den Mitgliedstaaten selbst überlassen.

Schwierig dürften auch die Diskussionen um den Umverteilungssatz der Direktzahlungen zugunsten kleinerer und mittlerer Betriebe werden: Das EP will einen Umverteilungssatz von 12 Prozent sehen, die portugiesische Ratspräsidentschaft bietet 7,5 Prozent an. Ambitioniert erscheint da der Umverteilungssatz, den sich das Bundesagrarministerium und die Länderminister und -ministerinnen in Deutschland vorgenommen haben: dieser soll bis Ende der Reformperiode satte 15 Prozent betragen. Ferner war zuletzt von einer sozialen Komponente in der neuen GAP die Rede, das heißt laut Forderungen des Parlamentes: Betrieben, die Sozialstandards gegenüber ihren Mitarbeitern missachten, sollen die Direktzahlungen gekürzt werden.

Genügend Zündstoff bieten die Verhandlungen allemal. Doch wenn alles nach Plan läuft, stehen Mitte der Woche womöglich die Eckpfeiler für die neue GAP. Wie diese zu bewerten ist, darüber scheiden sich schon im Vorfeld die Geister: Während die einen von der ambitioniertesten Reform seit den frühen 1990ern sprechen und einen ersten Schritt in einem Paradigmenwechsel zu einer nachhaltigkeitsbetonten EU-Agrarpolitik loben, beklagen die anderen einen weiteren, faulen Kompromiss, der den Umweltschutz kaum voranbringen wird.

Neues zur Vegetation vom MARS

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Am heutigen Dienstag veröffentlicht der EU-Prognosedienst MARS seinen neuen Bericht zum Zustand der Bestände in Europa. Da die heiße Phase der Wettermärkte eingeläutet ist und die neue Ernte nicht mehr allzu weit entfernt, gewinnen solche Informationen am Agrarmarkt an Bedeutung. Das US-Agrarministerium hat in seinem neuen Marktreport „Wasde“ für Mai unlängst Entspannung signalisiert und im kommenden Wirtschaftsjahr 2021/22 eine weltweite Weizenernte auf Rekordniveau sowie wachsende Maisbestände in Aussicht gestellt. Zurück in Europa hat der MARS-Report Ende April den Kulturen in weiten Teilen Europas aufgrund des kalten Aprils eine verzögerte Entwicklung beschieden. Allerdings hatten die Experten Entwarnung gegeben mit der Begründung, die Pflanzen können diesen Rückstand so früh in der Saison noch aufholen. Ob sie dabei bleiben, wird der neue MARS-Bericht zeigen. So oder so reagieren Bulle und Bär an den Märkten gerade sehr empfindlich auf Wetterberichte - zugegebener Maßen vordringlich mit Blick auf Trockenheit in den USA und Südamerika. 

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