Wasde - Baywa - Bayer

az-Wochenstart: Was Wichtig Wird

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre! Ihre Stefanie Pionke, Chefredakteurin agrarzeitung (az).

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Politisch ist es vergleichsweise ruhig vor dem Feiertagswochenende. Dafür steht an den Agrarmärkten ein wichtiger Termin an: Das US-Agrarministerium USDA veröffentlicht die erste Prognose für das kommende Wirtschaftsjahr 2021/22. Und Bayer gibt Zahlen für das 1. Quartal 2021 heraus. Außerdem hält die Baywa ihre virtuelle Hauptversammlung ab.

Wichtige Zahlen für den Bullenmarkt

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In Brasilien herrscht Dürre und auch in Teilen der USA ist es zu trocken. Seit Wochen schon kennen die Preise an den internationalen Rohstoffbörsen, kleine Rückschläge einmal ausgenommen, nur eine Richtung: Und zwar nach oben. Marktteilnehmer stellen sich die Frage, wie lange die Rally noch anhalten wird. Denn auch für das deutsche Getreidegeschäft hat die Trockenheit in Nord- und Südamerika Auswirkungen: Verkäufer wollen die hohen Preisen an den Börsen in Chicago und Paris umsetzen; Käufer wiederum zeigen sich zurückhaltend und wollen auf die Bremse treten. Zudem ist die Nachfrage nach Mais und Sojabohnen aus China enorm. Das hat Folgen für die weltweiten Endbestände. Die Weizenpreise werden durch die derzeitige Maisrally mit nach oben gezogen. Ein Grund dafür: Wird Mais immer teurer, fließt stattdessen Weizen in die Futtertröge. Und somit zieht auch für Weizen die Nachfrage an, was wiederum die Preise nach oben treibt.


Analysten entwickeln fleißig Szenarien, wie es denn mit der Maisrally weitergehen könnte. Eines davon: Im Sommer, wenn sich die Dürre-Situation in den USA zuspitzt, die derzeit wichtige Anbauregionen betrifft, nimmt die Preisrally nochmal zusätzlich an Fahrt auf. Ob das nun so eintrifft oder nicht, hängt von der Wetterentwicklung ab – und die kann sich bekanntlich ändern. Mitten in dieser aufgeheizten Marktlage veröffentlicht das US-Agrarministerium USDA am Mittwoch seinen Marktbericht „Wasde“ für die weltweite Entwicklung von Angebot und Nachfrage bei Getreide, Ölsaaten und anderen Rohstoffen. Die zentrale Frage dabei: Kommt aus Washington erstmal eine kalte Dusche für die Preisentwicklung – oder wird der Rally noch weiter eingeheizt? Denn in seinem Mai-Wasde-Bericht gibt das USDA erstmals Zahlen für das neue Wirtschaftsjahr 2021/22 bekannt. Und: Sind die Preise für Mais rekordhoch, könnten Farmer ihre Anbaupläne überdenken und mehr Mais statt bisher geplant in den Boden bringen. Das wiederum würde das Angebot vergrößern, mit entsprechend drückender Preiswirkung. Doch auch Prognosen für Rekordernten sind bekanntlich schnell hinüber, wenn die nächste Dürre kommt – das zeigt auch das aktuelle Marktgeschehen.  

Hübsche Zahlenwerke für Aktionäre

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Am Dienstag findet die virtuelle Hauptversammlung der Baywa AG statt. Der Münchner Konzern hat dafür bereits in der Vorwoche den Boden bereitet, als die Zahlen für das 1. Quartal 2021 präsentiert wurden. Normalerweise sind die ersten drei Monate eines Jahres für einen Agrar-, Rohstoff- und Energiehändler wie eben die Baywa kein Zeitraum, um Bilanzrekorde aufstellen. Das erklärt sich aus der Saisonalität. Doch die Baywa hat dicke schwarze Zahlen geschrieben – und aus dem Anlass dann auch schnell eine Pressekonferenz für den Quartalsbericht einberufen.


Kommunikativ ein geschickter Schachzug, ist für das Aktionärstreffen dann schon mal ein positiver Tenor gesetzt. Von einem „sensationellen Jahresauftakt“ sprach passend dazu der Baywa-Vorstandsvorsitzende, Klaus Josef Lutz, am vergangenen Donnerstag und verwies dabei auf einen Umsatz im 1. Quartal von 4,3 Mrd. € (Vorjahr 3,9 Mrd. €). Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 45,1 Mio. € lag ebenfalls deutlich über dem Vorjahreszeitraum (minus 27,8 Mio. €). Außerdem haben die Münchner den Einstieg eines Investors bei der erneuerbare-Energien-Tochter Baywa r.e. AG und mit ihm eine dicke Finanzspritze im dreistelligen Millionenbereich in trockene Tücher gebracht. Auch das dürfte eher zur Entspannung der Aktionäre beitragen, wächst doch damit das Eigenkapital.

Bayer mit Quartalszahlen – Wichtige Glyphosat-Entscheidung erneut verschoben

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Am Mittwoch legt die Bayer AG Zahlen für das 1. Quartal 2021 vor. Diese Bilanz dürfte mit Spannung erwartet werden, hatte der Konzern doch im Geschäftsjahr 2020 rote Zahlen im Agrargeschäft ausgewiesen: Für 2020 stand ein Verlust von 18,6 Mrd. € im operativen Ergebnis (Ebit) 2020 bei der Sparte Crop Science in den Büchern. Doch auf dem Captial Markets‘ Day im März versprach Konzernchef Werner Baumann bereits einen Wachstumskurs, der schon in diesem Jahr beginnen soll. Vor allem in Nordamerika hatte die Sparte Crop Science im Vorjahr mit Umsatzrückgängen zu kämpfen. Außerdem drückten milliardenschwere Rückstellungen für Rechtstreitigkeiten, unter anderem um Glyphosat, auf das Ergebnis. In Deutschland hat Bayer unterdessen im Geschäftsjahr 2020 seinen Marktanteil als größter Pflanzenschutzanbieter verteidigen können.


Bei den Quartalszahlen für die ersten drei Monate 2021 wird nun ein Schlaglicht auf das internationale Agrargeschäft des Leverkusener Konzerns geworfen. Eigentlich hätte diese Woche auch eine weitere wichtige Etappe in den milliardenschweren Glyphosat-Streitigkeiten in den Vereinigten Staaten angestanden. Doch eine bedeutsame Anhörung vor einem US-Gericht zum Umgang mit Beilegungen um künftige Klagen wegen der mutmaßlich krebserregenden Wirkung von Glyphosat verschiebt sich erneut: Eigentlich ebenfalls auf den 12. Mai und somit Mittwoch terminiert, soll die  Anhörung zu einer neuen Einigung mit Klägeranwälten bei dem zuständigen US-Bezirksrichter Vince Chhabria nun um eine Woche auf den 19. Mai verschoben werden. Ursprünglich war der Termin einmal für Ende März angesetzt gewesen. Unterdessen berichten Finanzmedien von wachsender Ungeduld der Bayer-Aktionäre in Sachen Glyphosat. Auf der Hauptversammlung in der Vorwoche hatten Anteilseigner vom Bayer-Management mehr Tempo in der Beilegung der Rechtsstreitigkeiten angemahnt, die Bayer mit dem Kauf von Monsanto quasi mitübernommen hat.

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