Die Top Themen: Wettermärkte, Neonicotinoide, Agrarwende-Proteste

az-Wochenstart: Was Wichtig Wird


Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre! Ihre Stefanie Pionke, Chefredakteurin der agrarzeitung (az).

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Wettermärkte, entscheidende Abstimmungen zu einer temporären Aufhebung des Neonicotinoide-Verbots in Frankreich und eine Prise Agrarwende-Protest: Während die Tage im Herbst dunkler und kühler werden, mangelt es der Agrarwirtschaft nicht an heißen Themen.

Wettermarkt zur Wintergetreideaussaat

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Mangel an Regenfällen in den USA aber vor allem auch in Russland haben die Nachrichtenlage an den Agrarmärkten zuletzt geprägt. In dieser Situation veröffentlicht der EU-Prognosedienst MARS am Montag seinen monatlichen Bericht über die Lage auf den Feldern in der Europäischen Union, aber auch in der Schwarzmeerregion. Spannend dürfte dabei sein, wie die MARS-Experten die Lage in Russland beurteilen. Ist es wirklich so gravierend bestellt um die Wintersaaten? Am russischen Weizenmarkt jedenfalls haben die Preise in der Vorwoche den höchsten Stand seit fünf Jahren erreicht. Landwirte dort halten ihr Getreide zurück; eine Taktik, die generell dazu angetan ist, die Preise noch weiter in die Höhe zu treiben.


Große Sorgen bereitet russischen Landwirten die anhaltende Trockenheit der vergangenen Wochen. In der Region Kursk in Zentralrussland war Stand 16. Oktober Wintergetreide nur auf 50 Prozent der Felder aufgegangen. Ähnlich ist die Situation in dem benachbarten Gebiet Woronesch, wo es im laufenden Jahr bislang 85 mm weniger Regen gab als im bereits trockenen Jahr 2010. Zahlreiche Landwirte rechnen damit, im Frühling die Felder neu aussäen zu müssen. Im südrussischen Gebiet Rostow erreicht die Winteraussaat bislang nur 60 bis 70 Prozent der Prognosefläche, weil Landwirte die Arbeiten in Hoffnung auf Niederschläge immer weiter nach hinten verschieben.

Neonicotinoide-Abstimmung in Frankreich

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Seit Neonicotinoide als Beizmittel in der EU verboten sind, klagen vor allem Rübenbauern über Schwierigkeiten. Das ist in Deutschland so, das ist in Polen so, und das ist auch in Frankreich so. Mit dem feinen Unterschied, dass deutsche Rübenerzeuger anders als französische oder polnische Berufskollegen nicht auf Notfallzulassungen für Neonicotinoide spekulieren können. Und das kritisiert die betroffene Branche, wenig überraschend, scharf. So fordert die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) eine temporäre Notfallzulassung für Neonicotinoide im Rübenanbau. Ein gutes Dutzend der 19 rübenanbauenden Staaten in der EU hätten bereits solche zeitlich befristeten Notfallzulassungen beantragt. Anfang Oktober haben in Frankreich die Mitglieder der Nationalversammlung in Paris trotz des Widerstands von Umweltschützern grünes Licht für die vorübergehende Zulassung von Neonicotinoiden als Beizmittel im Rübenanbau gegeben. Diese Notfallgenehmigung soll 2021 und „längstens bis 2023“ gelten. Frankreichs Agrarminister Julien Denormandie hatte zuvor die Verwendung von Neonicotinoiden als „die einzige Alternative“ bezeichnet, um das Überleben des Rübensektors zu sichern.


An diesem Mittwoch steht nun das Votum des Senats aus, um die Notfallzulassung in Frankreich final zu verabschieden. Sollte das Votum pro Neonicotinoiden Beizen fallen, dürfte das die Wirtschaftslobbyisten hierzulande auf den Plan rufen. Ein Argument dürfte sein, den deutschen Rübenbauern Wettbewerbsnachteile gegenüber ihren französischen Berufskollegen zu ersparen.


Ohnehin ist der Rübenanbau derzeit kein Zuckerschlecken: Seit Ende des Quotenregimes bröckeln die Zuckerpreise, die sich allerdings zuletzt gefangen haben. Das Schwergewicht Südzucker hat mehrere Werke in Deutschland bereits dichtgemacht. Doch, und das ist auch ein Aspekt der Debatte: Notfallzulassungen für Pflanzenschutz passen derzeit nicht so recht in die agrarpolitische Landschaft. Im Zuge des Biodiversitätschutzes sind die Weichen in Richtung Reduktion gestellt, siehe Green Deal. Und der Bienenschutz ist hierzulande bekanntlich ein großes Politikum. Und um Gefahren von Bienen fernzuhalten, wurden Neonicotinoide 2018 EU-weit verboten.

Gegen das „Schweinesystem“

Während Schweinemäster ächzen, weil der giftige Cocktail aus Afrikanischer Schweinepest und Corona in Schlachthöfen einen Vermarktungsstau bei schlachtreifen Tieren verursacht, lädt die Aktionsgemeinschaft Agrarwende in Nordhessen am Freitag zur Demonstration gegen das „Schweinesystem“. Gegenstand der Kritik: Die große Exportorientierung der hiesigen Fleischwirtschaft und die aus Sicht des Bündnisses ausbeuterischen Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen. Der Protestzug ist übrigens als Teil der europäischen Aktionswoche „Good Food, Good Farming“ geplant. Hier soll Bewusstsein für eine Agrarwende geweckt werden.

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