Digital Farming Conference

Appell an Landwirte: Verschenkt eure Daten nicht!


Der Weg in eine digitale Agrarwelt hält Hürden bereit. Branchenvertreter beklagen in Berlin fehlende Digitalkompetenz von Betriebsleitern. Außerdem mahnt eine Anwältin an, den Wert der eigenen Daten zu schätzen.

Wer auf seinem Hof zunehmend mit digitaler Technik arbeiten will, um Daten für zusätzliche Entscheidungshilfen zu bündeln, könnte schnell enttäuscht sein. „Um Karten von Ackerschlägen, die aus der Luft aufgenommen werden, zu lesen und zu verstehen, braucht es langjährige Erfahrung", weiß Oliver Martin, Geschäftsführer von Farmblick, einer Beratungsfirma für Smart Farming. Martin plädierte am Donnerstag in Berlin während der „Digital Farming Conference“, die der Digitalverband Bitkom erstmals veranstaltete, dafür, das Know-how von unabhängigen Beratern einzuholen. Der stellvertretende Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, Gerald Dohme, vertritt hingegen die Meinung, Digitalkompetenz müsse konsequent in die Ausbildung integriert werden, um Landwirte ausreichend vorzubereiten. Der Experte von Farmblick glaubt aber nicht daran, dass dies ausreicht. Zwar müsse der Landwirt Grundlagen verstehen, doch ein Spezialist für Spektralkarten werde er dadurch noch lange nicht.

Darüber hinaus formulieren Anwesende die These, der Fachkräftemangel beschleunige die Automatisierung. Konkret stünden Betriebsleiter derzeit vor dem Problem, keine Melker zu finden. Geringe Löhne und harte körperliche Arbeit forcieren den Einsatz von Melk- und Fütterungsautomatik. In der Szene tummeln sich, neben Branchengrößen wie dem Softwareunternehmen SAP, daher auch viele Start-ups und international tätige Landtechnikhersteller. Sie bieten Anwendungen, Plattformen und Technologien an, die zu effizienterem Datenfluss und geringeren Kosten führen sollen.

Blockchain bringt Transparenz in die Kette

Häufiger treten Start-ups in Erscheinung, die Blockchain-Anwendungen für die Agrarbranche nutzbar machen wollen. Die Blockchain, ursprünglich bekannt geworden durch die Kryptowährung Bitcoin, stellt Vorgänge für alle Teilnehmer entlang der Wertschöpfungskette transparent und fälschungssicher dar. Kosteneinsparungen prophezeien Experten beispielsweise, weil die Zertifizierung von Agrargütern vereinfacht würde. Doch Anwendung findet die Technologie bisher kaum. Aus dem Publikum geben Kenner der Branche gegenüber dieser Zeitung zu verstehen, es fehlten fähige Entwickler. Anscheinend macht sich der Fachkräftemangel auch an dieser Stelle bemerkbar.

Digital Farming Conference: Diskussion in Berlin




Auf die Frage, ob der Feldroboter bald die Landmaschine ablöst, gibt es hingegen von Prof. Joachim Hertzberg, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, eine einfache Antwort: „Nein.“ Zwar hat der leichte Feldroboter, der womöglich spritzt, sät oder jätet einen klaren Vorteil gegenüber Landmaschinen: Er schadet der Bodenstruktur nicht. Doch spätestens zur Ernte fährt ja dann doch der physisch überlegene Erntewagen den Boden platt, und um diesen käme kein Landwirt herum, glaubt Hertzberg.

Selbstverständlich ist auch die Datensicherheit Thema der „Digital Farming Conference“. Während der Gesetzgeber allerdings personenbezogene Daten schützt, fallen beispielsweise satellitengestützte Daten von Ackerflächen nicht unter das Datenschutzgesetz, so die Anwältin Friederike Detmering der Kanzlei Reed Smith. Wissen über das Ertragspotenzial verschiedener Länder wäre somit theoretisch für interessierte Firmen zugänglich. Die Anwältin gibt einen Tipp mit auf den Weg: Schon bald könnten die Daten von Landwirten sehr viel Wert sein. Jeder sollte schon jetzt berücksichtigen, sie nicht zu verschenken. Konkret rät Detmering, die AGB‘s von Anwendungen durchzulesen, um herauszufinden, was mit den Daten geschieht.

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