Kaum ein Student weiß, was sich hinter dem Markennamen „Isobus“ oder dem Begriff Precision Farming verbirgt. Dies zeigten die Ergebnisse einer Online-Befragung von Erstsemestern an der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität (CAU) in Kiel. 

Um Licht ins Dunkel zu bringen: Der technische Begriff „Bus“ beschreibt eine Schnittstelle, die den Datenaustausch zwischen verschiedenen Landtechnikherstellern erst möglich macht. Die Strohpresse von Hersteller X kann aufgrund dieses Standards mit dem Traktor von Hersteller Y kommunizieren. Für Landwirte ist dies eine große Erleichterung, weil sie unabhängig von der Marke kaufen können. Würde es keinen Isobus geben, könnte die Strohpresse, ähnlich einem Apple-Gerät, niemals mit einem anderen Gerät verbunden werden. 

Obwohl die rund 200 Befragten zur Generation der sogenannten „Digital Natives“ gehören, die allesamt mit Smartphones aufgewachsen sind und denen Begriffe wie „Big Data“ und „Social Media“ in Fleisch und Blut übergegangen sind, hakt es im Agrarbereich. Ob AgroXML, 365 Farmnet, GIS, Isobus oder Precision Farming, der Großteil (zwischen 70 und 90 Prozent) der Agrarstudenten tappt im Dunkeln. Lediglich der Begriff GPS ist bei rund 90 Prozent der 200 befragten Studenten bekannt. 

Eine Erklärung könnte sein, dass 40 Prozent der Umfrageteilnehmer im Fachbereich Ökotrophologie studieren, gibt der Autor der Studie, Karsten Borchard, Leiter Multi Media Labor an der CAU, zu bedenken. Die technische Affinität ist in dieser Gruppe möglicherweise geringer als in anderen Studiengängen. Im Anschluss an die Studie soll nun die Ausbildung in der Vorlesung „Einführung in die Informationsverarbeitung“ angepasst werden. Anschließend will Borchard die Umfrage jährlich wiederholen, um den Lernfortschritt zu dokumentieren. Für die Zukunft der Digitalisierung an Hochschulen sind diese Erkenntnisse wichtig, sagt Borchard. Das digitale Wissen sei neben dem Fachwissen ein wichtiges Handwerkszeug für das spätere Berufsleben.

Dass er damit richtig liegt, zeigt eine Studie der Baywa-Tochter Farmfacts und dem Wissenschaftszentrum Weihenstephan (TUM). Die Autoren haben Stellenbeschreibungen von Agrarsoftwareherstellern analysiert. Wer als Agraringenieur arbeiten will, muss in erster Linie branchenspezifische IT-Kenntnisse mitbringen. 

Allerdings analysieren die Autoren, dass alle agrarwissenschaftlich orientierten Bachelorstudiengänge an deutschen Hochschulen auf Fachbereiche wie Pflanzenbau und Tierwissenschaften fokussieren. In diesem Bereich werden 57 Prozent der Module angeboten, während IT-Inhalte weniger als 5 Prozent des Modulangebots ausmachen. Agrarstudenten berichten gegenüber der agrarzeitung, dass die Ergebnisse kaum Besorgnis erregend seien. Zum einen würde der Begriff Isobus im Laufe des Grundstudiums erklärt. Zum anderen unterscheiden sich IT-Anforderungen für die jeweiligen Fachbereiche. Wer sich auf Tierproduktion spezialisiere dürfte sich besser mit Herdenmanagement-Systemen auskennen, als ein Student mit Fokus Pflanzenbau.

stats