Digitalisierung

ADM und Co. rufen Disruption aus


Auch digital wollen die Dickschiffe des Agrarhandels ein feines, globales Netz spannen.
Bild: Pixabay / geralt
Auch digital wollen die Dickschiffe des Agrarhandels ein feines, globales Netz spannen.

Die gemeinsame Plattform, mit der Agrarhandelsgrößen wie ADM, Bunge und Cofco internationale Standards in der globalen Abwicklung setzen wollen, soll schon sehr bald starten. Sie ist außerdem um ein Mitglied reicher geworden.

Die neue digitale Handelsplattform der Agrarhandelsgiganten Archer Daniels Midland (ADM), Bunge, Cargill, Cofco, Louis Dreyfus und seit dem heutigen Donnerstag auch Glencore soll bereits Mitte 2020 an den Start gehen. Davon gehen die Initiatoren in einer gemeinsamen Mitteilung aus – vorausgesetzt, die zuständigen Regulierungsbehörden erteilen der Initiative ihre Zustimmung. Als nächste Schritte kündigen die globalen Rohstoffhändler ein Pilotprojekt an, das internationale Soja-Lieferungen von Brasilien nach China umfassen soll. Außerdem wählt das Konsortium nach eigener Darstellung gerade technische Dienstleister sowie nicht näher spezifizierte „Partner“ aus.

Die Plattform-Initiative, die nach den Worten von Bunge-CEO David Mattiske das Potenzial hat „unsere Branche zu revolutionären“, steckt sich das Ziel, Abwicklungsprozesse im globalen Agrarrohstoffhandel mithilfe von Künstlicher Intelligenz („KI“) und digitalen Lösungen wie der Blockchain-Technologie „effizienter, präziser und transparenter“ zu gestalten, heißt es dazu in der Mitteilung.

Enge Zusammenarbeit in allen kritischen Fragen

Im Oktober 2018 hatten die Dickschiffe aus dem globalen Agrarhandel ihr Projekt das erste Mal öffentlich gemacht. Seitdem habe man „Workshops und Runde Tische mit einer ganzen Reihe von Stakeholdern abgehalten, darunter Spediteure, Befrachter, Käufer, Dienstleister, Finanzinstitute, Wirtschaftsverbände, Anbieter von Zertifizierungen und Standardisierungslösungen sowie Aufsichtsbehörden.“ Da die Partner in sensiblen Fragen wie Sicherheit, Datenschutz, Technologieauswahl, Geschäftsmodell, Funktionalitäten und Leistungen Hand in Hand arbeiteten, sind sie selbst davon überzeugt, mit ihrer angestrebten Plattform-Lösung die Bedürfnisse des gesamten, beteiligten Wirtschaftszweiges abzudecken.

Was passiert mit deutschen Plattformen?

Sobald die neue Plattform an den Start geht, stellt sich die Frage, wie sich Projekte mit einem ähnlichen Ansatz mit dem Angebot der großen, internationalen Player ABCDG vertragen werden. Erst im Sommer haben die Baywa AG, die Getreide AG und ATR Landhandel ihre Zusammenarbeit in Sachen digitaler Handelsstrategie bekanntgegeben. Gemeinsam mit dem Start-up unamera wollen auch diese Akteure Standards für den Handel setzen. Die drei Player wollen „eine digitale Infrastruktur“ schaffen, die „sämtlichen Marktteilnehmern offen steht“, hatten sie Anfang Juli verkündet. Durch die Plattform solle die „Markttransparenz erhöht“ werden. Außerdem hoffen die Unternehmen, „einen Beitrag zur Standardisierung von Prozessen“ rund um den Getreidehandel zu leisten. 

Baywa, Getreide AG und ATR werden zwar nicht im Konzert der ABCDGs genannt. Doch zumindest die Baywa ist über ihre Tochter Cefetra im globalen Rohstoffhandel aktiv, und die Getreide AG ist ein bedeutender Exporteur von Getreide. ATR besitzt eine eigene Schiffsflotte und ist im nationalen sowie europäischen Umschlag aktiv. Außerdem sind zumindest ABCDG im deutschen Markt präsent.

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