Digitalisierung

Schlanke Abwicklung im Netz


Kennt die Zielgruppe "Landwirte" ganz genau: Maximalian von Weichs (li.) und Tobias Fallmeier.
Bild: Cropspot
Kennt die Zielgruppe "Landwirte" ganz genau: Maximalian von Weichs (li.) und Tobias Fallmeier.

Gebote und Offerten für Getreide und Ölsaaten einstellen oder einfach nur die Abwicklung eines Kontraktes buchen: Mit diesen Dienstleistungen will das Hamburger Start-up cropspot ab September an den Markt.

Einen digitalen Handelsplatz für Getreide und Ölsaaten bieten mit "maximal effizienter und rückverfolgbarer Abwicklung": So lautet das Leistungsversprechen, mit dem cropspot.com ab September auf den Markt will. Hinter dem Start-up mit Sitz in Hamburg stehen Geschäftsführer Tobias Fallmeier (34) und Maximilian von Weichs (31), die bereits gemeinsam und ganz analog bei der Getreide AG gehandelt haben. Als Gesellschafter mit an Bord sind zudem der Jurist mit Spezialgebiet Wagniskapital, Jan Schätzel, sowie der IT-Berater Dr. Hinnerk Gnutzmann.

"Es gibt so viele Ineffizienzen im Handel", beschreibt Fallmeier die Motivation zur Gründung von cropspot. Eine schlanke, digitale Abwicklung von Kontrakten könne Marktteilnehmern dabei helfen, Personal- und Transaktionskosten einzusparen, ist Fallmeier überzeugt. Das käme dem Erfordernis nach mehr Effizienz in einem durch enge Margen geprägten Markt entgegen.

Handel mit Sonderkulturen fördern

Auf cropspot können Händler, Landwirte und Verarbeiter künftig Gebote und Offerten für Getreide und Ölsaaten einstellen. Dazu sind Formulare mit Standardspezifikationen hinterlegt, die aber individuell angepasst werden können: "Wenn ein Nutzer weiß, dass mein B-Weizen statt der üblichen 12 Prozent nur 11,8 Prozent Protein hat, kann er das Formular entsprechend ändern", sagt dazu Fallmeier. Darüber hinaus will cropspot die Vermarktung von sortenreiner Ware stärken und den Handel mit Sonderkulturen "aktiv fördern", wie Fallmeier versichert.
Digitalisierung
Das 60 Seiten starke Whitepaper „Digitalisierung im Agrarhandel“ der agrarzeitung analysiert die digitale Transformation im Agrarhandel und bietet zudem einen Überblick über Entwicklungen in der Start-up-Szene und über die Strategien der wichtigen Player am Markt – seien es die digitalen Geschäftsmodelle der fünf Hauptgenossenschaften oder unternehmensübergreifende Projekte wie die Raiffeisen Networld oder das gemeinsame Engagements der drei bedeutenden Player ATR Landhandel GmbH, Baywa AG und Getreide AG auf der Plattform Unamera.

Käufer und Verkäufer finden über eine Suchfunktion zueinander, die unter anderem nach Produkten, Paritäten und Preisvorstellungen filtert. Bis zur Anbahnung des Geschäfts bleiben die Parteien anonym. Ein automatisches Matching von Offerten und Geboten ist auf cropspot zunächst nicht geplant: "Das ergibt erst Sinn, wenn die Liquidität hoch genug ist, sprich: wenn genügend Marktteilnehmer die Plattform nutzen", erläutert der Geschäftsführer weiter. Das Portal könne jedoch von Beginn an Vorschläge erstellen. "Zum Beispiel kann ein Abnehmer benachrichtigt werden, wenn eine zu seinem Gebot passende Getreidepartie hochgeladen wird", erläutert Fallmeier.

Verbunden über Schnittstellen

Über Schnittstellen sind alle an einer Transaktion beteiligten Parteien miteinander verbunden und können direkt die notwendigen Dokumente miteinander austauschen. Um die Logistik zu stemmen, ist das cropspot-Team im Gespräch mit verschiedenen Spediteuren. Alle Nutzer der Plattform werden außerdem eine Bonitätsprüfung durchlaufen, versichert Fallmeier.

Neben der Vermittlung von Geschäften, für die cropspot eine Provision von Käufern und Verkäufern gleichermaßen erheben will, will das Start-up auch Marktinformationen im Abo anbieten. Darüber hinaus wird das junge Unternehmen auch die Möglichkeit geben, lediglich die Kontraktabwicklung über das Webportal zu buchen. Zudem will cropspot Nutzer dabei beraten, eine Schnittstelle von ihren jeweiligen Warenwirtschaftssystemen zur Plattform zu schaffen. Das junge Unternehmen will Landhändlern außerdem eine Integration des Webportals in das eigene System durch eine Cloud-Lösung anbieten. Durch diese Einbettung sollen Kunden und Landhändler die Möglichkeit erhalten, in einem geschlossenen System Geschäfte abzuwickeln und Verhandlungen durchzuführen.

Pilotprojekte mit Marktteilnehmern

Um hohe Liquidität auf cropspot zu ziehen, führt das Unternehmen Pilotprojekte mit Marktteilnehmern durch. "Die Mitstreiter dieser Pilotprojekte werden die Plattform nutzen und testen sie, geben uns Rückmeldung, die wir wiederum für die Optimierung unserer Funktionalitäten nutzen", beschreibt Fallmeier das Vorgehen. Außerdem würden die Marktteilnehmer dazu beitragen, cropspot bekannt zu machen und somit gewissermaßen auch eine Marketmaker-Funktion mit übernehmen.

Die cropspot-Gründer sind zuversichtlich, sich gegenüber Wettbewerbern aus der Start-up-Szene behaupten zu können, weil sie den Markt gut kennen. "Unser Motto lautet ‚Aus dem Markt für den Markt‘", betont Fallmeier. Er selbst hat nach seinem Agrarstudium an der Universität Göttingen zunächst ein Traineeprogramm bei ADM in Hamburg und Rotterdam absolviert und dann fünf Jahre bei der Getreide AG "quer durch das Getreidebuch" gehandelt – und verfügt entsprechend über viele Kontakte im Markt. Sein Geschäftspartner von Weichs bringt mit einem Master in Nutzpflanzenwissenschaften und als praktischer Landwirt die Erzeugerperspektive mit – und zusätzlich noch drei Jahre Berufserfahrung im landwirtschaftlichen Ein- und Verkauf bei der Getreide AG.

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