Digitalisierung

Testfeld für 5G startet

Landwirte fordern seit Jahren schnelles Internet. Die Bundesregierung verspricht nun Verbesserungen.
Pixabay
Landwirte fordern seit Jahren schnelles Internet. Die Bundesregierung verspricht nun Verbesserungen.

Agrarministerin Julia Klöckner ist überzeugt, dass die Digitalisierung dabei helfen könne, Zielkonflikte zu überwinden. Indes wartet die Branche auf den neuen Mobilfunkstandard 5G.

 „Die Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern sie hilft, Zielkonflikte zu lösen, zum Beispiel, indem Lebensmittel nachhaltiger erzeugt, Dünge- und Pflanzenschutzmittel eingespart werden können“, sagte Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) in dieser Woche, während des Digital-Gipfels der Bundesregierung. Außerdem sei eine digitalisierte Landwirtschaft auch für den Nachwuchs als Branche interessant – nicht nur, weil Arbeitskraft und Ressourcen eingespart werden könnten, sondern weil Acker und Stall heute „Hightech“ seien, betonte sie.

Experimente im ländlichen Raum

Im Zeitraum 2019 bis 2022 investiert das Landwirtschaftsministerium (BMEL) rund 50 Mio. €. in sogenannte digitale Experimentierfelder auf landwirtschaftlichen Betrieben und im ländlichen Raum. Bundesweit soll untersucht werden, wie digitale Techniken „optimal“ zum Schutz der Umwelt, zur Steigerung des Tierwohls und der Biodiversität, vor allem aber auch zur Arbeitserleichterung der Landwirte eingesetzt werden können, teilt das BMEL mit.

Vom Ackerbau über Sonderkulturen bis zur Tierhaltung

Die 14 Projekte sollen das gesamte Spektrum der Landwirtschaft abdecken, so das BMEL. Gefördert wird beispielsweise die TU Dresden mit dem Projekt „Landnetz“. Im Rahmen des Projekts, an dem auch das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie Sachsen und das Fraunhofer IVI beteiligt sind, soll ein großflächiges 5G Testfeld eingerichtet werden. Darüber hinaus werde an Cloudinfrastrukturen und Technologien zur flächendeckenden drahtlosen Datenübertragung mit Hilfe von 5G im ländlichen Raum und Vernetzung von landwirtschaftlichen Betrieben gearbeitet.

Im Rahmen des Projekts „Express“, für das die Universität Leipzig gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, dem Fraunhofer IMW sowie dem Institut für Mikroelektronik- und Mechatronik-Systeme forscht, geht es beispielweise um sensorbasiertes Wasserstress-Monitoring. Darüber hinaus forschen die Partner an einer automatisierten Überwachung abiotischer Schlüsselparameter.

Im Projekt „DigiSchwein“ der Landwirtschaftskammer Niedersachsen sollen beispielsweise Entscheidungshilfen zur Krankheitsfrüherkennung sowie ein Monitoringsystem für das Geburtsmanagement erforscht werden. Die Universität Hohenheim und die Hochschule Nürtingen suchen innerhalb von „Diwenkla“ nach digitalen Wertschöpfungsketten für eine nachhaltige kleinstrukturierte Landwirtschaft.

Branche diskutiert über Campusnetze

Das Testfeld Landnetz dürfte die Branche versöhnlich stimmen. Zwar hat der Mobilfunkanbieter Vodafone beispielsweise kürzlich seine erste 5G-Station in Brandenburg in Betrieb genommen. Das Netz liefert hohe Internet-Geschwindigkeiten und niedrige sogenannte Latenzzeiten im Millisekunden-Bereich. Diese Echtzeit wird perspektivisch Anwendungen wie beispielsweise selbstfahrende Autos ermöglichen. Allerdings geht es in weiten Teilen im ländlichen Raum noch um den Ausbau des Breitbandnetzes. Die Bundesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag zum Ziel gesetzt, dass Deutschland zum „Leitmarkt“ für 5G werden soll. Damit muss sich Deutschland allerdings beeilen. Japan will den neuen Mobilfunkstandard schon zu den Olympischen Spielen in Tokio 2020 an den Start bringen.

Innerhalb der Branche ist die Diskussion über eine baldmögliche Nutzung von 5G großes Thema. Während einer Veranstaltung des Deutschen Bauernverbands in Berlin wurde der Zugang über Campus-Netze diskutiert. Das lokale Netz deckt quasi ein definiertes Firmengelände, eine Universität oder einzelne Gebäude ab. DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken warnte allerdings davor, sich allzu stark auf Campus-Netze zu konzentrieren. Die Bundesregierung sei in der Verantwortung das flächendeckende 5G-Projekt voranzutreiben.

Merkel verspricht günstige Lizenzen für Unternehmen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat während des Digital-Gipfels günstige Lizenzen für die lokale Nutzung des neuen Mobilfunkstandards 5G versprochen. Die Bundesnetzagentur werde in Kürze veröffentlichen, wie der Frequenzbereich, der für die Nutzung durch beispielsweise Landwirtschaftsbetriebe reserviert wurde,  zur Verfügung gestellt werden könne, so Merkel. „Die Kosten sind mittelstandsfreundlich, wie mir heute gesagt wurde. Das heißt also, es wird sich dann für deutsche Unternehmen rentieren, im eigenen Unternehmen sehr schnell Zugriff auf 5G zu haben“, kündigte Merkel weiter an.

Deutschland hat in diesem Jahr 5G-Frequenzen für 6,5 Mrd. € an Netzbetreiber versteigert, einen Teil der Frequenzen zur lokalen und regionalen Nutzung hat die Bundesregierung aus der Auktion herausgenommen und für die Industrie, Forschung und Landwirtschaft reserviert.

Kommentare

Ihre E-Mail wird weder veröffentlicht noch weitergegeben. Notwendige Felder haben einen *

Spielregeln

stats