Direktzahlungen

„Capping führt zum Bankrott“


Achim Irimescu, Vertreter Rumäniens in Brüssel, erläutert die Folgen gekürzter Direktzahlungen
Achim Irimescu, Vertreter Rumäniens in Brüssel, erläutert die Folgen gekürzter Direktzahlungen

Laut Achim Irimescu, Vertreter Rumäniens im EU-Sonderausschuss Agrar, könnte sich die Kürzung der Direktzahlungen auf Ackerbaubetriebe katastrophal auswirken. Rumänisches Ackerland sieht der 60-jährige Agrarökonom bei Landwirten westlicher EU-Staaten in guten Händen.

agrarzeitung: Warum würde das „Capping“ der Direktzahlungen die rumänischen Landwirte hart treffen?

Irimescu: Wir haben das mal durchgerechnet. Von den 1,9 Milliarden Euro, die die rumänischen Betriebe im kommenden Jahr zu erwarten haben, müsste beim Capping eine ungeheure Summe von 400 Millionen Euro abgezogen und umverteilt werden. Ich hatte hier in Brüssel eine Gruppe von Landwirten, die rund 500000 Euro in Maschinen und Umwelttechnik investiert haben und die nach dem Capping den Bankrott befürchten. Das betrifft nicht nur die ganz großen, sondern auch Ackerbaubetriebe von 300 Hektar, die wegen der geringeren Erträge in Rumänien eine durchschnittliche Größe darstellen.

Was bieten Sie den vielen kleinen Semisubsistenzbetrieben an?

Irimescu: Auf diese fleißigen Leute mit wenigen Hektar sind wir angewiesen, um ländliche Räume lebendig zu halten, besonders in den Berggebieten. Das sind nicht alles Landwirte und viele erfüllen gar nicht die Kriterien, um Direktzahlungen zu bekommen. Wir werden die Umverteilungsprämie in der kommenden GAP-Reform deutlich erhöhen und damit einen Teil der kleinen Betriebe stärker unterstützen.

Was kann die rumänische Landwirtschaft zur Verbesserung von Umwelt und Klima unternehmen?

Irimescu: In den flacheren Landesteilen wurde der Wald abgeholzt. Bewaldete Randstreifen sind deshalb in größeren Betrieben sinnvoll, zumal sie auch im Winter die Schneedecke vor Verwehungen schützen und Wildtiere in den Waldstreifen die Mäuse abhalten. Vom Wald umgebene Getreidefelder bringen deutlich höhere Erträge. Eine andere Möglichkeit ist es, Sorghum anstelle von Mais anzubauen. Ein Hektar Sorghum adsorbiert deutlich mehr Kohlendioxid aus der Luft als Mais. Weil aber die Erträge vom klimafreundlichen Sorghum deutlich niedriger sind als jene von Mais, muss es gekoppelte Direktzahlungen für die Umstellung geben.

In Rumänien wird der geringe Anteil an heimischen Lebensmitteln in den Geschäften beklagt. Woran liegt das?

Irimescu: Das Problem ist: Die kleinen Erzeuger wollen sich nicht zusammenschließen, das kommt wohl noch aus der Zeit des Kommunismus. Weil sie sich nicht zusammenschließen, verfehlen die Erzeuger die Größenordnung, um direkt an die Supermärkte liefern zu können. Wir exportieren eine Menge Getreide, das dann in Form von Erzeugnissen wieder nach Rumänien zurückkommt. Dass liegt auch an Schwächen im Verarbeitungssektor. Gut ist die Verarbeitung von Milch und Fleisch in Rumänien, aber das gilt weniger für andere Sektoren.

Wünschen Sie sich ausländische Investoren in der Landwirtschaft?

Irimescu: Fragen Sie nicht die rumänischen Landwirte, die schätzen die Konkurrenten um knappes Ackerland weniger. Aber nach meiner Meinung bringen engagierte Landwirte aus den westlichen EU-Mitgliedstaaten gute Kenntnisse mit, sie zahlen Steuern und schaffen Arbeitsplätze. Das Problem sind die Investmentfonds, die das Land nur aus Spekulationszwecken kaufen, verpachten und auf höhere Preise warten. Den Investmentfonds gehören etwa 20 Prozent des Ackerlandes in Rumänien.

Interview: Axel Mönch

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