Düngeverordnung

Demonstranten fürchten Ertragsverluste

Rund 6.000 Landwirte sind aus ganz Deutschland nach Münster gekommen.
Foto: da
Rund 6.000 Landwirte sind aus ganz Deutschland nach Münster gekommen.

Die Wut der Landwirte über die geforderte Verschärfung der Düngeregeln ist grenzenlos. Ackerbauern befürchten hohe Ertragsverluste und Tierhalter wissen nicht mehr wohin mit ihrer Gülle.

"Die Novelle der Düngeverordnung ist ein Angriff auf die Landwirte in Westfalen und im Rheinland, die wir nicht mehr verkraften", sagte Wilhelm Brüggemeier, Vize-Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV), zur heutigen Kundgebung auf dem Domplatz in Münster. Unter dem Motto "Bauern brauchen Zukunft – Zukunft braucht Bauern!" demonstrierten 6.000 Landwirte gegen die Pläne der Bundesregierung, die Düngeregeln erneut strenger zu fassen. Teilnehmer der Demo sind über die geplanten Regeln erschüttert. Sie befürchten hohe Ertragsverluste, wenn sie weniger düngen dürfen. Auch Tierhalter, die bereits 13 bis 15 Euro/Kubikmeter für die Entsorgung ihrer Gülle bezahlen, wissen nicht weiter, wenn sie aufgrund längerer Sperrfristen, die Gülle nicht mehr ausbringen können, schilderten diese ihre Sorgen.

Landwirte aus ganz Deutschland demonstrieren in Münster

Sogar Berufskollegen aus Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Bayern sind nach Münster gekommen, um zum Ausdruck zu bringen, dass sie mit der Reduzierung der Düngung von 20 Prozent in sogenannten "roten Gebieten" nicht einverstanden sind. Diese Regel hat Deutschland der EU-Kommission vorgeschlagen, um die hohen Nitratwerte im Grundwasser zu senken.
"Statt abzuwarten, welche Ergebnisse sich aus der aktuellen Düngeverordnung von 2017 ergeben, zwingt uns die EU-Kommission, jetzt noch schärfere Regeln zu erlassen", sagte Bernhard Conzen, Präsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbands (RLV) unter tosendem Beifall und Trillerpfeifen. Conzen wehrt sich gegen die pauschale Regel, 20 Prozent unter Wachstumsbedarf zu düngen. Der Anbau von Brotweizen und auch Gemüse sei damit nicht mehr nach Verbraucherwünschen möglich. Gemüse ohne Stickstoff weise gelbe Blätter auf. Weil der Verbraucher verschrumpeltes Gemüse nicht wolle, müsse dieses folglich untergepflügt werden. Auch Ökobauern seien von den verschärften Regeln betroffen, da sie ihre organische Düngung, weiter reduzieren müssen. Allerdings bestätigte der Bauernpräsident gegenüber der anwesenden Bundesagrarministerin Julia Klöckner, dass Landwirte an der Überdüngung beteiligt sind. Darüber hinaus sicherte er der Ministerin zu, an dieser Problematik etwas ändern zu wollen. „Wir wollen die Dinge in Ordnung bringen“, sagte Bauernpräsident Conzen.
„Landwirte haben das Nitratproblem verstanden und akzeptieren die aktuelle Düngeverordnung.“
Bernhard Conzen, Präsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbands (RLV) , 


Doch eine pauschale Unterdüngung sei nicht zielgerichtet, kritisierte Conzen. Landwirte würden bereits erfolgreich in Kooperationen mit der Wasserwirtschaft zusammen arbeiten. Von Landwirtschaftsministerin Klöckner forderte er, dass sie sich nun in Brüssel einsetzen müsse, um noch einmal über die Düngeregeln nachzudenken und intelligente Wege zu suchen.

Klöckner: "Machen Sie mal auf locker!"

Mit großer Emotionalität sorgte Klöckner in ihrer anschließenden Rede dafür, dass es zeitweise mäuschenstill auf dem Domplatz war. Rund 6.000 Landwirte folgten den Worten der Ministerin. "Kompromisse scheinen außer Mode gekommen zu sein", begann Klöckner ihre Rede. Für die nordrhrein-westfälische Agrar- und Umweltministerin Ursula Heinen-Essser sei es eine Herausforderung, die unterschiedlichen Interessen zusammenzubringen. Einem brüllenden Demonstranten entgegnete Klöckner unter großem Gelächter: "Machen Sie mal auf locker". Im Bundestag werde sie noch heute eine Rede zur Aussprache über die ländlichen Regionen halten, stimmte Klöckner versöhnlich. Sie werde von der Demo in Münster berichten und sich dafür einsetzen, dass genügend finanzielle Mittel auf dem Land ankommen. Klöckner appellierte an das Gemeinwohl zu dem sauberes Grundwasser gehöre.

Am Montag will Klöckner mit der Branche nach Lösungen suchen

Doch warnt Klöckner vor einer Spaltung der Landwirtschaft, dass Ackerbauer auf Tierhalter losgehen und umgekehrt und man sich gegenseitig die Schuld zuschiebe, wer an der Wasserverschmutzung Schuld habe. Die Wasserwirtschaft müsse hohe Kosten aufwenden, um das Grundwasser zu reinigen. Schon deshalb sei es dringend notwendig, die Düngeregeln einzuhalten. Deshalb will sie am Montag mit allen Ministern und Verbänden nach flexiblen Lösungen zur Düngung suchen.

Kommentare

Ihre E-Mail wird weder veröffentlicht noch weitergegeben. Notwendige Felder haben einen *

Spielregeln

stats