Frei lesbar: Umweltverbände

Weniger Stickstoff auf rotem Grünland


Die Umwelt- und Wasserverbände halten die Regelungen für die Düngung von Grünland für nicht streng genug.
Foto: LWK NRW
Die Umwelt- und Wasserverbände halten die Regelungen für die Düngung von Grünland für nicht streng genug.

Heute muss die Bundesregierung die verschärfte Düngeverordnung bei der EU-Kommission abgeben. Umwelt- und Wasserverbände forden härtere Einschnitte für die Düngung auf Grünland.


Landwirte, die in roten Gebieten wirtschaften, müssen die Stickstoffdüngung pauschal um 20 Prozent reduzieren und ab 5 Prozent Hangneigung einen Gewässerabstand von 3 m bei der Düngung sowie für Wirtschaftsdünger längere Sperrfristen einhalten. Zwischenfrüchte dürfen im Herbst nicht mehr gedüngt werden. Gegen diese Auflagen, wie sie der überarbeitet Entwurf der Düngeverordnung vorsieht, laufen Landwirte Sturm. Dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem NABU, dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und dem Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) gehen die Forderungen nicht weit genug. In einer gemeinsamen Erklärung fordern sie am heutigen Abgabetag von der Bundesregierung, die Verordnung noch schärfer zu fassen.



So solle die Reduzierung der Düngung um 20 Prozent in den bereits stark Nitrat-belasteten, „roten Gebieten“ auch für Grünland gelten, fordern die Verbände. Laut jüngstem FFH-Bericht seien 37 Prozent aller Grünland- und Gewässer-Lebensräume in einem schlechten Zustand. Daher sei Deutschland bereits mit dem nächsten Vertragsverletzungsverfahren konfrontiert, warnt der BDEW.  Ausnahmen von der Reduktionspflicht dürfe es nach Meinung der Verbände nur bei einem Düngebedarf bis 130 kg/ha  geben. Eine Verrechnung der flächenbezogenen Reduzierung für düngeintensive Anbaukulturen wie Weizen, Zuckerrüben und Kartoffeln schließt der Wasserverband aus. Ferner will er wie beim Klimapaket ein Monitoring einführen. Mit dieser Prüfung könne rechtzeitig nachgebessert werden.



Wie die Würfel in Brüssel fallen ist offen. Bereits vor vier Wochen haben die Bundesministerinnen Svenja Schultze (SPD) für Umwelt und Julia Klöckner (CDU) für Agrar persönlich in Brüssel den überarbeiteten Entwurf Umweltkommissar Carmenu Vella überreicht. Die endgültige Fassung muss bis heute in Brüssel vorliegen. Bisher hüllt sich die EU-Kommisson in Schweigen. Unklar ist, ob die Beamten der Argumentation der Bundesregierung folgen und die Düngeverordnung so akzeptieren oder sie sich der Kritik aus Umweltschutz und Wasserwirtschaft anschließen. Mitte Juli hatte die Kommission erklärt, falls die Bundesregierung die Düngeverordnung nicht nachbessert, drohe ein zweites Strafverletzungsverfahren wegen Nichteinhaltung der EU-Nitratrichtlinie und damit ein tägliches Strafgeld von 860.000 € bis die Nitratwerte in den belasteten Gebieten sinken.


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  1. Renke Wilkens
    Erstellt 25. September 2019 15:41 | Permanent-Link

    Die Interessenverbände der Landwirtschaft müssen eine Studie in Auftrag geben, die genau untersucht, wie viele Nährstoffe und Schadstoffe aus den Kläranlagen der Kommunen und Industrie kommen. Es kann nicht sein, dass die Landwirtschaft in Deutschland, die weltweit am Nachhaltigsten produziert, für alles verantwortlich gemacht werden kann.

  2. Karl Timme
    Erstellt 25. September 2019 22:24 | Permanent-Link

    Sehr aufällig ist, dass die komunalen Wasserverbände (deren Eigentümer identisch sind mit den komunalen Abwasserverbänden) in einem Boot mit den NGO's sitzen. In deren Gremien sitzen auch die Politiker, die von uns (Nein: vom allgemeinen Kunsumenten) gewählt werden wollen. Da zählen dann keine Fakten wie sie in Hülle und Fülle vorliegen, da wird Idiologie zur Wahrheit.

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