Foto: LWK NRW

Das Bundeskabinett hat in seiner heutigen Sitzung Zwischenfrüchte von ökologischen Vorrangflächen für die Futtergewinnung frei gegeben. Damit können Tierhalter ihre Vorräte auffüllen. 

Die Dürre bringt Tierhalter in Bedrängnis. Der zweite und dritte Grünlandschnitt ist gebietsweise ausgefallen. Deshalb hat die EU-Kommission erlaubt, Zwischenfrüchte, die auf ökologischen Vorrangflächen stehen, nach acht Wochen Aufwuchs als Futter einsetzen zu dürfen. Dazu war in Deutschland eine Änderung der Direktzahlungen-Durchführungsverordnung notwendig. Diese Änderung hat das Bundeskabinett heute beschlossen.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) machte heute auf die unterschiedliche Lage der Trockenheit in Deutschland aufmerksam. "Tieren hilft kein Geld, sondern Futter", betonte sie erneut. Ziel müsse es sein, das Angebot von Futter zu erhöhen. Bei Ackerbaubetrieben sei die Situation anders. Hier seien die Weizenpreise in den vergangenen Wochen um 20 bis 30 Prozent gegenüber der Vorjahre gestiegen. Diese Mehrerlöse müssten bei der Aufstellung der Ernteschäden berücksichtigt werden. Heute sei der letzte Schadensbericht den Ländern beim BMEL eingegangen. Nun würden die Zahlen ausgewertet. Die Spanne liege zwischen 20 und 60 Prozent, so Klöckner. Einige Länder hätten Betriebe mit erfasst, deren Ernteschäden unterhalb der Schwelle von 30 Prozent liegen, diese müssten herausgerechnet werden.

Entscheidung in einer Woche
Am Mittwoch 22. August werden alle Daten zur Bewertung der Dürreschäden vorliegen. Im Anschluss daran wird die Ministerrunde der Regierung entscheiden, ob ein nationaler Notstand vorliegt. Das ist die Voraussetzung für finanzielle Hilfsmaßnahmen durch den Bund.

Das Echo von seiten der Agrarpolitiker auf die Freigabe der Vorrangflächen fiel positiv aus. Hendrik Bohm aus der Arbeitsgruppe Ernährung und Landwirtschaft der CDU/CSU-Bundestagsfraktion begrüßte den Beschluss: "Wir appellieren an alle landwirtschaftlichen Betriebe, Mischungen zu wählen, die besonders gut zu Futterzwecken geeignet sind. Damit können auch Betriebe mit Ackerbau und Veredelung dazu beitragen, die Notlage ihrer Berufskollegen zu lindern", so Bohm. Die Zwischenfrüchte wie Klee-Gras-Mischungen können bereits jetzt ausgesät werden. Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen, fordert derweil einen Klimaaktionsplan von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU).

Am Montag hatten die Staatssekretäre von Bund und Ländern im Bundesagrarministerium (BMEL) die ersten Schadensschätzungen zur Ernte vorgestellt. Endgültig hat die Landwirtschaftsministerin noch keine Hilfen zugesagt. Sie hat wiederholt betont, dass über finanzielle Hilfen vom Bund erst zu entscheiden ist, wenn Ende August die amtliche Erntebilanz vorliegt. Zuvor seien die Angaben aus den Ländern nicht zu vergleichen. 

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