Dürre-Gipfel

Bauernverband kürzt auf 36 Millionen Tonnen

2018 sinkt die deutsche Getreideproduktion deutlich.
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2018 sinkt die deutsche Getreideproduktion deutlich.

Der Deutsche Bauernverband streicht satte 5 Mio. t aus seiner Ernteprognose. Dahinter dürfte auch ein politisches Manöver stecken.

Strategie wie im Lehrbuch: Eineinhalb Stunden, bevor Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) vor die Presse treten wird, präsentiert der Deutsche Bauernverband (DBV) seine zweite Ernteschätzung. Hatte der Verband erst Mitte Juli die deutsche Getreideproduktion 2018 auf 41 Mio. t taxiert, geht der DBV jetzt nur noch von 36 Mio. t aus.

Diese Abwärtskorrektur ist auch politisch motiviert: Gestern fand ein Arbeitstreffen von Bund- und Ländervertretern im Bundesagrarministerium (BMEL) zu den Folgen der ausgedehnten Hitze und Trockenperiode für die Ernte und möglichen Krisenhilfen für Landwirte statt. Heute Vormittag informiert Bundesagrarministerin Klöckner ihre Kabinettskollegen über die Dürrefolgen und hat für 12 Uhr ein Pressestatement vor dem Ministerium anberaumt.

Entscheidung über Dürrehilfen schon jetzt

Passend dazu verknüpft DBV-Präsident Joachim Rukwied die frischen Erntezahlen mit einer politischen Forderung: Die Bundesländer müssten nun „zügig handeln“, der Bund müsse dann folgen. „Viele Bauern brauchen jetzt eine schnelle Unterstützung. Die aus unserer Sicht eindeutigen Zahlen lassen eine grundsätzliche Entscheidung über Dürrehilfen schon jetzt zu“, so Rukwied. Klöckner hatte hier auf Zeit gespielt: Um einzuschätzen, ob die diesjährige Dürre ein Extremwetterereignis mit Schäden von „nationalem Ausmaß“ sei, müsse sie erst die vorläufige Erntestatistik der Länder Ende August abwarten, hatte sie erst am Wochenende mitgeteilt. Normalerweise sind finanzielle Hilfen bei Extremwetterereignissen nämlich Ländersache; erst, wenn eine Krise flächendeckender ausfällt, kommen Finanzspritzen des Bundes in Betracht.

Die neuen Zahlen aus der zweiten Erntemeldung beziehen laut DBV in großem Umfang die tatsächlichen Erntemengen mit ein und „bestätigen die pessimistischen Einschätzungen aus den zurückliegenden Tagen“. Die Getreide- und Rapsernte ist demnach in den vergangenen Wochen zügig vorangeschritten: „Selbst in den norddeutschen Regionen ist die Ernte ungewöhnlich weit und zeigt das katastrophale Ausmaß der Dürreschäden. Die Erntemengen bleiben deutlich hinter unseren ohnehin geringen Erwartungen zurück“, so Rukwied.

18 Millionen Tonnen Weizen

Die Weizenernte steht nach DBV-Informationen in den überwiegenden Regionen kurz vor dem Abschluss. Noch zu erntende Flächen finden sich in Höhenlagen und im Norden Deutschlands. Die Druschergebnisse lassen nach Berechnungen des Verbands im Bundesdurchschnitt auf einen Ertrag von 6 t/ha schließen, was einem Minus von 20 Prozent gegenüber den 7,7 t/ha aus dem Vorjahr entspricht.  Der Durchschnittsertrag der Jahre 2013 bis 2017 in Höhe von 8 Tonnen pro Hektar wird den DBV-Zahlen zufolge um 25 Prozent verfehlt – um in den Genuss von Dürre-Nothilfen zu kommen, müssen Landwirte einen Ertragsrückgang um mindestens 30 Prozent vorweisen können. Die deutsche Winterweizenernte 2018 schätzt der DBV auf 18 (Vorjahr: 24,1) Mio. t.  

2 Millionen Tonnen Roggen

Bei Winterroggen beziffert der DBV die durchschnittlichen Erträge auf 3,7 (5,1) t/ha. Die Ernte werde in Kürze vollständig eingebracht sein, erwartet der Verband. Der Durchschnittsertrag der vergangenen fünf Jahre von 5,7 t/ha werde um 35 Prozent unterschritten. Insgesamt ist in diesem Jahr von einer Roggenernte von knapp 2 (2,7) Mio. t auszugehen.

Gut 3 Millionen Tonnen Raps

Die Ernte von Winterraps ist laut DBV bis auf Restflächen abgeschlossen. Im Bundesdurchschnitt wird ein Ertrag von nur knapp 2,6 t/ha erzielt. Das ist gegenüber dem Vorjahresertrag ein Rückgang um 21 Prozent; der Fünf-Jahresdurchschnitt werde um 32 Prozent verfehlt. Unter Berücksichtigung der Anbaufläche von 1,26 Mio. ha beläuft sich die diesjährige Rapsernte auf knapp 3,3 Mio. t. „Gegenüber der Vorjahresernte entspricht dies einem Rückgang von etwa 1 Million Tonnen Raps beziehungsweise einem Minus von 24 Prozent. Im Mittel der vergangenen fünf Jahre ernteten die deutschen Bauern noch 5,2 Millionen Tonnen“, bilanziert der DBV.

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