Dürre

Landwirte kritisieren Rukwied

Nicht jeder Bauer ist mit Rukwieds Milliardenforderung einverstanden
Foto: J_Struck
Nicht jeder Bauer ist mit Rukwieds Milliardenforderung einverstanden

Die Forderung des Bauerverbandes nach milliardenschweren Dürrehilfen stößt bei Landwirten auf Kritik. Das Landvolk in Hannover ist von den Querschüssen aus eigenen Reihen nicht begeistert.

In Niedersachsen wächst in diesen Tagen nicht nur die Furcht vor weiteren Einkommensverlusten, sondern auch der Ärger über die Dürrepolitik des Deutschen Bauernverbandes (DBV) in Berlin. In einem Mitgliederrundbrief macht der Vorstand des Bauernverbandes Nordostniedersachsen (BVNON) mit Thorsten Riggert, Adolf Tebel und Jens Wischmann seinem Unmut Luft. Das Einzugsgebiet des Verbandes mit den Landkreisen Lüchow-Dannenberg, Uelzen und Lüneburg ist von der Hitze und Trockenheit der vergangenen Wochen besonders stark betroffen. Zwar können viele Flächen beregnet werden, doch die künstliche Wasserversorgung verursacht hohe Kosten und konnte die Niederschlagsdefizite zudem nicht voll kompensieren. Auf den sandigen Böden ohne Beregnung fielen die Erträge katastrophal aus.

Landvolk setzte andere Akzente

Trotz der angespannten Situation auf den Höfen kritisieren die drei Funktionäre die Vorschläge von Bauernpräsident Joachim Ruckwied. „Der BVNON und das Landvolk Niedersachsen können sich der Milliardenforderung des DBV nicht anschließen“, heißt es in einem Mitgliederrundbrief, der in der vergangenen Woche verschickt wurde.

Die deutliche Kritik an der Verbandsspitze in Berlin und die Tatsache, dass sich ein Regionalverband anmaßt für das gesamte Landvolk zu sprechen, kamen in der Geschäftsstelle des Landvolks in Hannover nicht gut an. Zwar setzte auch Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke bei einer Pressekonferenz zum Thema Dürre am vergangenen Dienstag hörbar andere Akzente als der DBV in Berlin, Kritik am Kurs des DBV wurde aber nicht geübt.

Hilfe zur Selbsthilfe

In dem Rundbrief werde nicht die Auffassung des Landvolks widergegeben, hieß es heute Morgen auf Anfrage von agrarzeitung.de in Hannover. Zwar setzte man beim Thema Dürrehilfen etwas andere Schwerpunkte (Hilfe zur Selbsthilfe) grundsätzlich sei es aber richtig, dass der DBV für finanzielle Hilfen den Boden bereite. Intern haben sich die Funktionäre aus der Lüneburger Heide offenbar einen Rüffel aus Hannover eingehandelt. Offiziell heißt es dazu nur, die „Irritationen“ seien ausgeräumt worden.

Bessere Rahmenbedingungen notwendig

Die grundsätzliche Kritik dürfte dennoch auch in Berlin angekommen sein. Statt pauschal mehr Geld zu fordern solle sich der Verband für bessere Rahmenbedingungen einsetzten, fordern die Funktionäre aus der Lüneburger Heide. Sie erinnern daran, dass von zugesagten Hilfsgeldern meist nicht viel auf den Höfen ankomme. So sei es beispielsweise beim Hochwasser im vergangenen Jahr gewesen. „In der Bevölkerung wird wahrgenommen, die Landwirtschaft hätte erhebliche Hilfszahlungen bekommen, obwohl bei der Masse der Betriebe nichts angekommen ist“, stellt der BVNON-Vorstand fest. Deshalb seien finanzielle Forderungen „sowohl für den Geldbeutel der Landwirte als auch für die öffentliche Wahrnehmung nicht hilfreich“.

Direktzahlungen im Oktober überweisen

Stattdessen sollte sich der DBV dafür einsetzte, dass bereits im Oktober 80 Prozent der EU-Direktzahlungen überwiesen werden. Außerdem sollten die Greening-Auflagen ausgesetzt werden, um auf frei werdenden Flächen Futterpflanzen anbauen zu können. Wegen der schlechten Ernte sollte beim Nährstoffvergleich für dieses Jahr eine Sonderregelung gelten. Schließlich fordert der BVNON eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage und die Schaffung einer Mehrgefahrenversicherung.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Heiß Andreas
    Erstellt 6. August 2018 22:37 | Permanent-Link

    Servus;
    Die Landwirtschaft hat nur als eigener, selbständiger Wirtschaftszweig eine Zukunft und erhält dann die zugedachte Wertschätzung.
    Alle Ausgleichszahlungen jährlich linear um 10 % kürzen. Jeder hat Planungssicherheit und in 10 Jahren hat der Blödsinn ein Ende. Wir brauchen diese Büro-Kracke nicht. Abschaffung der landwirtschaftlichen Sozialversicherungen, damit die Landwirte auch an der Wohlstandentwicklung teilnehmen können.
    Die Bauernverbhände sind überholt.

stats