Kükenschreddern

Klöckner verspricht ein Ende

Nach der automatischen Geschlechtserkennung schlüfpen nur noch die für die Legehennenaufzucht benötigten weiblichen Küken.
az-Archiv, --
Nach der automatischen Geschlechtserkennung schlüfpen nur noch die für die Legehennenaufzucht benötigten weiblichen Küken.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) tut es ihrem Vorgänger gleich und verkündet, der Tötung von männlichen Küken ein Ende setzen zu wollen. Neue Technologie soll das Problem lösen. Nicht nur die Opposition bezweifelt das.

„Küken zu töten, weil sie das falsche Geschlecht haben, ist moralisch nicht hinnehmbar. Wir müssen das Töten männlicher Eintagsküken mit einer praxistauglichen Alternative schnellstmöglich beenden“, lies Klöckner (CDU) passend zu Ostern verlautbaren. Diese Praxis sei nicht mit dem Tierschutzgedanken und dem moralischen Anspruch Deutschlands vereinbar. In Zukunft soll man mittels einer neuen Technologie das Geschlecht bereits im Ei bestimmen können.

Ihr Parlamentskollege Friedrich Ostendorff (Bündnis 90/die Grünen) hatte jedoch deutliche Worte für diese Aussage parat: Die Ankündigung Klöckners sei ein „leeres Versprechen ohne Substanz“. Bereits Amtsvorgänger Christian Schmidt (CSU) hatte das Ende der Eintagsküken verkündet. Allerdings mit der Einschränkung, es müsse zuerst eine marktreife Technologie zur Geschlechtsbestimmung im Hühnerei geben. Diese ist allerdings noch nicht serienreif. Ostendorff forderte vor diesem Hintergrund ein „sofortiges Ende“ der Praxis des Kükenschredderns. Es dürfe nicht von „technischen Möglichkeiten der Zukunft abhängig gemacht werden“.

Die neue Technologie zur Geschlechtsbestimmung im Hühnerei wird an der TU Dresden erforscht. Bis Mitte 2017 wollte man die Technik zur Serienreife entwickelt haben. Doch im vergangenen Jahr stieg der Industriepartner aus. Nun gibt es Ärger wegen der Patente, so Steiner. Die Methodik funktioniere, doch bis zur induistriellen Reife sei es noch ein großer Schritt.



Kritiker aus der Industrie sehen in einem pauschalen Verbot jedoch auch keinen Sinn. Einziger Effekt wäre, dass die großen Eierproduzenten die männlichen Hühner in ein EU-Ausland transportieren würden, in denen das Schreddern noch erlaubt ist.

Während unklar ist, wie schnell die Technologie namens Ramanspektroskopie auf breiter Ebene verfügbar sein wird und wie es im Patentstreit weitergeht, ist eins absehbar: Auch mit Julia Klöckner wird das Kükenschreddern vorerst weitergehen.

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