Erderwärmung

Klimarat will Weltwirtschaft radikal umbauen


Nur ein halbes Grad Erderwärmung mehr und die Wahrscheinlichkeit von Extremwetter soll laut IPCC drastisch ansteigen.
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Nur ein halbes Grad Erderwärmung mehr und die Wahrscheinlichkeit von Extremwetter soll laut IPCC drastisch ansteigen.

Der IPCC will die Erderwärmung jetzt auf 1,5 °C begrenzen. Dazu müssten die Treibhausgas-Emissionen bis 2050 bei Null liegen. Energie liefern dann die Erneuerbaren.

Die Erderwärmung erfolgt schneller und mit schwereren Folgen als bisher angenommen. Zu diesem Schluss kommt der 400-seitige Sonderbericht des Weltklimarats IPCC. Das Anfang dieser Woche im südkoreanischen Incheon vorgestellte Papier malt drastische Unterschiede zwischen einer Erwärmung von "nur" 1,5 °C und einer von 2,0 °C auf. So würde beispielsweise der globale Meeresspiegel bis zum Ende dieses Jahrhunderts bei 2,0 °C Erwärmung um 10 cm mehr steigen als bei dem 1,5 °C-Szenario. Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Extremwetter mit Starkregen oder Dürre steigt bei 0,5 °C mehr Erwärmung um etwa 50 Prozent an, lauten die neuen Erkenntnisse.

Kohleanteil auf Null runterfahren

Um die 1,5 °C-Grenze einzuhalten, müsste laut IPCC-Bericht, den 195 Staaten in Auftrag gegeben haben, der weltweite Kohlendioxidausstoß in zwei Jahren seinen Höhepunkt erreicht haben und danach deutlich absinken. Bis 2050 müsste Treibhausgasneutralität herrschen. Die Wissenschaftler sprechen von "beispiellosen Veränderungen", um das zu erreichen. Sie betreffen die Energieerzeugung, den Verkehr, Landwirtschaft, Industrie und die städtische Infrastruktur. Um netto Null-Emission  herzustellen, soll die Energie beispielsweise bis 2050 zu mehr als 70 Prozent aus den erneuerbaren Energien stammen. Große, neu anzupflanzende Waldflächen (auch auf Kosten von Ackerland) und auch der Boden sollen als Kohlendioxidsenke fungieren. "Wir müssen den Abschied von Kohle, Öl und Gas hinbekommen", kommentiert Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) den Bericht.

Im Dezember tritt die Staatengemeinschaft im polnischen Kattowitz zusammen, um die nächsten Schritte im Klimaschutz zu beschließen. 
Ziel angezogen
Bis vor einiger Zeit waren viele Experten noch davon ausgegangen, bei einer Erwärmung um bis zu 2,0 °C würden die Folgen weitgehend kontrollierbar bleiben. Das spiegelte sich auch im Pariser Klimaabkommen. Dort hatte die Staatengemeinschaft im Jahr 2015 beschlossen, die globale Erwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu beschränken. Jetzt ist schon von 1,5 °C die Rede.


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