Die Mengen von Biodiesel und Bioethanol dürfen bis 2030 nicht mehr steigen. Die EU-Mitgliedstaaten und das Europaparlament einigen sich auf Regeln für erneuerbare Energie im kommenden Jahrzehnt. Sie setzen auf Elektromobilität und Biotreibstoffe der 2. Generation.

Bis 2030 soll der Anteil an erneuerbarer Energie im Transportsektor mindestens 14 Prozent betragen. Darauf verständigte man sich in Brüssel am frühen Donnerstagmorgen im Trilog. Allerdings sollen bei der Ausweitung von Alternativen zum Mineralöl Biokraftstoffe vom Acker keine größere Rolle spielen. Der Anteil von pflanzenbasierten Biokraftstoffen aus dem Jahr 2020 soll auch in den Jahren bis 2030 fortgeschrieben werden.

Die EU-Kommission hatte einen Höchstanteil von 3,8 Prozent vorgeschlagen. In Deutschland liegt er bei rund 5 Prozent. Vor allem die EU-Mitgliedstaaten hatten sich dafür eingesetzt, bestehende Investitionen in Biodiesel und Bioethanol zu schützen. Allerdings werden zukünftig Elektromobilität und Biotreibstoffe der 2. Generation deutlich stärker gefördert, so dass es für die konventionellen Biokraftstoffe unter dem 14 Prozent-Ziel eng werden könnte. Biokraftstoffe der 2. Generation werden doppelt angerechnet und sollen bis 2030 einen Mindestanteil von 3,5 Prozent haben. Der Stromverbrauch für Elektrofahrzeuge wird vierfach gerechnet, der Zugverkehr 1,5-fach, Flugzeuge und Schiffe mit alternativen Antriebsarten 1,2-fach. Für Speiseöle wird eine Obergrenze von 1,7 Prozent eingeführt. Palmöl soll ab 2019 vermindert werden und schrittweise bis 2030 auslaufen.

Kritik von Verbänden

Verschiedene Verbände äußerten im Tagesverlauf Kritik an dem heute getroffenen Kompromiss. Der Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) geht das Ergebnis zur Erneuerbaren-Richtlinie nicht weit genug. "Notwendig für eine ernstzunehmende Umsetzung des Pariser Klimaabkommens wäre ein Ausbauziel von 45 Prozent. Wir hoffen, dass das 2030-Ziel bei der geplanten Überprüfung in fünf Jahren deutlich nachgebessert wird“, sagt Florian Schöne, Generalsekretär des DNR. 

Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) sorgt sich um die Zukunft von herkömmlichem Biodiesel und Bioethanol aus Agrarrohstoffen. Dessen Absatz werde sich nach aktuellen Berechnungen bis 2030 halbieren, wenn der heute in Brüssel getroffenen Kompromiss umgesetzt werde. „Dies ist ein schlechter Tag für die Biokraftstoffindustrie, die europäische Landwirtschaft und den europäischen Klimaschutz“, sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer beim VDB. Damit werde auch die Nachfrage nach Agrarrohstoffen aus diesem Sektor einbrechen. „Durch die neue Regelung verlieren die deutschen und europäischen Landwirte eine wichtige Einnahmequelle. Im ländlichen Raum werden zudem Arbeitsplätze abgebaut“, sagte Baumann. 

 

 

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