EU-US-Handelsgespräche

Freie Fahrt für US-Biosprit


Verladung von US-Sojabohnen am Mississippi für den weiteren Handel. Die EU war in den letzten Monaten ein Großkunde.
USDA
Verladung von US-Sojabohnen am Mississippi für den weiteren Handel. Die EU war in den letzten Monaten ein Großkunde.

Die EU-Kommission akzeptiert Biokraftstoff aus US-Sojaöl vorläufig als nachhaltig. Ob dies den Anteil von Soja basiertem Kraftstoff erhöht, hängt von mehreren Faktoren ab.  

Bis 1. Juli 2021 dürfen US-Sojabohnen für Biodiesel in der EU verarbeitet werden.  Denn die EU-Kommission hat das US-Zertifizierungsprogramm zur Nachhaltigkeit, Soybean Sustainability Assurance Protocol (SSAP), das zum US Soy Export Council (USSEC) gehört, für die EU anerkannt. Das teilte die EU-Kommission jetzt mit. Über den Zeitraum hinaus machte Brüssel keine Angaben, da die neuen Regeln zur Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen im Zuge der Reform der Erneuerbare Energien Richtlinie  für den Zeitraum 2021 bis 2030 gerade in Bearbeitung sind. Eine Verlängerung der Regelung über diesen Zeitraum hinaus sei jedoch möglich, falls Biokraftstoff auf Basis von US-Sojabohnen den neuen Nachhaltigkeitskriterien entspricht, heißt es dazu.

Bislang wurde US-Soja in der EU vorwiegend als Futtermittel verwendet. Mit der Anerkennung der US-Nachhaltigkeitszertifizierung SSAP darf das Öl - Nebenprodukt aus der Sojaschrot-Produktion - im Biokraftstoffbereich Verwendung finden. Kenner des Biodieselmarkts rechnen bislang allerdings nicht mit einer Flut von Biodiesel aus US-Soja. Die Zulassung des Zertifizierungssystems werde sich zwar positiv auf die US-Exporte von Sojabohnen in die EU auswirken, sagte FO-Licht-Analyst Claus Keller der Nachrichtenagentur Reuters. Aber letztlich hänge die Dimension der Exporte auch davon ab, wie sich die Handelsgespräche zwischen den USA und China entwickeln.

Biokraftstoff-Hersteller geben sich gelassen

Der Verband der deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) in Berlin zeigte sich im Gespräch mit agrarzeitung.de ebenfalls nüchtern: „Der Sojaanteil in deutschem Biokraftstoff ist aktuell mit 5 Prozent relativ gering“, sagte ein VDB-Sprecher. Auch er verwies auf die Handelsgespräche zwischen den USA und China. Seien diese erfolgreich, würden sich auch die Warenströme am Sojamarkt wieder ändern. Aktuell erhebt China hohe Strafzölle auf US-Sojabohnenexporte. Deshalb hat auch der Sojahandel zwischen der EU und den USA an Schwung gewonnen.  Außerdem hängt der Rohstoffmix im EU-Biokraftstoff auch davon ab, welches Ergebnis das Anti-Subventionsverfahren der EU gegen Biodiesel aus Argentinien nimmt. Hier verhandelt die EU-Kommission aktuell dem Vernehmen nach über ein Vergleichsangebot der Argentinier, während die Hersteller Strafzölle anstreben, um die günstige, südamerikanische Konkurrenz auf Abstand zu halten.

Die Neuregelung ist als Zugeständnis in den Handelsgesprächen zwischen der EU-Kommission und der US-Regierung zu werten. Nach seinem Treffen mit Kommissionspräsident Jean Claude Juncker im Juli 2018 hatte Trump eingewilligt, vorerst auf Importzölle für EU-Pkw zu verzichten. Brüssel hatte im Gegenzug versprochen, den Import von US-Sojabohnen – seit dem Handelsdisput zwischen den USA und China ein Politikum in den Vereinigten Staaten – zu erhöhen. Nach Angaben der Kommission sind die Importe von US-Sojabohnen im Zeitraum Juli bis Dezember 2018 um 112 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode angezogen. Nach Angaben der Kommission importiert die EU jährlich rund 14 Mio. t Sojabohnen, die als Futtermittel und auch in der Sojamilch-Produktion Verwendung finden.

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