EuGH-Urteil

Forscher werben für neue Züchtungstechniken

Das us-amerikanische Landwirtschaftsministerium setzt sich für eine differenziertere Sicht bei neuen Züchtungstechniken (NBT) ein.
Foto: IPK
Das us-amerikanische Landwirtschaftsministerium setzt sich für eine differenziertere Sicht bei neuen Züchtungstechniken (NBT) ein.

Wissenschaftler sehen die innovative Forschung in Europa blockiert. Das GVO-Recht in der EU müsse neu gestaltet werden, so die Forderung. Orientierung könnte die amerikanische Klassifizierung als "Generally Recognised As Safe" (GRAS) bieten.

Neue Techniken wie gezielte Punktmutationen lassen Zuchtziele schneller und kostengünstiger erreichbar werden, hieß es heute auf einer Informationsveranstaltung in der Botschaft der USA in Berlin. Ihnen zugrunde liegen Methoden, wie sie in traditionellen Zuchtverfahren zur Anwendung kommen, erläuterte Prof. Andreas Weber. Der Sprecher des Forschungskreises "Cluster of Excellence on Plant Sciences" (Ceplas) verwies auf die bedeutendenden Vorteile der verschiedenen neuen Züchtungstechniken.

Forschung nur unter Glas erlaubt

Es sei in höchstem Maße bedauerlich, dass der Europäische Gerichtshof (EuGH) die mittels NBT (New Breeding Techniques) erzeugten Neuzüchtungen einer Zulassung nach der Freisetzungsrichtlinie für GVO 2001/18/EG unterworfen habe, erklärt Weber. Damit kann in Europa zwar unter Glas geforscht werden, der notwendige Schritt für den Anbau in der Natur ist jedoch verboten. 

Punktmutationen nicht nachweisbar

Als Beispiel für ein durch Punktmutation entstandenes Nahrungsmittel nannte Weber die Süßkartoffel. Diese werde heute selbst unter "Bio-Standards" angeboten, eine gezielte Züchtung auf derartige Eigenschaften sei jedoch ausgeschlossen. In den USA beispielsweise könne Forschung gezielt stattfinden. Aufgrund der Klassifizierung als "Generally Recognised As Safe (GRAS) dürften Produkte, die mit neuen Züchtungstechniken entstanden sind, auch vermarktet und damit exportiert werden. Punktmutationen seien ohnehin nicht nachweisbar. Es sei an der Zeit, das gesamte GVO-Recht in der EU neu zu gestalten, fordert Weber. Dazu müsse auch eine eigene Regulierung für die NBT gefunden werden. Das bestehende Recht behindere insbesondere kleine und mittlere Unternehmen, die mit innovativen Methoden erfolgreich arbeiten könnten. Die NBT böten eine Vielzahl von Ansätzen, den Ansprüchen an eine moderne Produktion pflanzlicher Erzeugnisse gerecht zu werden.
Auf Werbetour
Auf Initative des US-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums wird derzeit in Europa in verschiedenen Veranstaltungen über die Herausforderungen der NBT  informiert und diskutiert. Nach Budapest, Wien und heute in Berlin soll die nächste in Prag in der Tschechischen Republik stattfinden.

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