Evaluierungsbericht

Weniger Antibiotika in der Tierhaltung


Wenngleich in der Tierhaltung insgesamt weniger Antibiotika eingesetzt werden, besteht bei Geflügel großer Handlungsbedarf. Das geht aus einem heute veröffentlichten Bericht des BMEL hervor.

Während der Antibiotikaeinsatz in der deutschen Schweinehaltung und bei Mastrindern in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt werden konnte, besteht bei Geflügel weiterhin ein großer Handlungsbedarf, insbesondere bei den Reserveantibiotika. Das geht aus dem Evaluierungsbericht des Bundeslandwirtschaftsministeriums hervor, den das Bundeskabinett heute beschlossen hat.

Demnach sank die Gesamtverbrauchsmenge für alle sechs untersuchten Nutztierarten zwischen der zweiten Jahreshälfte 2014 und dem zweiten Halbjahr 2017 um 31,6 Prozent auf 203,9 t. Der Antibiotikaverbrauch bei Mastschweinen ging im Berichtszeitraum um gut 43 Prozent auf 65,2 t zurück. Bei Mastferkeln wurde im gleichen Zeitraum ein Rückgang von 46 Prozent auf 47,2 t verzeichnet. Deutlich war die Reduzierung bei Mastrindern. Hier ging der Verbrauch um 76 Prozent zurück, allerdings auf einem ohnehin geringen Niveau von zuletzt 0,4 t. Bei Kälbern für die Mast wurden im zweiten Halbjahr 2017 insgesamt 25,0 t solcher Wirkstoffe verbraucht. Im Vergleichszeitraum ging der Einsatz damit um 1,0 Prozent zurück.

Großer Handlungsbedarf bei Mastputen und -hähnchen

Weniger erfreulich waren die nur geringen Reduzierungen bei der Haltung von Mastputen. Laut dem Bericht wurde bei dieser Tierart in der gleichen Zeitspanne eine nur vergleichsweise geringe Senkung um 3,8 Prozent auf 36,7 t erreicht. Bei Masthühnern bewegte sich der Antibiotikaeinsatz mit 29,5 t zuletzt sogar nur unwesentlich unter dem Wert vom zweiten Halbjahr 2014. Wie aus dem Evaluierungsbericht weiter hervorgeht, lag der Anteil der auch für die Humanmedizin wichtigen „kritischen“ Wirkstoffklassen bei Mastferkeln, Mastschweinen, Mastkälbern und Mastrindern im Berichtszeitraum bei jeweils weniger als 10 Prozent. In der Puten- und Hähnchenmast lag der Anteil der als Reserveantibiotika bezeichneten Mittel bei fast 40 Prozent der jeweils ermittelten Verbrauchsmenge.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner lobte zwar die deutliche Senkung des Antibiotikaverbrauchs, bezeichnete aber den hohen Anteil an Reserveantibiotika im Geflügelbereich als „nicht akzeptabel“. Sie sehe hier dringenden Handlungsbedarf und erwarte auch von der Branche selbst „konkrete Vorschläge und Aktivitäten, um für eine dauerhafte Verbesserung der Situation in ihren Betrieben zu sorgen“. Andernfalls werde der Bund gesetzgeberisch tätig werden, so die Warnung der Ministerin.

DBV spricht von sichtbarer Reduktion

Durch den heute veröffnetlichten Bericht sieht sich der Deutsche Bauernverband (DBV) bestätigt, der seit Jahren sichtbare Reduktion des Antibiotikaeinsatzes in der Nutztierhaltung sieht. „Damit wird erneut deutlich, dass die Tierhalter gewissenhaft und verantwortungsbewusst mit Antibiotika umgehen“, so DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken, „Die Landwirte haben die Herausforderung der Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen angenommen und den Einsatz von Antibiotika deutlich reduziert. Hierzu hat vor allem die Vorreiterrolle des Antibiotikamonitorings im QS-System seinen Beitrag geleistet.“

Auch der Präsident des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte (bpt), Dr. Siegfried Moder, zeigte sich mit dem Evaluierungsergebnis sehr zufrieden. Auswirkungen auf Keime in der Lebensmittelkette könnten derzeit aber noch nicht erwartet werden, da sich diese nur zeitverzögert einstellen. Hier müsse man einen Zeitraum von fünf Jahren ansetzen.

 

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats