Feinstaubbelastung

DBV kritisiert Wissenschaftler des MPI


Das Ammoniak aus der Gülle reagiert mit anderen Stoffen in der Atmosphäre zu Feinstaubpartikeln, so die Wissenschaftler.
Bild: Pixabay / Myriams-Fotos
Das Ammoniak aus der Gülle reagiert mit anderen Stoffen in der Atmosphäre zu Feinstaubpartikeln, so die Wissenschaftler.

Die Kritik des DBV an Ergebnissen einer bisher unveröffentlichten Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz reißt nicht ab. Sowohl mediale Verwertung als auch fehlender wissenschaftlicher Anspruch stoßen dem Verband sauer auf.

Zum einen bezeichnet der DBV die Hochrechnungen der Autoren als "spekulativ" und "hochgradig unseriös". Zum anderen kritisiert der DBV die mediale Verwertung der "unfertigen" Studie. Diese ziele lediglich auf Effekthascherei und unterlaufe wissenschaftliche Standards, sagt DBV-Präsident Joachim Rukwied. Die Studie habe "noch nicht einmal" das wissenschaftliche Review-Verfahren durchlaufen, so Rukwied weiter.

Hintergrund der Kritik des DBV ist eine bisher unveröffentlichte Studie des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie, die die Landwirtschaft als Hauptverursacher von Feinstaub-Emissionen nennt und für 45 Prozent von insgesamt 120.000 Todesfällen durch Feinstaub verantwortlich macht. Ergebnisse der Studie waren vergangene Woche durch die ARD-Sendung „Monitor“ bekannt geworden. Der Leiter der Studie Prof. Jos Lelieveld hatte für „Monitor“ im Rahmen eines Interviews aus der bisher unveröffentlichten Studie zitiert.

Branche zweifelt an Modellrechnungen

Der Zusammenhang zwischen Feinstaub und vorzeitigen Todesfällen beruhe auf Modellrechnungen, die in der Branche auf erhebliche Zweifel stießen, kritisiert der DBV. Darüber hinaus entstehe der Eindruck monokausaler Zusammenhänge zwischen Feinstaub und vorzeitigen Todesfällen. Rückschlüsse auf direkte Todesfälle seien weder möglich, noch zulässig. Zudem existierten keine gesicherten wissenschaftlichen Aussagen zum Umfang, in dem Ammoniak zur so genannten sekundären Feinstaubbildung beiträgt. Ohnehin sei diese von regionalen Bedingungen und Bindungspartnern in der Luft abhängig. 
Nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) sei die Landwirtschaft für rund 12 Prozent der direkten Feinstaub-Emissionen (PM2,5 und PM10), beispielsweise durch Bodenbearbeitung und Ernte, verantwortlich. Die Ammoniak-Emissionen aus der Landwirtschaft, aus denen sich indirekt Feinstaub bilden kann, konnten seit 1990 bereits um 11 Prozent reduziert werden, so der DBV weiter. Nach Prognosen werde das auf europäischer Ebene für das Jahr 2020 für Deutschland vorgesehene Reduktionsziel für Ammoniak in Höhe von 5 Prozent gegenüber 2005 mit den Regelungen des neuen Düngerechts erreicht. 

Studienleiter fordert striktere Grenzwerte für Ammoniak

Das MPI für Chemie in Mainz will die Studie auf Nachfrage von agrarzeitung.de vor einer Veröffentlichung nicht herausgeben. Bereits in der Vergangenheit hatte der Leiter der Studie Prof. Lelieveld striktere Grenzwerte für Ammoniak in Nordamerika und Europa gefordert, um die Feinstaubkonzentrationen "effektiv zu reduzieren". Maßnahmen zur Reduktion von Schwefeldioxid und Stickoxiden seien für die Luftreinhaltung zwar entscheidend, sollten aber durch die Minderung von Ammonium aus der Landwirtschaft, die sich relativ einfach umsetzen lasse, ergänzt werden, so Lelieveld weiter.
Wissenschaftlern zufolge entweicht Ammoniak durch die Zersetzung von Gülle und durch die Düngung von Nutzpflanzen in die Atmosphäre und reagiert dort mit anderen anorganischen Stoffen, wie Schwefel- und Salpetersäure zu Ammoniumsulfat und Nitratsalzen. Hieraus wiederum entstünden Feinstaubpartikel.


 

 

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