Ferkelkastration

Bauernverband sorgt sich um die Zukunft bayerischer Sauenhalter


Foto: Pixabay

Die Aufregung bei den bayerischen Schweinehaltern ist groß. Der Agrarausschuss des Bundesrates hatte am 3. September Anträge mehrerer Bundesländer, darunter auch Bayern, zur Fristenverlängerung bei der Ferkelkastration abgelehnt. Nun hoffen die Schweinehalter auf eine letzte Chance.

Am kommenden Freitag berät der Bundesrat womöglich noch einmal über eine Verlängerung der Frist für eine betäubungslose chirurgische Kastration männlicher Ferkel. Für die bayerischen Sauenhalter steht viel auf dem Spiel, denn bislang fehlen praxisreife Methoden zur Umsetzung. Der Bayerische Bauernverband (BBV) setzt sich für die Kastration unter lokaler Betäubung ein – doch der Weg zu dieser Methode ist in Deutschland bislang versperrt.

Humanmediziner sehen kein Problem

Während eines Fachgesprächs in München erhielt die bäuerliche Berufsvertretung Unterstützung von Seiten der Humanmedizin. So bestätigte der Chef für Chirurgie am Klinikum Rechts der Isar in München, Prof. Helmut Friess die lokale Betäubung als Mittel der Wahl. „In der operativen Humanmedizin stellt die Lokalanästhesie ein weit verbreitetes Verfahren dar, das mit nachhaltigem Erfolg täglich tausendfach angewendet wird. Die Lokalanästhesie ist einfach, effizient, sicher und nahezu nebenwirkungsfrei. Aus der Humanmedizin lassen sich ganz klare und eindeutige Argumente für einen Einsatz der Lokalanästhesie als überaus effizientes Verfahren zur kompletten Schmerzausschaltung auch bei der Ferkelkastration ableiten“, versicherte Friess.

Ähnlich wie beim Zahnarzt

Auch Dr. Anreas Randt, Geschäftsführer und tierärztlicher Leiter des Tiergesundheitsdienstes Bayern, bewertet die lokale Betäubung aus Sicht des Tierarztes als besten Weg für die tierschutzgerechte Kastration. „Die örtliche Betäubung bietet eine Reihe von Vorteilen. Ähnlich wie mit der Spritze beim Zahnarzt wird gezielt nur der Bereich betäubt, in dem auch der Eingriff erfolgt.“

BBV-Präsident Walter Heidl versteht deshalb nicht, warum diese Methode in Deutschland keine Chance bekommt. In Nachbarländern wie Schweden und Dänemark werde sie als tierschutzgerecht anerkannt und praktiziert. Heidl verlangt nachdrücklich von der Politik eine Verlängerung der Frist für eine betäubungslose chirurgische Kastration männlicher Ferkel. Er fürchtet bei einer Ablehnung der Fristverlängerung das Aus für die bayerischen Sauenhalter. „Mangels Zulässigkeit eines praktikablen Verfahrens wären bayerische Ferkelerzeuger gezwungen, die Ferkelerzeugung aufzugeben. 

Bärendienst für den Tierschutz

Gleichzeitig würden dann Ferkel insbesondere aus Dänemark quer durch Deutschland rund 1000 km nach Bayern transportiert, um hier gemästet zu werden. Dabei werden die Ferkel in Dänemark unter lokaler Betäubung kastriert, also genau der Weg, den die Bauern sich auch bei uns wünschen. Das wäre ein Bärendienst für den Tierschutz. Es ist drei vor 12 sowohl für den Tierschutz als auch für die regionale Schweinefleischerzeugung. Ohne bayerische Ferkel wird es auch kein bayerisches Schweinefleisch geben. Dieses Szenario gilt es unbedingt zu vermeiden, gerade vor dem Hintergrund, dass viele Verbraucher regionale Lebensmittel wieder besonders wertschätzen und suchen“, so Heidl. Bereits seit Jahren sei die Produktion von bayerischem Schweinefleisch rückläufig. Dieser Trend mit dem entsprechenden Strukturwandel auch in den nachgelagerten Stufen dürfte sich verstärken. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes ist die Zahl der Ferkel im Freistaat in den letzten Jahren rückläufig und sank allein von Mai 2018 zu Mai 2017 um 5,5 Prozent auf 876.300 Tiere. Noch stärker nahm der Bestand der Zuchtsauen ab: minus 7 Prozent auf 225.400 Tiere. Auch die Anzahl der in Bayern gehaltenen Mastschweine war von Mai 2018 zu Mai 2017 mit -1,2 Prozent leicht rückläufig.

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