Ferkelkastration

Scharfe Kritik an Isofluran-Verordnung


Die Isofluran-Narkose gehört nicht in die Hände von Landwirten, meint die Tierärztin Kirstin Tackmann.
Foto: Die Linke
Die Isofluran-Narkose gehört nicht in die Hände von Landwirten, meint die Tierärztin Kirstin Tackmann.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium will Landwirten die Möglichkeit für die Narkose von Ferkeln mit dem Gas Isofluran schaffen. Das Vorgehen kritisiert die Tierärztin und agrarpolitische Sprecherin der Linken, Dr. Kirsten Tackmann, heftig.

„Die Isofluran-Narkose in die Hand tierärztlicher Laien zu geben ist ein Offenbarungseid des Bundesagrarministeriums in Sachen Tierschutz", äußert Tackmann. Dies auch noch als Erfolg für die konsequente und schnelle Verfolgung des Endes der betäubungslosen Ferkelkastration zu verkaufen sei zynisch. Das BMEL hatte in dieser Woche angekündigt, über eine Verordnung den Weg für die Isofluran-Narkose durch Landwirte zu ermöglichen. 

Statt die Weichen zukunftsweisend und verlässlich auf den vollständigen Ausstieg aus der chirurgischen Kastration zu stellen, werde mit einem teuren, rechtsunsicheren und fachlich fragwürdigen Weg der Schmerz der männlichen Ferkel ohne Not weiter verlängert, so Tackmann. Dies sei inakzeptabel. Die Durchführung einer Narkose bei der chirurgischen Kastration der männlichen Ferkel inklusive Vor- und Nachsorge, der notwendigen schmerzausschaltenden Vorbehandlung und die Reaktion auf Narkosezwischenfälle sei ein komplexer Vorgang, der eine tierärztliche Ausbildung erfordere. Ein Sachkundenachweis für tierärztliche Laien sichere nach ihrer Überzeugung keinen Tierschutz, schon gar nicht im Routinebetrieb großer Bestände. So bleibe auch die Frage nach einer wirksamen Kontrolle unbeantwortet.

Mit der Jungebermast und der Immunokastration stünden nach Aussage von Tackmann zwei verlässliche und dazu noch wirtschaftlichere Methoden zur Verfügung, mit denen ganz auf eine chirurgische Kastration der Ferkel verzichtet werden könne. Die Isofluran-Narkose dagegen bezeichnet sie als Scheinlösung. Sie böte die einfachste Lösung lediglich für die Schlacht- und Handelskonzerne zu Lasten der Ferkelerzeuger.

Damit nehme das BMEL die Blockade der Ebermast und Immunokastration billigend in Kauf. Die eigene Ressortforschung des BMEL habe mehrfach gut begründet, dass mit diesen Methoden sogar der vollständige Ausstieg aus der chirurgischen Ferkelkastration möglich werde. Mit der neuen Verordnung jedoch gehe es mit Vollgas in die Sackgasse der chirurgischen Ferkelkastration, kritisiert die Parlamentarierin. 

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