Ferkelkastration

Schweinehalter bekommen zwei Jahre Fristverlängerung


Das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration ist vermutlich vom Tisch.
Foto: schweine.net
Das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration ist vermutlich vom Tisch.

Schweinehalter in Deutschland atmen auf. Die Regierungskoalition beschließt eine Fristverlängerung beim Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration.

In den Koalitionsgesprächen zwischen CDU/CSU und SPD wurde heute Nacht eine Entscheidung beim Thema Ferkelkastration gefällt. Der Nachrichtensender n-tv zitiert CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, der erklärte, dass eine entsprechende Vereinbarung für eine Verschiebung getroffen worden sei. Demzufolge soll noch in diesem Jahr die Übergangsfrist bis zum Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration um zwei Jahre verlängert werden.

Damit ist das eigentlich ab 1. Januar 2019 geltende Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln wohl vom Tisch. Die Koalitionsfraktionen sollen jetzt im Bundestag kurzfristig eine Initiative auf den Weg bringen. Dobrindt sagte, mit dem Kompromiss sei nun auch in Zukunft Ferkelzucht in Deutschland möglich.

Erste Reaktionen: Von "Schmutziger Deal" bis Erleichterung

Mit Erleichterung reagiert der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) auf den Beschluss. "Wir freuen uns sehr, dass die Große Koalition die Notwendigkeit zum Handeln erkannt hat", äußert DRV-Präsident Franz-Josef Holzenkamp. Die geplante Verlängerung sei jedoch lediglich ein Hoffnungszeichen für die Fleischwirtschaft. Die extrem schädliche Hängepartie, in der sich der gesamte Sektor befinde, ende damit nicht. Der Sektor müsse die gewonnene Zeit für die Entwicklung des sogenannten "Viertes Weges", der Lokalanästhesie durch den Landwirt, nutzen.

Auf Kritik dagegen stößt der Beschluss in der Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen. Deren Agrarpolitischer Sprecher Friedrich Ostendorff bezeichnet ihn als "schmutzigen Deal". Der minimalste Tierschutz, den Ferkeln eine Betäubung zu gewähren, werde dem Wahlkampf in Bayern geopfert, lautet seine Position. Auch sei es skandalös, dass die zuständige Agrarministerin Julia Klöckner "nicht den Mumm" gezeigt habe, sich in dieser Frage zu positionieren. 

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