Der Bauernverband wirft dem Umweltministerium in Rheinland-Pfalz eine Blockadehaltung bei der Lokalanästhesie, dem sogenannten vierten Weg, vor. Doch das Umweltministerium findet eine andere Erklärung für die eigene Zurückhaltung.

Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd (BWV) äußerte heute in einer Mitteilung Entsetzen über Aussagen des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums zur Debatte um die Ferkelkastration. Der Bauernverband bezieht sich auf einen Bericht des SWR, in dem der Staatssekretär des Umweltministeriums Dr. Thomas Griese sich zur Lokalänasthesie, dem sogenannten 4. Weg, äußert. Griese räumt der Lokalanästhesie wenig bis gar keine Chancen als zukunftsnahe Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration, die ab 2019 verboten ist, ein. Der Bauernverband bezeichnet dies als "Blockadehaltung", vor allem weil das Verfahren sowohl in Norwegen als auch in Schweden und Dänemark erfolgreich zur Anwendung komme.
Das Umweltministerium teilt heute allerdings mit, dass dies schon an der Zulassung der Medikamente für eine Lokalanästhesie scheitere. Denn für den 4. Weg sei kein dafür zugelassenes Tierarzneimittel auf dem deutschen Markt erhältlich und auch keine Zulassung absehbar. Für die Zulassung sei ohnehin der Bund zuständig. Zudem würden auch Tierärzte Bedenken erheben, sagte Umweltministerin Ulrike Höfken.

Zulassung der Lokalanästhesie gefordert

Der Bauernverband fordert, die Landesregierung solle sich auf Bundesebene für die Zulassung der Lokalanästhesie einsetzen und wenn erforderlich auch für die Verschiebung des Ausstiegstermins aus der betäubungslosen Ferkelkastration. Ansonsten müsse man aufgrund mangelnder Alternativen um die Existenz von Landwirten fürchten.

Umweltministerin Ulrike Höfken betont allerdings, es gebe Alternativen. Sie favorisiert die Immunokastration als Alternative, um Ebergeruch zu vermeiden. Bereits seit 2009 sei ein Impfstoff gegen den Ebergeruch in Deutschland zugelassen, der die Kastration der Ferkel ersetzen könne. Daneben gebe es Verfahren zur Kastration unter Betäubung, die in Deutschland auch zugelassen seien, führte die Ministerin an. Darüber hinaus wisse die Branche bereits seit mehr als fünf Jahren über den Ausstiegstermin zur betäubungslosen Ferkelkastration Bescheid. Die vergangenen Jahre hätte der Bauern- und Winzerverband besser nutzen können, um tierschutzkonforme Lösungen in Rheinland-Pfalz vorzubereiten, so Höfkens Kritik.

Aus Sicht des Bauernverband hat die Immunokastration jedoch keine Chance, da sowohl der Lebensmitteleinzelhandel als auch die Metzger diese Methode bereits abgelehnt hätten. Die Vermarktung der so behandelten Tiere sei damit ausgeschlossen.

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