Ferkelkastration

Tierärzte empfehlen Ebergeruch-Impfung


Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) sieht in der Impfung gegen den Ebergeruch eine tierschutzkonforme Alternative zur betäubungslosen Kastration von Ferkeln. Obwohl der Status quo nicht haltbar sei, sprachen sich die Veterinäre gegen die Lokalanästhesie aus.

In einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) kritisiert der Vorsitzende der TVT, Prof. Dr. Thomas Blaha, die Ablehnung der Immunokastration von Seiten der Ferkelerzeuger, Fleischverarbeiter und Lebensmittelhändler. Statt auf ein Impfverfahren zu setzen, versuche man, eine Fristverlängerung für die betäubungslose Kastration von Ferkeln zu erreichen.

Seit der Düsseldorfer Erklärung im Jahr 2008 wird in Deutschland über den Ausstieg aus dieser Methode gerungen. Zum 1. Januar 2019 dürfen Ferkel dann nur noch unter Betäubung kastriert werden. Mit der Herriedener Erklärung im März 2017 brachte die Vieh- und Fleischwirtschaft eine neue Alternative ins Spiel: die Lokalanästhesie. Sie soll als sogenannter „vierter Weg“ ermöglicht werden.

Ferkelkastration Landwirte fordern Lösungen

Das lehnt die TVT aus Tierschutzgründen ab und warnt vor einem politischen „Durchdrücken“. „Aus der Sicht des Tierschutzes ist weder die Fristverlängerung noch der vierte Weg eine akzeptable Option“, schreibt Blaha. Dagegen spreche, dass es kein zugelassenes Medikament für eine örtliche Betäubung gibt und der Schmerz nicht ausgeschaltet, sondern nur gemildert wird.

Blaha geht davon aus, dass zukünftig eine große Anzahl unzureichend betäubter Ferkel kastriert wird. Das sei ein schwerer Verstoß gegen das Tierschutzrecht. Es sieht außerdem die ethische Verpflichtung vor, schonend mit Mitgeschöpfen umzugehen.

Auswirkungen sieht Blaha auch auf die Landwirtschaft: „Videos davon werden von Tierschutzorganisationen sicherlich nach kurzer Zeit veröffentlicht. Das wird, neben den rechtlichen Konsequenzen, zu einem weiteren, begründeten Imageverlust des Schweinefleischs führen und damit nicht nur die Landwirte, sondern auch die Verarbeiter und den Einzelhandel hart treffen.“

In dem offenen Brief bittet die TVT die Landwirtschaftsministerin, einer Zulassung der Lokalanästhesie und einer Fristverlängerung zu widerstehen. Stattdessen solle sich Klöckner für die Impfung einsetzen und die politischen Rahmenbedingungen dafür schaffen.

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