Ferkelkastration

Vierter Weg noch nicht vom Tisch

Rund 2500 Sauenhalter demonstrieren in Bad Sassendorf.
Foto: da
Rund 2500 Sauenhalter demonstrieren in Bad Sassendorf.

Zur Agrarministerkonferenz in Bad Sassendorf kommen am Donnerstag rund 2.500 Landwirte und bringen ihren Unmut über die Unfähigkeit der Agrapolitiker zum Ausdruck. Beim Verbändegespräch mit den Agrarpolitikern von Bund und Ländern soll ein Ausweg aus dem Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration gefunden werden.

„Ich weiß nicht wie es weitergehen soll“, sagt ein Sauenhalter im Gespräch mit agrarzeitung.de. Seit 5 Uhr morgens hat er sich im Bus mit seinen Berufskollegen aus dem Rheinland ins westfälische Bad Sassendorf aufgemacht. Der Rheinische und der westfälisch lippische Bauernverband hatten zu einer Großdemonstration zur gleichzeitig tagenden Herbstkonferenz der Agrarminister von Bund und Länder in Bad Sassendorf aufgerufen.

Die Sauenhalter sind sich einig: Das Verbot der betäubungslosen Kastration darf noch nicht am 1. Januar 2019 in Kraft treten. „Wir wollen Alternativen zur Umsetzung der betäubungslosen Ferkelkastration, doch diese seien noch nicht praxisreif“, sagt Bernhard Schlindwein, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer vom WLV.

Insgesamt stehen den Sauenhaltern vier Maßnahmen zur Verfügung, um die Ferkel  künftig Tierschutzgesetz konform zu kastrieren. Die Ebermast sehen Sauenhalter auf der Demonstration skeptisch. Die Vermarktung sei schwierig, weil die Verbraucher kein stinkendes Kotlett haben wollen. Ferner sei der Markt für Eberfleisch gesättigt. Für eine Kastration mit Betäubung fehle es schlichtweg an Tierärtzen, die den Eingriff vornehmen müssen. Auch sei gar nicht so viel Wirkstoff des Narkotikums vorrätig, heißt es in Bad Sassendorf. Die Narkose wirke bis zu 5 Stunden. Damit steige der Verlust von Ferkeln. Sie wären taumelig und würden von der Sau erdrückt oder würden, weil sie zu lange keine Muttermilch bekommen, verkümmern.

Die Immunokastration findet keine Akzeptanz beim Lebensmitteleinzelhandel, da die Verbraucher einen Eingriff in den Hormonhaushalt der Tiere ablehnen. Bleibt also der vierte Weg, wie es in Dänemark längst erlaubt und erprobt ist. Sauenhalter können in Dänemark mit Lokalanästhesie die Ferkel selbst kastrieren. Dazu gibt es aber derzeit keine Mehrheit in der Politik.

Hoffnungen haben die Demonstranten in Bad Sassendorf nun, dass beim Verbändegespräch mit den Agrarministerin, eine Lösung für die betäubungslose Ferkelkastration gefunden wird. Ein Ausweg könnte nach dem Aus im Bundesrat, der Bundestag sein, der eine Fristverlängerung beschließen könnte. „Wir brauchen jetzt den Koaltionspartner SPD auf unserer Seite, heißt es beim WLV. Dann könnte die Bundesregierung den Entschluss fassen, eine Fristverlängerung über den 1. Januar 2019 hinaus, zu beschließen. Anschließend müsste eine Änderung des Tierschutzgesetzes mit dem Ziel der Lokalanästhesie im Bundestag beraten werden.   

Ferkelkastration : Aufgebrachte Stimmung in Bad Sassendorf


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