Ferkelkastration

Vion: Fristverlängerung ist notwendig

Die Diskussion um die Ferkelerzeuger in Deutschland gewinnt an Fahrt.
Foto: aitoff/Pixabay
Die Diskussion um die Ferkelerzeuger in Deutschland gewinnt an Fahrt.

In die Diskussion um den Entfall der betäubungslosen Ferkelkastration schaltet sich nun auch der Fleischvermarkter Vion ein. Das Unternehmen plädiert für eine verlängerte Übergangsfrist.

Der zweitgrößte Fleischverarbeiter sieht eine dramatische Entwicklung auf Ferkelerzeuger, Mäster und fleischverarbeitende Industrie zukommen, sollte sich der Bundesrat in seiner Sitzung am 21. September 2018 gegen eine Verlängerung der Übergangsfrist entscheiden. "In der Ferkelerzeugung droht dann ein Strukturbruch", so der Direktor Landwirtschaft bei Vion, Dr. Heinz Schweer. Die Fleischvermarktung werde dann noch komplexer und unübersichtlicher. Trotz aller Bemühungen der Land- und Fleischwirtschaft sei es bis heute nicht gelungen, für die Schweinehalter in Deutschland ein praktikables Verfahren zu entwickeln. "Wir brauchen mehr Zeit", sagt Schweer. 

Nach Bewertung des Unternehmens reichen die von der Bundesregierung als Ersatz für die betäubungslose Kastration zugelassenen Verfahren nicht aus oder seien nicht umsetzbar. Die Immunokastration sei zwar rechtlich zulässig und werde von Tierärzten favorisiert. Doch finde nach Einschätzung von Vion Fleisch von geimpften Ebern bei nationalen und internationalen Kunden keine Akzeptanz. Auch Eberfleisch selbst könne nur in sehr begrenztem Umfang im In- und Ausland abgesetzt werden, dessen Anteil umfasse höchstens 10 Prozent der inländischen Erzeugung. Das dritte Verfahren der Vollnarkose der Tiere mit dem Wirkstoff Isofluran sei bis heute arzneimittelrechtlich nicht zugelassen. Entscheidend dabei sei jedoch, dass es nicht genügend Nutztierärzte gebe, die dieses von ihnen durchzuführende Verfahren in die Praxis umsetzen könnten.

Daher bleibe aus Sicht des Unternehmens nur der sogenannte "Vierte Weg" der lokalen Betäubung vor dem Eingriff. Dieser sei in Dänemark und Schweden in Hand des Landwirts zugelassen. Die Prüfung, ob dieses Verfahren den deutschen gesetzlichen Anforderungen entspreche, laufe derzeit, heißt es von Vion. Ebenso die Zulassung geeigneter Medikamente. In gleicher Weise wie Vion hatte sich auch der größte Fleischverarbeiter in Deutschland, die Tönnies-Gruppe in Rheda-Wiedenbrück, für eine Verlängerung der Übergangsfrist sowie die Zulassung des "Vierten Weges" ausgesprochen. 


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