Ferkelkastration

Wissenschaft favorisiert die Immunokastration


Gemeinsam mit Vertretern aus Einzelhandel, Verbraucherschutz und Ferkelerzeugern suchte Minsterin Ulrike Höfken nach Lösungen.
Bild: MUEEF
Gemeinsam mit Vertretern aus Einzelhandel, Verbraucherschutz und Ferkelerzeugern suchte Minsterin Ulrike Höfken nach Lösungen.

In Rheinland-Pfalz haben Fachleute über die Zukunft der Ferkelkastration beraten. Die Vorteile für die Immunokastration überwiegen. Einzig die Verarbeiter sperren sich.

Die Umweltministerin für Rheinland-Pfalz, Ulrike Höfken, lud zu einer Expertenrunde zum Thema Ferkelkastration und Tierschutz ein. Im Ministerium in Mainz trafen sich Fachleute aus Wissenschaft und Industrie, um nach einer Lösung für das Bundesland zu suchen. Nach dem 1. Januar 2019 hat die Branche eine zweijährige Galgenfrist, um zu entscheiden, welche Praxis nach der betäubungslosen Kastration folgen kann.

Die Ebermast ist anspruchsvoll, aufwendig und hat bestimmte Probleme wie einen Anteil von sogenannten Stinkern und Penisbissen, erklärte Dr. Ulrike Weiler von der Universität Hohenheim. Dazu kommt, dass manche Verbraucher sich weigern, Fleisch von unkastrierten Tieren anzunehmen. Sie wollen so verhindern, dass Fleisch von "Stinkern" verarbeitet wird. Zwar wird Eberfleisch in Schlachthäusern mit einer menschlichen Nase getestet, doch auch die ist nicht perfekt. Hoffnung macht ein Gerät aus Dänemark. Mittels Sensoren kann es die verantwortlichen Stoffe Androstenon und Skaltol nachweisen. Das Verfahren kostet einen Euro pro getestetem Tier. Aufgrund der Strukturen in Rheinland Pfalz ist die Ebermast jedoch keine Option.

Teils sehr kritisch sahen die Experten die Narkose mit dem Narkotikum Isofluran. Das hochgradig klimaaktive Gas betäubt Ferkel zwar, sorgt aber nicht für die geforderte Schmerzausschaltung, die erfolgt erst durch ein anderes Medikament. Darüber hinaus führt es zu Atemdepression, weshalb die Ferkel eigentlich bis zum Wiedererwachen von Tierärzten überwacht werden müssten. Nur so könnten die bis zu acht Tage alten Tiere im Bedarfsfall reanimiert werden, erklärt Tierarzt Dr. Josef Kühling.

Isoflurangeräte derzeit nicht marktfähig

Problematisch sei jedoch das entsprechende Gerät zur Isoflurannarkose. Der Hersteller sitzt in der Schweiz und hat in Rheinland-Pfalz keine Vertreter oder Kundendienst. Aktuell seien die Geräte noch sehr störungsanfällig. Grundsätzlich wären Landwirte in der Lage, mit einem funktionierenden Gerät selbst zu kastrieren. „Es darf halt nichts schief gehen“, sagt Kühling. Darauf fragte ein junger Ferkelzüchter, ob er in einem dreitägigen Kurs wirklich lernen könne, was Veterinärstudenten in einem Semester Anästhesie vermittelt werden würde.
Als überlegene Lösung stellte sich die Immunokastration dar. Landwirt Christian Hain schilderte seine Erfahrungen als durchweg positiv. Von rund viertausend Schweinen, die er mit Improvac behandelt habe, habe lediglich bei dreien das Verfahren nicht gewirkt. Aus Tierschutzsicht sei das Verfahren das beste zur Auswahl stehende Verfahren.

Stimmen aus den Bauernverbänden verunglimpfen die Immunokastration jedoch als Hormonfleisch. Metzger, die sich weigern, unkastriertes Fleisch zu akzeptieren, stellen ein weiteres Hindernis dar. Auch werden immer wieder Rufe nach dem Vierten Weg, der Kastration mittels Lokalanästhesie, laut. Dem wurde von Seiten des Ministeriums eine klare Absage erteilt. Aktuell gäbe es keine rechtliche oder praktische Grundlage für den vierten Weg. Ebenso deutlich erteilte Höfken der Befürchtung von Landwirten eine Absage, dass Ferkel dann aus Ländern mit schlechteren Tierschutzstandards importiert werden würden, wenn inländische Produzenten aufgeben würden. Solche Ferkel werden im Tierwohllabel entsprechend schlechter bewertet.

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