Fleisch

Berlin lehnt Pflicht zur Haltungskennzeichnung ab

Wie sieht es im Stall aus? Der verpflichtenden Haltungskennzeichnung hat die Bundesregierung eine Absage erteilt.
Hans Udry / pixelio.de
Wie sieht es im Stall aus? Der verpflichtenden Haltungskennzeichnung hat die Bundesregierung eine Absage erteilt.

Fleisch ist kein Ei. Der Aufwand, Haltungsformen zu definieren und zu kontrollieren sei zu hoch. Deshalb erteilt die Bundesregierung dieser Idee eine Absage.

Probleme bei der Umsetzung und der rechtlichen Ausgestaltung sprechen gegen eine verpflichtende Haltungskennzeichnung. Zu diesem Schluss kommt der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Peter Bleser. Die Bundesregierung plane, so Bleser, vielmehr ein freiwilliges, mehrstufiges staatliches Tierwohllabel, das für bestimmte tierische Produkte gelten soll. Voraussetzung ist, dass bei deren Erzeugung höhere als die gesetzlichen Standards eingehalten werden. Die Kriterien sollen sowohl die Haltungsform als auch tier- und managementbezogene Faktoren berücksichtigen.

Laut Bleser sei unter anderem der Definitions- und Kontrollaufwand, der mit einer verpflichtenden Lösung verbunden ist, zu hoch. Außerdem zeichnet sich eine gemeinsame Regelung auf EU-Ebene nicht ab. So wäre zum anderen ein nationaler Alleingang mit einer "Inländerdiskriminierung" verbunden und würde spezielle Vorschriften für Importe erfordern.

Ei als Vorbild

 
Tierschutzorganisationen und auch Verbraucher - zumindest in Umfragen - sprechen sich für verpflichtende Auskünfte über die Art und Weise wie Tiere gehalten werden aus. Deren stärkstes Argument ist, dass die Einführung einer Kennzeichnungspflicht bei den Eiern anfangs auch stark blockiert wurde, jetzt aber funktioniere. Kritiker halten dem entgegen, dass ein Ei immer als ganzes vermarktet würde, der Dokumentationsaufwand bei Fleisch, das in Stücken gehandelt werde, aber nicht zu leisten sei.

Chance für Tierhalter vertan

Die Bundesregierung vergebe die Chance, dass tierhaltende Betriebe einen finanziellen Ausgleich für die gestiegenen gesellschaftlichen Ansprüche an die Tierhaltung erhalten, ärgert sich Dr. Kirsten Tackmann, agrarpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke  über das "Mauern" der Bundesregierung. Damit ignoriere sie die Empfehlung ihres eigenen Wissenschaftlichen Beirats, so die Politikerin.

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