Frei lesbar: Fleischersatz

Entscheidend ist die Verbraucherakzeptanz


Glaubt nicht, dass es ganz so schnell kommt, wie vorhergesagt. Dennoch könnte der Zeitplan nicht allzu weit von der Realität entfernt sein.
Bild: lizspecht.com
Glaubt nicht, dass es ganz so schnell kommt, wie vorhergesagt. Dennoch könnte der Zeitplan nicht allzu weit von der Realität entfernt sein.

Die Studie der Denkfabrik RethinkX zur Zukunft der Rinderhaltung stößt in den USA auf ein kontroverses Echo. Aus der Wissenschaft werden Zweifel angemeldet.

Die Halbierung der US-Rinderherde in den USA binnen zehn Jahren – dieses Szenario scheint selbst überzeugten Protagonisten einer fleischlosen Zukunft extrem unwahrscheinlich.  Liz Specht, Wissenschaftlerin am Good Food Institute in Los Angeles, bezweifelt einen derart radikalen Wandel. Hemmnisse für den Siegeszug der biotechnologisch erzeugten Lebensmittel könnten unter anderem eine mangelnde Verbraucherakzeptanz sein. Fraglich sei zudem, ob sich in einem Jahrzehnt die notwendigen Produktionskapazitäten aufbauen lassen, schreibt Specht in einem Kommentar auf ihrer Homepage. Gebremst werden könnten Veränderungen auch durch die Unterstützung der etablierten Branchen durch die Politik.


Dennoch zeige die Studie einige potenzielle Feedback-Mechanismen auf, die Entscheider in der Industrie und Investoren berücksichtigen sollten. Noch nicht absehbar sei, wie schnell es gelingt die Kosten für die in der RethinkX-Studie beschriebenen Fermentationstechnik zu senken. Specht sieht in den Verfahren aber großes Potential, denn aus sensorischer oder funktionaler Sicht ermöglichte die Herstellung von Inhaltsstoffen, die ihren herkömmlichen tierischen Gegenstücke überlegen seien. Deshalb könnten die Produkte den Markt durchdringen, noch bevor sie billiger seien als ihre tierischen Konkurrenten.

Als ein Beispiel nennt die Wissenschaftlerin Gelatine. Die Eigenschaften synthetisch erzeugter Kollagenproteine ​​könnten so fein abgestimmt werden, dass sie den exakten Anforderungen der Verarbeiter entsprechen.  Specht glaubt nicht, dass es den Herstellern der alternativen Milch und Fleischprodukte den Ehrgeiz haben, die tierischen Originale exakt nachzuahmen. Der Schwerpunkt werde vielmehr auf der Verbesserung von Qualität und Leistung liegen.

Die Wissenschaftlerin verweist auf ein weiteres Problem für die auf die Verarbeitung von Tieren spezialisierte Industrie. Bisher werden die Schlachtkörper nahezu vollständig genutzt, einschließlich  der Häute, Knochen oder des Bindegewebes. Sollte es in Zukunft für einen Teil dieser Rohstoffe einen kostengünstigeren oder qualitativ besseren Ersatz geben, sinken die Erlöse für diese Artikel. Die gleichbleibenden Kosten müssen auf die anderen Warenströme verteilt werden, was die Wirtschaftlichkeit der Produktion verringert. Es sei deshalb nicht erforderlich, dass für alle aus den Tieren gewonnenen Produkte ein gleichwertiger Ersatz angeboten wird.  Trotz aller ihrer Einwände rät Liz Specht den verantwortlichen in Politik und Wirtschaft in Betracht zu ziehen, dass der von RethinkX dargestellte Zeitrahmen nicht weit von der Realität entfernt sein könnte.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Schneider Michael
    Erstellt 20. September 2019 14:48 | Permanent-Link

    Ja das kann alles sein, wir Landwirte müssen eine Vorwertsstrategie entwickeln, ich fütter meine Schweine Gras-Wasser Getreide, also kein Soja und auch kein Mais. Und die so erzeuten Produkte haben ein ausgeglichenes Omega3 zu Omega6Fettsäure Muster.
    Also und für so ein erzeugtes Fleisch gibt es keinen Ersatz aus der Retourte.
    Mit freundlichen Grüßen

  2. Petra Zielke
    Erstellt 9. Oktober 2019 22:41 | Permanent-Link

    Eine mögliche Vorwärtsstrategie wäre auch, die Tiere ihr Leben leben zu lassen und sich anders seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Landwirt zu bleiben ist ja nicht in Stein gemeißelt. Und es ist außerdem möglich, sich auf die Produktion von pflanzlicher Nahrung zu besinnen. Es gibt viele Beispiele solcher Umstellungen, die durchaus sehr erfolgreich verlaufen und ganz nebenbei dazu beitragen, der Tierwelt , der Natur und unserem Klima zu helfen, wieder auf die Beine zu kommen.
    MfG

  3. Michael Schneider
    Erstellt 11. Oktober 2019 15:27 | Permanent-Link

    Wir brauchen aber auch für die Nutztierhalter eine Vorwärtsstrategie, denn der nahezu unverminderte Fleischverbrauch zeigt, es wir noch genügend Fleischerzeugnisse nachgefragt.
    Ich denke auch, das der Fleischkonsum zurück gehen muss, aber der Verbraucher zeigt uns Anderes. Zudem betreibe ich einen Bio-Veganen-Gemüsebau und dabei entsteht eine Trof.-, wie Erdenfreie Ansaaterde, also Vorwärtsstrategieen hoch2.

  4. Michael Schneider
    Erstellt 13. Oktober 2019 11:37 | Permanent-Link

    Ja die Biochemie kann sehr viel, ich selber habe aber jetzt shirts aus BioBaumwolle im Internet bestellt, denn die sind besser als alles für mich Bisheriges im Null Acht Fünfzehn Handel.
    Und Fleischersatz aus födalen Stoffen, wie es die Israelis machen, greifen nach meiner Information immer noch auf die erbärmlichste Stoffklasse aus dem Tierbereich zurück, aber die Schlachbranche schmeißt diesen Leuten noch viel zu viel Geld hinterher. Die Proglamieren immer seit Jahren, sie brächten diese Betrugssache nicht mehr, aber es ist noch so...
    Und Köfter-, wie Würmernahrung ist auch nicht jedermans Sache, vorallem die Beschwörer sind Leute, die im Agrarbereich bisher versagt haben in Bezug auch Nachhaltigkeit.
    Habe ausreichend Nachahmer aus dem Agrarforschungsbereich, ich sehe bei diesen nur tierschändliche Ansätze,
    Es grüßt Euch der Grünlandrebell

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