Die Bundesregierung will bis 2030 gegenüber 1990 eine Senkung der Treibhausgasemissionen um mindestens 55 Prozent erreichen. Dabei helfen soll der Einsatz von Gülle und Mist in Biogasanlagen.
Foto. Pixabay
Die Bundesregierung will bis 2030 gegenüber 1990 eine Senkung der Treibhausgasemissionen um mindestens 55 Prozent erreichen. Dabei helfen soll der Einsatz von Gülle und Mist in Biogasanlagen.

Das Klimaschutzprogramm geht nach dem Beschluss im Bundeskabinett seinen parlamentarischen Weg. Die agrarzeitung (az) informiert über erste Konsequenzen des Klimapaketes für die Landwirtschaft.

Wie viel Geld bekommt die Landwirtschaft aus dem Klimafonds?

Das Bundesagrarministerium erhält vom Finanzminister offenbar rund 1 Mrd. €. Davon soll rund die Hälfte in die Wiederaufforstung der Wälder fließen. Offiziell bestätigt wurde dies jedoch nicht. Kommuniziert wird, dass das Geld innerhalb der 2. Säule der GAP für Agrarumweltprogramme zur Verfügung gestellt werden soll.

Trifft ein CO2-Preis die Landwirtschaft?

Mit einem CO2-Preis versehen werden jetzt auch die Emissionen aus der Verbrennung von Heizöl, Erdgas, Benzin und Diesel. Ab 2021 sind 10 €/t CO2 vorgesehen. Das entspricht einem Preisaufschlag von 2 bis 3 Cent/Liter für Benzin, Diesel und Heizöl. Bis 2025 erhöht sich der Betrag auf 35 €/t CO2 und 11 Cent auf Mineralkraftstoffe und Heizöl. Die Grünen halten den Preis für viel zu niedrig, die SPD zeigt sich bereits verhandlungsbereit. Ab 2026 soll der Einstieg in den Emissionshandel erfolgen. Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) erwartet mit der Ausweitung des CO2-Zertifikatehandels Mehrkosten auf die Agrarlogistik zukommen. Agrardiesel bleibt davon unberührt. Ob es zu einer CO2-Steuer für Feldkulturen kommt, ist offen. Erinnerungen an die frühere Mitverantwortungsabgabe, die jeder Erzeuger und Verarbeiter zahlen musste, werden geweckt und ist ein gangbarer Weg.

Was bedeutet das Klimapaket für den Biokraftstoffsektor?

Die Biokraftstoffe der 1. Generation aus Raps, Rüben oder Getreide sollen laut dem Eckpunktepapier zum Klimaschutz "nicht zusätzlich gefördert" werden, die Verwendung von Biosprit aus Reststoffen dagegen "stärker". Das Klimapaket liefert keinen Grund, den Rapsanbau auszudehnen – aber auch keinen, ihn einzuschränken. Für die 1. Generation bleibt alles beim Alten: Laut der EU-Richtlinie für erneuerbare Energien RED II soll der Anteil von Biokraftstoffen im Verkehrssektor ab 2021 auf maximal 7 Prozent festgeschrieben werden; sie bleiben im Klimapaket als "Brückentechnologie" erhalten.

Von einer besseren Förderung für Biosprit aus Reststoffen würden Landwirte nicht unmittelbar profitieren. Zwar stellt hierzulande die Verbio AG in Leipzig Biokraftstoff auf Strohbasis her, doch bislang in einer mit EU-Fördergeldern unterstützten Demonstrationsanlage. Das Unternehmen sieht aber Vermarktungspotenzial als Biokraftstoff für Erdgasfahrzeuge im Kommunal- und Privatverkehr. Ähnlich sieht es für Biomethan auf Güllebasis aus. Wann und unter welchen Bedingungen eine Aufbereitung des Bioerdgases aus Wirtschaftsdüngern lohnt, ist noch schwer abzusehen.

Dagegen könnte Biosprit der 1. Generation ab 2020 noch aus anderer Richtung Schwung bekommen: Die Treibhausgas-Quote schreibt den Mineralölkonzernen ab 2020 ein Einsparziel gegenüber dem Referenzjahr 2010 von 6 statt der aktuell geltenden 4 Prozent vor. Da die Mineralölindustrie auch an anderen Stellen im Produktionsprozess CO2-Einsparung anrechnen kann, dürfte die THG-Quote real nach Schätzungen aus der Branche zwar auf knapp 5 Prozent steigen. Aber die Botschaft bleibt: Um ihre Minderungsziele zu erreichen, müssen Aral, Shell, Esso & Co theoretisch auch auf Biosprit zurückgreifen. Ob dieser dann aus Deutschland stammt, ist eine andere Frage.

Dies ist die gekürzte Version eines Artikels aus der Agrarzeitung 39/2019, Seite 3. Wenn Sie den gesamten Text lesen möchten, können Sie ein vierwöchiges kostenloses Probeabo für die Agrarzeitung und agrarzeitung.de abschließen. Abonnenten finden den kompletten Artikel hier: Jetzt im E-Paper lesen  

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Reinhard Arndt
    Erstellt 30. September 2019 14:11 | Permanent-Link

    Wenn der CO2 Preis für Zertifikate bei 50 €-to erreicht hat, kommt für den Ackerbauer die Frage ob sein Pflanzen anbau auf Schwerpunkt CO2 Speicherung im Boden , oder Auf Nahrungs -, und Futtermittel produktion ausgerichtet wird. Aber ohne Vertrag mit festgeschriebenen Zahlen geht nichts

stats