Frei lesbar: Milchwirtschaft

Das Glas ist halbvoll

Milchkühe spielen für eine nachhaltige Wirtschaftsweise eine besondere Rolle.
Bild: Pixabay / ulleo
Milchkühe spielen für eine nachhaltige Wirtschaftsweise eine besondere Rolle.

Spektakuläre Nachrichten vom Milchmarkt sind derzeit rar. Doch die Branche muss sich mit weitreichenden Zukunftsfragen beschäftigen.

Milch und Milchprodukte sind laut einer Emnid-Umfrage für 93 Prozent der Verbraucher in Deutschland ein selbstverständlicher Bestandteil der Ernährung. Umgerechnet entspricht der jährliche Verbrauch von Milch, Käse, Butter, Sahne und Joghurt rund 220 kg pro Kopf (siehe Grafik). Damit liegen die deutschen Verbraucher auch international gesehen auf einem Spitzenplatz.

Die Zahlen belegen eine große Stabilität in den Konsumgewohnheiten, dennoch werden leichte Veränderungen erkennbar, in besonderer Weise betrifft dies den Absatz von Konsummilch. Hier scheint sich ein längerfristiger Trend abzuzeichnen, für den der Produktpreis kaum als Ursache gelten kann. Und ob tatsächlich der sich langsam entwickelnde Markt für Milchersatzprodukte bereits Auswirkungen zeigt, stellen Industrievertreter zunächst noch infrage.

Zu gering sei der Marktanteil für derartige Waren, doch verfolge die Branche die Entwicklung sehr aufmerksam. Zweifellos bestehe in der Öffentlichkeit ein großes Interesse für Milch- und auch Fleischersatzprodukte, doch seien die heute populären "disruptiven" Veränderungen im Milchmarkt für den überschaubaren Zeitraum von fünf bis zehn Jahren kaum zu erwarten.
Bild: az

Trotz ausgeprägter Dürre im Jahr 2018 und zum Teil auch im laufenden Jahr hat sich der Milchmarkt auffallend stabil entwickelt. Als Folge der knappen Grundfuttersituation liegt die angelieferte Milchmenge in Deutschland im 1. Halbjahr 2019 etwa 0,6 Prozent niedriger im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In der EU dagegen ist sie nach Angaben der Milchindustrie um 0,2 Prozent gestiegen.

Dennoch stehe damit weniger Milch am Markt zur Verfügung als in den Vorjahren, die durch ein kontinuierliches Wachstum geprägt waren. Dies trage sicher auch zu der stabilen Preissituation bei. Hinzu kommt, dass die nach vorausgegangenen Preiskrisen am Milchmarkt aufgebauten Interventionsläger der EU schrittweise abgeschmolzen seien und derzeit als nahezu geräumt gelten. Auch ein wieder zulegender Export, beispielsweise für Butter, trägt seinen Teil zur Stabilität der Preise bei.

Unsicherheiten entstehen weiterhin mit Blick auf den möglicherweise am 31. Oktober bevorstehenden "harten Brexit" und daraus folgende Komplikationen in der Logistik. Aber es herrscht auch Zuversicht, dass die betroffenen Einzelunternehmen sich bereits auf Schwierigkeiten, beispielsweise durch den Aufbau von Lagervorräten in Großbritannien, vorbereitet haben. Auch die Zusage der Briten auf den Verzicht auf Zölle für Molkereiprodukte hat den Schrecken vor einem möglichen Brexit etwas gemildert.

Dies ist die gekürzte Version eines Artikels aus der Agrarzeitung 40/2019, Seite 9. Wenn Sie den gesamten Text lesen möchten, können Sie ein vierwöchiges kostenloses Probeabo für die Agrarzeitung und agrarzeitung.de abschließen. Abonnenten finden den kompletten Artikel hier: Jetzt im E-Paper lesen

Kommentare

Ihre E-Mail wird weder veröffentlicht noch weitergegeben. Notwendige Felder haben einen *

Spielregeln

stats