Frische Forum Fleisch

Tierwohl allein funktioniert nicht


Die Schweinefleischproduktion von morgen muss für den Kunden einen spürbaren Mehrwert über das Thema Tierwohl hinaus bieten. Davon zeigte sich Jörn F. Göbert von der LFD Holding beim 34. Frische Forum Fleisch überzeugt.

Auf dem Podium hatte Moderatorin und Chefredakteurin der Fleischwirtschaft Renate Kühlcke die gesamte Wertschöpfungskette zusammengebracht. Am Eröffnungstag der Grünen Woche diskutierten die Vertreter tragfähige Lösungen für die Zukunft der deutschen Schweinefleischerzeugung: "Wege gehen, Lösungen entwickeln" war das Leitthema.

Viele Bestrebungen der Branche gehen derzeit in die Richtung von mehr Tierwohl. Das wird nicht reichen, ist sich Göbert sicher. Tierwohl allein werde in den nächsten zehn Jahren kaum zu einem höheren Preis führen, so lange sich der Verbraucher nicht bewusst ist, dass er ein besseres Produkt kauft. "Angeboten werden immer nur Golfs. Warum soll der Kunde für den einen mehr bezahlen als für den anderen?"

Matthias Frieß vom Dach der Erzeugergemeinschaften, der VEZG, machte den knapp 100 Teilnehmern aus der Land- und Fleischwirtschaft beim Frische Forum Fleisch am Rand der Grünen Woche klar: "Wer wirklich etwas verändern will, muss bereit sein, alte Zöpfe abzuschneiden." Dazu sendete er einen expliziten Wunsch an die Schlachtunternehmen: mehr Lieferkontrakte. Das minimiere das Risiko für beide Seiten.

Der Verbraucher hat es zu richten - das hält Ludger Breloh von der Rewe Group für einen feigen und falschen Ansatz. Die Unternehmen dürften die Verantwortung nicht leichtfertig auf den Kunden abwälzen. Erste Ansätze für eine im weitesten Sinn nachhaltige Produktion sieht der Bereichsleiter Strategie und Innovation im Agrarsektor bereits in der Branche. "Wir brauchen aber mehr Mut, die Dinge groß zu denken." Ein bisschen mehr Platz im Stall für einen kleinen Aufpreis, das ziehe nicht. "Lieber richtig und auf den Preis merklich aufschlagen."

Christoph Hüsing beschrieb den Ansatz seines Vereins "Land.Schafft.Werte.": Marketing für Unternehmen der Rotfleischbranche, vom Futtermittelhersteller bis zum Fleischverarbeiter. Dabei gehe es durchaus mal provokant zu. Beispielsweise kritisierte er die Anwürfe, der sich die Branche oft genug gegenüber sieht: "Da kommen ja keine Lösungsvorschläge, eigentlich nur Kritik. Das ist nicht anpacken, sondern ankacken."


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