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Bangen um Freilandhaltung von Geflügel


Bild: Pixabay / bzwei

Die Angst vor Geflügelpest hat in Brandenburg für empfindliche Einschränkungen bei der Freilandhaltung gesorgt. Obwohl es in diesem Jahr dort noch keinen Krankheitsfall gab, muss ein Gänsehalter in Deetz seine Tiere in den Stall sperren.

Weil der Landkreis Anhalt-Bitterfeld einen Ausbruch der Geflügelpest befürchtet, muss ein Landwirt in Deetz seine 2000 Freilandgänse „aus Gründen der Risikovorsorge“ in den Stall sperren. Mit Geflügelpest infizierte Wildvögel könnten die Tiere anstecken und so auch andere Geflügelbestände in der Nachbarschaft gefährden, heißt es vom Amt zur Begründung. Das meldete die Lebensmittelzeitung.

Mit einem Antrag auf eine einstweilige Verfügung diesen Beschluss aufzuheben, konnte sich Gänsehalter Andreas Mösenthin vor dem Oberverwaltungsgericht Magdeburg nicht durchsetzen. Es sei möglich, so die Begründung des Gerichtes, die erforderlichen Stallungen so zu gestalten, „dass die Anforderungen an eine artgerechte Tierhaltung erfüllt“ würden, urteilte das Gericht. Mösenthin sieht das anders: Zumindest für Deetz sei das das Ende der Freilandgänsehaltung, warnt der Landwirt gegenüber dieser Zeitung angesichts der Entscheidung. Er denke nun an die Aufgabe des Betriebs. „Unter solchen Bedingungen kann man keine Gänse halten“, so der Geflügelhalter resigniert.

Lorenz Eskildsen, Vorsitzender des Bundesverbands Bäuerliche Gänsehaltung e.V., der gleichzeitig als größter Vermarkter deutscher Freilandgänse gelten kann, hatte sich in den vergangenen Monaten für die Interessen des betroffenen Gänsehalters eingesetzt. Er sieht in der Entscheidung des Landkreises eine gewisse Willkür. „Mit dieser Verordnung kann man einem Landwirt auf seinem eigenen Besitz das Handwerk legen.“ Für Eskildsen ist die deutsche Freilandhaltung von Geflügel generell ein schützenswertes Gut. Für Gänse gelte das sogar in besonderem Maße: Nur noch 15 Prozent der in Deutschland konsumierten Gänse stammten aus bäuerlicher heimischer Freilandhaltung, so der Vorsitzende. Dies gelte es zu erhalten und nicht weiter zu dezimieren. Die meisten der Großvögel werden bereits aus vor allem osteuropäischen Ländern importiert. Die deutschen Landwirte seien allerdings nicht auf eine Haltung in Ställen eingerichtet. „Eine Gans gehört nach draußen“, so Eskildsen.

Die Entscheidung dürfte aber nicht nur für Gänsehalter eine Bedrohung sein. Auch Legehennenhalter, die ihre Tiere ins Freie lassen, könnten mit ähnlichen Verboten belegt werden, so die Befürchtungen in der Branche. Und das wäre dann wirklich das Ende der Freilandhaltung.

Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) sieht die Anordnung des Landes ebenfalls kritisch. Die Entscheidung des Landkreises, die Freilandhaltung eines Gänsehalters so stark einzuschränken, sei eine sehr ernste Sache, so Ripke gegenüber dieser Zeitung. „Die Freilandhaltung ist ein wertvoller Beitrag für den Tierschutz“, bekräftigt der Präsident. Er werde sich bemühen, eine sachliche Lösung zu erzielen, die dem Tierschutz diene und ökonomisch sinnvoll sei.

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