Lebensmittel

Russland setzt auf den Export

Dr. Alfred Hüttmann
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Dr. Alfred Hüttmann

Russland hat seine Landwirtschaft modernisiert und ist zu einem wichtigen Player an den Weltmärkten geworden. Effizienzsteigerung ist jetzt im Fokus.

Die Betriebe werden sich im Wettbewerb behaupten müssen. "Mit einem groß angelegten staatlichen Hilfsprogramm ab 2005 wurden die Grundlagen zum Aufbau einer rentablen, modernen und privat organisierten Landwirtschaft und Veredelungsproduktion gelegt", erklärte Dr. Alfred Hüttmann kürzlich auf dem Commodity-Tag der Nord/LB in Bremen. Planungs- und Absatzsicherheit, gute Margen und Anschubförderungen hätten das Land aus einer Mangelsituation zu einer Exportnation und zu einem einflussreichen Player auf den internationalen Agrarmärkten entwickelt.

Getreideproduktion ist wettbewerbsfähig

Die EU-Sanktionen hätten zudem wie ein Konjunkturprogramm gewirkt und den Aufbau der russischen Agrarwirtschaft gefördert. Im internationalen Handel habe sich auch der WTO-Beitritt 2012 für Russland ausgezahlt. Durch den Wegfall des Exportschutzes sind laut Hüttmann die russischen Ausfuhren an Getreide sukzessive angewachsen. Der russische Staat hat die Landwirtschaft massiv gefördert mit direkten Subventionen, Krediten zu niedrigen Zinsen und konsequenter Förderung des ländlichen Raums im sozialen Bereich. Durch die fortgeschrittene Modernisierung und Konzentration auf moderne Landbewirtschaftung und Tierproduktion, durch den schwachen Rubel und ständig verbesserte Produktionstechnik werden laut Hüttmann sehr gute Margen im Ackerbau sowie mit Veredelungsprodukten erzielt. Die Produktionsüberschüsse fließen in den Export.
„Auf die Stempelgewalt kommt es an - ohne sie läuft in Russland nichts.“
Dr. Alfred Hüttmann , 

Vor allem in der Getreideproduktion ist Russland wettbewerbsfähig, sagt Hüttmann und verweist auf einen Vergleich zwischen dem erzielten Reinertrag bei Weizen zwischen Schleswig-Holstein und dem russischen Schwarzerdegebiet. Seinen Berechnungen zufolge beträgt der Nettoertrag ohne Prämie für Weizen in Russland 187 €/ha und in Schleswig-Holstein dagegen nur 99 €/ha. Russland werde daher seine Exportmärkte für Getreide, Ölsaaten und auch Fleisch weiter ausbauen.

Gezielte Förderung für Prozessoptimierung

Die russische Fleischproduktion, deren Aufbau ebenfalls massiv gefördert wurde, ist für Hüttmann eine Erfolgsgeschichte, wobei der Staat den Erfolg konsequent und kontinuierlich auch überprüft hat. Vorwiegend wird die Fleischerzeugung von vertikal integrierten Großunternehmen getragen, die laut Hüttmann modernisiert und hoch rentabel sind und den inländischen Bedarf decken. Die 20 größten Unternehmen haben einen Anteil von 65 Prozent am Gesamtvolumen der industriellen Schweinefleischerzeugung in Russland.
Senior-Expert für Futtermittel
Alfred Hüttmann ist Experte in Fragen der Tier- und Futtermittelproduktion. Nach seiner Karriere in der Futtermittelindustrie in Deutschland ist er heute beim Senior-Expert-Service (SES) in Bonn international tätig. Der studierte Agrar- und Betriebswirtschaftler berät Unternehmen in den verschiedensten Ländern und stellt sein Know-how rund um Futtermittel zur Verfügung. Seine berufliche Karriere startete Hüttmann nach der Promotion bei der Club-Kraftfutterwerke GmbH, Hamburg. Anschließend folgten Stationen als Geschäftsführer bei der Getreide- und Kraftfutter GmbH (GeKa) in Neubrandenburg, bei der Habema sowie bei der Vollkraft Mischfutterwerke GmbH, Rendsburg, ein Unternehmen der Getreide AG in Rendsburg.

Die staatliche Förderung für den Aufbau der Veredelungsproduktion gibt es nicht mehr, aber der Aufbau und die Entwicklung von Exportmärkten wird weiterhin staatlich unterstützt. "Die Exportförderung wurde im März 2017 sogar als Prioritätsprojekt eingestuft", erklärt der Futtermittelexperte weiter. Gefördert werden auch nach wie vor Investitionen zur Steigerung der Effektivität, der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und der Modernisierung. Dazu zählen beispielsweise Investitionen in die Zucht, Seuchenprävention, Zerlegung, Logistik und Seehafenumschlag. "Insbesondere der Hygiene und Seuchenprävention widmet Russland ein großes Augenmerk. Denn es gibt keine Seuchenkasse", sagt Hüttmann.

Außerdem will sich Russland auch seine Exportchancen durch die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Südostasien nicht verbauen. So gibt es zentral geführte Programme zur Ausrottung der ASP, Monitoringprogramme, elektronische Veterinärzertifizierung, Tieridentifikation und eine Attestierung der Schlachtbetriebe, beschreibt Hüttmann die Maßnahmen. Auch ein Produktionsverbot für Nebenwirtschaften wurde durch die Behörden verhängt aufgrund fehlender Seuchenvorsorge. Hüttmann erwartet daher, dass die Anzahl der Nebenwirtschaften weiter zurückgehen wird.

Dies ist die gekürzte Version eines Artikels aus der Agrarzeitung 44/2019, Seite 7. Wenn Sie den gesamten Text lesen möchten, können Sie ein vierwöchiges kostenloses Probeabo für die Agrarzeitung und agrarzeitung.de abschließen. Abonnenten finden den kompletten Artikel hier: Jetzt im E-Paper lesen  


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