GAP-Reform

Ostbetriebe laufen Sturm


Die EU-Kommission plant eine Kappung der Direktzahlungen auf 60.000 €. Nahezu alle Ostbetriebe, aber auch viele aus dem Westen müssen ab 2020 mit weniger Geld auskommen. "Das hat mit Landwirtschaft nicht mehr viel zu tun", sagte ein empörter Wolfgang Vogel, Bauernpräsident aus Sachsen, gegenüber agrarzeitung.de.

"Das ist ein Zurück in die landwirtschaftliche Puppenstube", empört sich Vogel zu den heute aus Brüssel bekannt gewordenen Vorschlägen zur GAP-Reform 2020. Die Direktzahlungen sollen auf 60.000 € gedeckelt werden. Im Durchschnitt erhalten die Betriebe in Ostdeutschland rund 300 €/ha Betriebsprämie aus Brüssel. Bei 60.000 € würden ab 200 ha keine Direktzahlungen mehr gezahlt. Für den sächsischen Bauernpräsidenten sei mit weniger Agrarzahlungen die von der Gesellschaft und Politik gewünscht innovative Landwirtschaft nicht mehr möglich. "Wer soll die teure moderne Ausbringungstechnik bezahlen, wenn ein Großteil der Gelder in den Betrieben ab 2020 fehlt?", fragt er


Ein Sprecher des Deutschen Bauernverbandes (DBV) verweist zunächst auf den gemeinsamen Schulterschluss zur Kürzung von Agrarzahlungen der Verbände in Deutschland und Frankreich. Vor dem Hintergrund drohender Kürzungen im Agrarhaushalt auf EU-Ebene appellierten am Dienstag bei eineem Treffen, Christiane Lambert, Präsidentin des französischen Bauernverbands Fédération nationale des syndicats d'exploitants agricoles (FNSEA) und DBV-Präsident Joachim Rukwied an die Staats- und Regierungschefs, den EU-Haushalt aufzustocken, um auch die Zukunft der EU-Agrarpolitik zu sichern: „Ein starkes Budget ist Garant für Stabilität und Zusammenhalt der Europäischen Union. Jede Kürzung wäre automatisch eine Schwächung des ländlichen Raumes – und zwar in ganz Europa“, so die Präsidenten. Rukwied sieht das von der Kommission derzeit diskutierte Umsetzungsmodell („Delivery Model“) als Möglichkeit, die EU-Fördermaßnahmen für die Landwirte effektiver und einfacher zu gestalten und damit den europäischen Mehrwert der GAP noch weiter zu verstärken.

 

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  1. agricola pro agricolas
    Erstellt 25. April 2018 14:30 | Permanent-Link

    „Das hat mit Landwirtschaft vornehmlich nichts mehr zu tun...“, zunächst einmal vollkommen richtig, hochverehrter Herr Bauernpräsident Vogel.

    Und ICH meine damit ein vollkommen antiquiertes Prämiensystem, so wie es aktuell leibhaftig alles und jeden füttert, nur nicht die Bauern selbst. - Am besten abschaffen, und das komplett.

    „Wovor ängstigt Ihnen“, werter Herr Vogel, „vor einem realiter unternehmerisch aufgestellten Bauernstand schlechthin?“ - Sie fokussieren sämtliche Interessen unserer leidenschaftlich kapitalfressenden Großinvestoren, aber keinesfalls die der bäuerlichen Familienbetriebe.

    Wieviel Spannung würde aus dem Pacht- und Flächenmarkt schon im Verlaufe dieses Kalenderjahres schlagartig herausgenommen? Dem weit verbreiteten brutalen Kannibalismus unter den Bauern entzöge man systematisch jedwede Substanz, etliche Spannungsfelder innerhalb unserer ländlichen Räume könnten somit ohne große Anstrenungen befriedet werden.

    „Wessen Interessen verteidigen Sie also mit Zähnen und Klauen“, werter Herr Vogel. Wohl eher die, angefangen bei unseren Großinvestoren bis hinab zu den zahlreichen Sofamelkern, die ohne einen Finger krümmen zu müssen, die wahren Profiteure eines derzeitigen Prämiensystems sind.

    Kennen Sie die allseits glorreich hofierten, für uns Bauern durchgängig desaströsen Börsennotierungen für unsere Roherzeugnisse nicht, welche nur schwerlich noch mit Argumenten aus einem physischen Markt in Einklang zu bringen sind?

    Wann endlich wacht unsere berufsständische Vertretung auf? Das Geäst auf dem sie alle es sich friedlich dahinschlummernd in mannigfaltigem Pöstchengeschachere extrem bequem gemacht haben ächzt bereits derart bedenklich angesichts dieser kaum noch zu ertragenden Schwerlasten.

    Der selbst in unseren Gunstregionen mittlerweile schwer kalkulierbare Klimawandel ist für uns Bauern sehr schlimm, darüber müssen wir nicht streiten, die anderweitig aber mannigfaltig lauernden Gefahren sind jedoch weitaus brandgefährlicher für jeden heute noch überlebenswilligen Bauer, kausal hausgemacht über Dekaden hinweg von WEM...!?

  2. Kurt Alois
    Erstellt 25. April 2018 17:11 | Permanent-Link

    Die Begrenzung der Direktzahlungen oder deren Abschaffung wäre wirklich wünschenswert, um letztendlich den Bauern höhere Einkommen durch bessere Erzeugerpreise zu ermöglichen.
    Doch wer will höhere Erzeuger-/Rohstoffpreise? Die Politik, die Lebensmittelindustrie, der Verbraucher? Wohl kaum. Wenn dann zusätzlich noch Importe aus USA, Ukraine usw. erlaubt bzw. gefördert werden, ist eine Begrenzung der Direktzahlungen einzig ein Anschlag auf größere Betriebe, die es durch jahrelange Optimierung des Betriebsablaufes geschafft haben, mit den lächerlichen, derzeitigen Erzeugerpreisen wenigstens zurechtzukommen. Ist ein Ackerbaubetrieb mit 500 -1000 ha heutzutage ein Großbetrieb? Wohl kaum. Das schafft heute EINE Familie. Sofern sich die Kritik gegen das böse Kapital und dessen angebliche Akkumulation von Flachen richten soll, dann wäre das logischerweise erst ab einer Größe um 500 ha gerechtfertigt, davon ab keine Produktivitätssteigerung mehr durch Größenwachstum erreichbar ist, alles andere zerschlägt funktionierenden größeren Betrieben die Existenzgrundlage. Oder geht es in Wirklichkeit darum? Ideologie vor Logik und Vernunft wie bei Glyphosat? Will man mit solcher Sozialromantik den Populisten noch mehrdas Feld düngen? Ich sehe schon heute die Slogans - Bauer geh den RECHTEN Weg.

  3. agricola pro agricolas
    Erstellt 25. April 2018 20:48 | Permanent-Link

    In Deutschland werden ca. 16 Mio. Hektar LN bewirtschaftet.

    Werter Herr Kollege, legen wir Ihr erfolgsgekröntes „Bauernfamilien-Rechenmodell“ zugrunde, das wohl aber nur MIT Subventionierung und Glyphosateinsatz funktioniert, so benötigen wir mittelfristig bundesweit allenfalls noch, wenn überhaupt(!), gut 32.000 Betriebe.

    Und was geschieht mit dem Rest? Von 3 Betrieben können sofort 2 für immer ihre Hof- und Stalltüren schließen! - Ist das nicht recht egoistisch überambitioniert!?

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