Geflügelbranche

Herr Klüger macht Hähnchenesser schlauer


Vor allem der Verbraucher kann dazu beitragen, dass die deutschen Tierwohl-Standards nicht durch Billig-Importe unterlaufen werden. Die IDEG-Video-Kampagne will auf unterhaltsame Art Bewusstsein schaffen.
IDEG
Vor allem der Verbraucher kann dazu beitragen, dass die deutschen Tierwohl-Standards nicht durch Billig-Importe unterlaufen werden. Die IDEG-Video-Kampagne will auf unterhaltsame Art Bewusstsein schaffen.

Mit einer neuen Kampagne kämpft die Geflügelwirtschaft für mehr Transparenz in der Gastronomie. Sie soll Konsumenten zum kritischen Nachfragen animieren. Star der Anzeigen und Filme ist ein leicht überdrehter Mittfünfziger.

„Der Klüger fragt nach“, mit diesem Slogan will die Informationsgemeinschaft Deutsches Geflügel (IDEG) Verbraucher dazu animieren, in Restaurants, Kantinen und Imbiss-Ständen nach der Herkunft des Geflügelfleischs zu fragen. Offizieller Startschuss der Kampagne ist Ende Mai. Am Montag stellte Christiane von Alemann vom Zentralverband der Deutschen Gflügelwirtschaft (ZDG) die Konzeption beim Geflügeltag der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen im Haus Düsse vor.

Während der Lebensmitteleinzelhandel seit Jahren gesetzlich verpflichtet ist, beim Frischfleisch über die Herkunft zu informieren, fehlt eine solche Regelung bisher in der Gastronomie. Aus Sicht des ZDG ist das für die Branche in Deutschland ein Problem, denn die Verbraucher würden häufig annehmen, dass das Fleisch in Deutschland produziert wurde. Ein großer Teil des von Restaurants, Kantinen und anderen Großverbrauchern verarbeiteten Fleischs werde aber aus Ländern importiert, die den Tieren niedrigere Haltungsstandards böten als die deutschen Geflügelhalter, so der ZDG.

Druck auf Gastronomie soll steigen

Mit Filmen, die beispielsweise über Facebook verbreitet werden sollen, Radiospots und auf Plakaten in Großstädten soll das Thema in die Öffentlichkeit gebracht werden. Außerdem wird die Gastronomie über Anzeigen in der Fachpresse und auf Messen direkt angesprochen. Auch mit Vertretern aus der Politik soll weiter über das Thema gesprochen werden, zum Beispiel auf Parteitagen wie kürzlich bei der FDP. Gesicht der Kampagne ist „Herr Klüger“ der keine Scheu hat, die Mitarbeiter der Restaurants mit der Herkunfts-Frage zu konfrontieren. Leicht überdreht und etwas besserwisserisch lässt er sich nicht mit ausweichenden Antworten abspeisen.

Die IDEG sieht in der Kampagne die Verbraucher an ihrer Seite. Laut einer Kantar Emnid-Umfrage wollen 86 Prozent der Konsumenten wissen, woher das Geflügelfleisch in der Gastronomie kommt. 84 Prozent sehen die Politik in der Pflicht, dafür eine gesetzliche Regelung zu finden. Der ZDG setzt sich schon länger für eine Kennzeichnungspflicht ein. Mit der Kampagne soll der Druck auf die Politik und die Gastronomie kontinuierlich erhöht werden, so Alemann. Die Verbraucher können das Vorhaben unterstützen, indem sie beim Restaurantbesuch nach der Herkunft fragen oder Postkarten an die politisch Verantwortlichen schicken.

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