Gelatinepreise

Auch Naschkatzen leiden an der Schweinepest


Gestiegene Preise für Gelatine und Zucker belasten die Süßwarenindustrie.
imago images / Karina Hessland
Gestiegene Preise für Gelatine und Zucker belasten die Süßwarenindustrie.

Die Preise für Gelantine steigen dramatisch an, meldet der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie. Da auch Kakao teurer wird fürchten die Hersteller weitere Ertragseinbußen.

Genascht wird offenbar immer: Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V. (BDSI) blickt auf eine stabile Entwicklung bei Absatz und Umsatz im Jahr 2019 zurück. Die Produktionsmenge der Süßwaren lag demnach leicht über Vorjahresniveau (+1,2 %), der Umsatz stieg um 2,3 %.

Doch die Zahlen täuschten darüber hinweg, dass die wirtschaftliche Lage deutlich angespannt sei: "Harter Konkurrenzdruck im nationalen Wettbewerb, Unsicherheiten im wichtigen Exportgeschäft, ein zunehmender Mangel an Fachkräften und erheblich gestiegene Rohstoffkosten stellen die mehr als 200 industriellen Hersteller deutscher Süßwaren und Knabberartikel aktuell vor enorme Herausforderungen", heißt es.Vor allem die hohen Kosten der Rohstoffe belasten demnach die Ertragslage vieler der Hersteller: Neben dem 2019 besonders teuren Kakao, dessen Preis in diesem Jahr durch eine Vereinbarung zwischen Ghana und der Elfenbeinküste noch einmal um 400 US-Dollar pro Tonne ansteigen wird ("Living Income Differential" LID), stiegen in der zweiten Jahreshälfte 2019 zudem die Preise für Gelatine "dramatisch" an. Da die Afrikanische Schweinepest die Schweinebestände insbesondere in China drastisch reduziert hat, mangelt es auf dem Weltmarkt auch an der aus tierischem Bindegewebe hergestellten Gelatine.

Viele landwirtschaftliche Erzeugnisse werden in Süßwaren verarbeitet.
BDSI
Viele landwirtschaftliche Erzeugnisse werden in Süßwaren verarbeitet.
Deutliche Preiszuwächse gab es dem BDSI zufolge zudem im 4. Quartal 2019 aufgrund international gestiegener Nachfrage bei Magermilchpulver, Haselnüssen und Mandeln. Der Lebensmittelpreis-Index der FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) verzeichnete zudem im Dezember 2019 deutliche Preiszuwächse bei Zucker und pflanzlichen Fetten.Sorge bereitet der Süßwarenindustrie derzeit zudem die Unsicherheit im Exportgeschäft mit Großbritannien durch den bevorstehenden Brexit, bei dem noch viele praktische Fragen offen sind. Rund 5 % oder 800 Mio. Euro der deutschen Süßwarenproduktion werden nach Großbritannien exportiert. Eine weitere Herausforderung seien die US-Strafzölle von 25 % auf gesüßte Kekse und Waffelprodukte, die aus Deutschland in die Vereinigten Staaten exportiert werden. Mit einem Exportanteil in der Menge von gut 50 % geht mehr als jede zweite Tonne deutscher Süßwaren in den Export.

Die deutsche Süßwarenindustrie beschäftigte als viertgrößte Branche mit einem Anteil von etwa 10 % am Umsatz in der Ernährungsindustrie im Jahr 2019 rund 50.000 Mitarbeiter.

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