Gemeinsame Agrarpolitik

Wie Australien Tierdichte und Klimagase unter einen Hut bekommt


Verschmutzungsrechte an Landwirte versteigern und  Risikoabsicherungen forcieren: Kanada und Australien liefern Ideen für die GAP-Reform

Australien habe eine vorbildliche Klimapolitik. Dort würden Verschmutzungsrechte an Landwirte versteigert, was den Vorteil habe, dass mit den niedrigsten Kosten am meisten Treibhausgase eingespart werden, betonte Simone Sterly vom Institut für Ländliche Strukturforschung der Universität Frankfurt am Main vor dem Agrarausschuss des Europaparlaments. Dort informierten sich die Abgeordneten über erfolgreiche agrarpolitische Maßnahmen anderer Länder.
Die Klimamaßnahmen führten in Australien kaum zu einer Verminderung der Tierbestände. Stattdessen würden klimafreundliche Bewirtschaftungsmethoden und die Aufforstung gefördert, berichtete Sterly.

Kanada als Vorbild für Risikoabsicherung 

Roel Jongeneel von der niederländischen Universität Wageningen meint, die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) biete zu wenig Absicherung für die Landwirte gegen Preis- und Ertragsschwankungen. Vorbildlich sei die Risikoabsicherung in Kanada, erklärte Jongeneel den Europaabgeordneten. Landwirte beteiligten sich dort mit großem Interesse an einem Risikofonds (AgriInvest). Die Rücklagen der Landwirte würden schlank verwaltet und garantierten in Zeiten von niedrigen Preisen die Liquidität der Betriebe.

Handelsverzerrende Förderungen nicht mehr zeitgemäß

Zahlreiche Abgeordnete warnten im Ausschuss davor, dass Risikoabsicherungen Versicherungen reich machten und der Landwirt nur wenig davon habe. Die Sorgen seien berechtigt, räumte Jongeneel ein. Es ginge immer etwas für die Verwaltung der Risikoabsicherung verloren. Die Direktzahlungen der GAP will der Experte der Universität Wageningen hingegen nicht als Risikoabsicherung gelten lassen. Diese Mittel würden den Landwirten schließlich nicht gezielt bei Ausfällen gewährt. Stattdessen stabilisierten die Direktzahlungen unabhängig von Krisen die Einkommen.

In der Welt griffen Schwellenländer verstärkt zu Agrarförderungen, hier vor allem China. Die Schwellenländer neigten heute zu Preisstützungen, so wie es die EU vor ihren GAP-Reformen gemacht habe, erklärte Jongeneel. Dagegen würden die Industrieländer USA, Australien, Kanada, die Schweiz und Japan auf handelsverzerrende Förderungen verzichten und stattdessen mehr für Umweltmaßnahmen sowie Risikoabsicherungen ausgeben.

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