Genome Editing

Pflanzenzüchter brauchen eine differenzierte Anpassung des Gentechnikrechts

Für Dr. Jon Falk von der Saaten-Union Biotech ist das Sortenrecht ein wertvolles Gut.
Foto: J_Struck
Für Dr. Jon Falk von der Saaten-Union Biotech ist das Sortenrecht ein wertvolles Gut.

Die landwirtschaftliche Pflanzenproduktion wird sich in den kommenden Jahren entscheidend verändern. Züchter geraten in Sorge um das Sortenrecht.

Neue Züchtungstechniken wie das "Genome Editing" werden die Zucht von Nutzpflanzen stark beeinflussen, hieß es heute in Berlin. Auf einer Fachveranstaltung der Genius GmbH diskutierten Wissenschaftler und Politiker über Notwendigkeit und Grenzen der neuen Zuchttechniken in den Ländern der EU. Das im vergangenen Jahr vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) gefällte Urteil, das Genome Editing unter das Gentechnikrecht fallen zu lassen, sei grundsätzlich nachvollziehbar, hieß es aus dem Kreis. Die Tatsache, dass mittels dieser Technik erhaltene Neuzüchtungen in anderen Ländern beim Import nicht nachweisbar sind, stelle jedoch eine enorme Herausforderung dar. Daher fordern Pflanenzuchtunternehmen eine differenzierte Anpassung des Gentechnikrechts.

Klassische Zucht braucht 10 Jahre für eine neue Sorte

Als Vertreter der Zuchtunternehmen verwies Dr. Jon Falk von der Saaten-Union Biotec auf die großen Chancen neuer Züchtungstechniken. Sicher sei, dass die Anforderungen an Nutzpflanzen steigen werden. Gleichzeitig rechnet er mit einem verringerten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Mit klassischen Züchtungsmethoden ergebe sich ein Zeitbedarf von 10 bis 15 Jahren für eine neue Sorte, führte er aus. Auch werde die Landwirtschaft in zehn Jahre eine andere sein als derzeit, zeigte sich Falk überzeugt. Zu beachten sei, dass mit neuen Züchtungstechniken erzielte Erfolge unter das Patentrecht fallen werden. In diesem Fall gerate das Sortenrecht unter Druck. Das Sortenrecht an sich sei jedoch ein sehr hohes Gut, das es unbedingt zu erhalten gelte, betonte Falk.


Große Übereinstimmung bestand in der Diskussion, dass Genome Editing seit den Jahren 2011 und 2012 eine rasche Entwicklung genommen habe. Daraus ließen sich sehr sinnvolle Anwendungen in der Wissenschaft und damit auch für die Pflanzenzucht ableiten, äußerte die Vorsitzende des Bioökonomierats in Deutschland. Prof. Christine Lang. Ein Problem sei die unterschiedliche Bewertung und Rechtssprechung in verschiedenen Ländern, führte Lang aus. Daher sei die Forderung berechtigt, das Gentechnikrecht auch in der EU anzupassen. Notwendig dafür sei jedoch der politische Wille. 

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